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Am Erscheinungstag vergriffen : Zwei Wochen Warten auf die Sarrazin-Lektüre

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Nicht zu übersehen: Thilo Sarrazin und sein neues Buch. Bild: DDP

Es ist nicht zu übersehen, und doch schwer zu finden. Das Buch des Vorstandmitglieds der Bundesbank, das am Montag offiziell in den Handel kam, galt am Erscheinungstag schon als ausverkauft.

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          Es ist nicht zu übersehen, und doch schwer zu finden. Schwarze Lettern auf rotem Grund formen sich zum Titel „Deutschland schafft sich ab“. Der Name des Autors erscheint in weiß: Thilo Sarrazin. Das Buch des Vorstandmitglieds der Bundesbank, das am Montag offiziell in den Handel kam, galt am Erscheinungstag schon als ausverkauft.

          In Frankfurts größter Buchhandlung Hugendubel ist es am Montag Vormittag noch zu haben, doch bereits um die Mittagszeit streift der Blick auf der Suche nach dem roten Einband vergebens durch die Bücherregale – beinahe zumindest. Denn da, wo sich der Buchhandlungs-Kunde gerne einen Latte Macchiato gönnt und ausgiebig in Büchern stöbert, liegt eines, rot leuchtend auf einem silbernen Bistrotisch.

          Alle Exemplare vorgemerkt

          Ein älterer Herr hat sich noch rechtzeitig ein Exemplar gesichert. „Endlich einer, der die Wahrheit sagt.“ Er deutet auf das leere Regal bei der Treppe: „Vor einer Stunde war das noch voll. Zum Glück habe ich mir gleich eins genommen.“

          In der Buchhandlung Carolus an der Liebfrauenstraße lagen die Thesen des ehemaligen Berliner Finanzsenators gar nie im Regal. Als die Lieferung am Freitag eintraf, waren alle Exemplare, 30 bis 50 schätzt eine Mitarbeiterin, bereits vorgemerkt. Nicht besser erging es den Kunden der Buchhandlung Millennium in Königstein, wo die wenigen Exemplare ebenfalls reserviert waren.

          Bald kommt die vierte Auflage

          „Es waren wohl alle überrascht, die Buchhändler, der Vertrieb, der Verlag“, sagt Brigitte Jenster von der Buchhandlung Vaternahm in Wiesbaden. Auch sie konnte alle Exemplare schon am Samstag verkaufen. „So etwas gibt es immer wieder“, sagt Jenster, „jüngst etwa beim Buch von Martin Mosebach.“

          Sarrazins Verlag, die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) in München, bemerkte bereits vergangene Woche, dass die 25 000 Exemplare der ersten Auflage nicht ausreichen würden. Es wurde eine zweite, alsbald eine dritte Auflage in Auftrag gegeben. Noch gestern sollten die 15 000 Bücher der zweiten Auflage versandt werden. Klaus Plinke, Filialleiter von Hugendubel in Frankfurt, schätzt allerdings, dass es Mittwoch wird, bis sich das schwarze Regal neben der Treppe wieder mit den roten Büchern füllt. Bei den Internetbuchhandlungen libri.de und amazon.de müssen die Kunden mit ein bis drei Wochen Wartezeit rechnen.

          Am Montag hat die DVA eine vierte Auflage bestellt – mit 80.000 Exemplaren die bisher umfangreichste. Eine DVA-Sprecherin hofft, dass die vierte Auflage, die am 7. September ausgeliefert werden soll, die große Nachfrage vorerst befriedigen kann. Bis spätestens Mitte nächster Woche sollen diese Bücher erhältlich sein. Dann wird der ältere Herr, der über Sarrazins Thesen schon mit seinen Freunden am Stammtisch diskutiert hat, im Urlaub sein – im Gepäck das rote Buch.

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