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Wohnungsbau in Oberursel : Lärmschutz als Herausforderung

Baugebiet: An der Nassauer Straße in Oberursel sollen neue Wohnungen entstehen. Bild: Wolfgang Eilmes

60 neue Wohnungen sind für das Quartier am Oberurseler Bahnhof geplant. Doch der von den Bürgern favorisierte Entwurf sei städtebaulich nicht überzeugend gewesen, sagte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD).

          Wer später einmal in die Wohnungen im Oberurseler Gleisdreieck zieht, sollte dem Schienenverkehr aufgeschlossen gegenüberstehen. Denn der Name ist Programm: Die 5900 Quadratmeter große Fläche westlich des Bahnübergangs am Bahnhof ist von Gleisen umgeben. Auf der einen Seite verläuft die U-Bahn-Linie, auf der anderen fährt die S-Bahn entlang. Morgen soll der Bauausschuss dem Unternehmen Wilma Wohnen Süd den Zuschlag für die weitere Ausarbeitung der Pläne für ein neues Wohnquartier geben, am 4. April haben die Stadtverordneten das letzte Wort. 60 Wohnungen sind dort geplant.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Das langgezogene Areal beginnt am denkmalgeschützten Bahnwärterhäuschen. Das rückwärtige Ende wird von der U-Bahn-Linie begrenzt, die einen leichten Bogen macht und schließlich die S-Bahn-Strecke mit einer Unterführung kreuzt. Ein kleiner Teil der Fläche gehört der Stadt selbst, der weitaus größte ist im Eigentum ihrer Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Oberursel (Sewo).

          Acht Entwürfe eingereicht

          Die spezielle Lage ist auch der Grund dafür, dass nicht die Höhe des Preises das entscheidende Kriterium für den später vorgesehenen Verkauf ist. Er war zuvor gutachterlich mit 4,2 Millionen Euro festgelegt worden. Bei der sogenannten Konzeptvergabe von Sewo und Stadt stand vielmehr eine architektonisch und städtebaulich überzeugende Lösung im Vordergrund.

          Während es vor einigen Jahren einen Vorschlag für eine Oldtimergarage mit Werkstatt gab, soll jetzt der Bau von Wohnungen ermöglicht werden. Wie Sewo-Geschäftsführerin Kerstin Giger erläuterte, wurden aus 14 Bewerbungen zehn Teilnehmer ausgewählt. Acht von ihnen reichten schließlich Entwürfe ein, die im Rathaus ausgestellt wurden. So konnten sich auch die Bürger eine Meinung bilden. Der von ihnen gewählte Favorit schlug eine historisierende Bebauung vor. „Ihr hätte aber der Denkmalschutz wegen der Nähe zum Bahnwärterhäuschen nicht zugestimmt“, sagte Bürgermeister Hans-Georg Brum (SPD). Auch der hintere Teil sei städtebaulich nicht überzeugend gewesen.

          Mit dem Fahrrad nach Frankfurt

          Letztlich kamen zwei Bewerber in die engere Wahl, von denen der Magistrat sich nun für Wilma ausgesprochen hat. Das Unternehmen baut unter anderem auf den Schillergärten am Kronberger Bahnhof und auf dem früheren Hotelgrundstück am Rosenberg in Hofheim. Der Entwurf für das Gleisdreieck stammt vom Oberurseler Architekturbüro Monogruen und sieht fünf quer zu den Gleisen angeordnete Baukörper vor. Darunter liegt eine Tiefgarage mit 75 Stellplätzen. Im Kopfbau an der Frankfurter Straße ist eine Gewerbenutzung vorgesehen. Giger sprach von einem „interessanten städtebaulichen Konzept“, dessen stimmige Architektur sich einfüge und zugleich einen Akzent setze. Zwischen den Wohnhäusern seien erhöhte Hofebenen geplant, die eine hohe Aufenthaltsqualität versprächen.

          Der geplante Radschnellweg nach Frankfurt soll ebenfalls leicht erhöht an der Südseite der Häuser vorbeiführen. Fußgänger sollen auf der nördlichen, zur Innenstadt gelegenen Seite entlanggehen. In den nach dem Zuschlag folgenden Verhandlungen will die Stadt einen Anteil von 30 Prozent günstiger Wohnungen festschreiben, wie es die Stadtverordneten als generelle Forderung beschlossen haben. Brum rechnet für diese Kategorie mit einer Miete von knapp unter zehn Euro je Quadratmeter. „Bisher war das bei diesem schwierigen Grundstück allerdings kein Vergabekriterium“, sagte Giger.

          Über einen Eintrag im Grundbuch soll auch der Schallschutz verbindlich gesichert werden. Das betrifft sowohl eine Vermeidung von Reflektionen ins benachbarte Wohngebiet als auch das Einhalten der Grenzwerte im Innern der neuen Wohnungen. Denn außer den U-Bahn-Zügen sollen auf der Nordseite auch mehr Autos fahren, wenn die Nassauer Straße an die Weingärtenumgehung angeschlossen wird. „Wir haben rechtlich prüfen lassen, wie sich spätere Klagen gegen dieses Straßenbauprojekt weitgehend ausschließen lassen“, sagte die Geschäftsführerin.

          Frühestens im Herbst könnten die Verträge unterschrieben werden, schätzte Giger. Vorher beginnt die Erarbeitung des Bebauungsplans, für den der Aufstellungsbeschluss schon gefasst wurde. Bürgermeister Brum rechnet mit einem Baubeginn im Gleisdreieck frühestens in zweieinhalb bis drei Jahren. Parallel dazu solle der Anschluss der Nassauer Straße an die Weingärtenumgehung vorbereitet werden. Wenn er gebaut sei, könne der Bahnübergang weitgehend von Autoverkehr freigehalten werden.

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