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„Kurze Wetterau“ : Alltagsradweg von Butzbach nach Frankfurt

Vortrieb: Radeln ist auch in der Wetterau immer beliebter geworden und das nicht nur bei Touristen – hier ein Bild aus Bad Vilbel Bild: Wolfgang Eilmes

Den Radverkehr für den Alltag attraktiver machen soll die „kurze Wetterau“. Geplant ist der Ausbau eines Radwegs von Butzbach im Norden der Region bis an die Tore von Frankfurt.

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          Mit vielen neuen und erweiterten Routen ist das Radwegenetz in der Wetterau seit Jahren immer größer geworden, mehr als 1000 Kilometer insgesamt umfassen alle Strecken. Das hat zu einem spürbaren Aufschwung im Fahrradtourismus geführt, der sich in den zurückliegenden Jahren zu einem Wirtschaftsfaktor vor allem für ländliche Gegenden entwickelte. Der Kreis hat sich freilich nicht nur zum Ziel gesetzt, den Fremdenverkehr zu stärken. Es geht auch darum, den Radverkehr für den Alltag attraktiver zu machen, für Radler, die nicht nur in der Freizeit in die Pedale treten, sondern mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren. Zumal Erhebungen belegen, dass es immer mehr Menschen gibt, die im täglichen Leben auch längere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen, um sich fit zu halten und auch einen Beitrag zur Verkehrswende zu leisten.

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Der Kreis hat dem Rechnung getragen und in Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden das Projekt „kurze Wetterau“ auf den Weg gebracht, eine besonders für Pendler konzipierte Radwegeverbindung, die auf möglichst kurzen, unkomplizierten Routen den Kreis von Norden nach Süden bis vor die Tore Frankfurts durchquert. Nachdem die Route in groben Zügen feststeht, macht sich der Kreis nun in Kooperation mit Kommunen und Straßenverkehrsbehörden an den Ausbau der „kurzen Wetterau“.

          Trennung von Rad- und Fußverkehr

          Wobei eine solche Verbindung, wie Verkehrsdezernent Matthias Walther (CDU) zugibt, die Kriterien von zertifizierten Radschnellwegen wohl nicht werde erfüllen können. Vier Meter Ausbaubreite, Trennung von Rad- und Fußverkehr und Kreuzungen frei von Querungen – das seien Kriterien, die sich ohne großen baulichen und finanziellen Aufwand nur schwer in die Tat umsetzen ließen. Deshalb plane man etwas kleiner, komme dafür aber Stück für Stück voran, sagt Peter Hünner, der in der Fachstelle Strukturförderung der Kreisverwaltung für den Radverkehr zuständig ist. Was die Linienführung betrifft, haben sich die Planer auf das bestehende und in den zurückliegenden Jahren flächendeckend beschilderte Netz konzentriert.

          Die Route der „kurzen Wetterau“ beginnt in Butzbach und führt entlang des Radweges an der Bundesstraße 3 nach Ober-Mörlen, von wo aus es über Nieder-Mörlen und Bad Nauheim weiter nach Friedberg geht. Am südlichen Stadtrand von Friedberg besteht über Wirtschaftswege Anschluss nach Wöllstadt. Weiter Richtung Zentrum des Rhein-Main-Gebiets geht es von Wöllstadt vorbei an Karben und Dortelweil nach Bad Vilbel, von wo aus verschiedene Routen in den Frankfurter Norden und Westen führen. Wobei von Nieder-Wöllstadt an unter anderem der in den vergangenen Jahren immer besser ausgebaute Radweg der Regionalparkroute an der Nidda zur Verfügung steht. Um das selbstgesteckte Ziel des Wetteraukreises zu erreichen, bis etwa Mitte des Jahrzehnts eine durchgängige, gut ausgebaute Strecke zwischen Butzbach und Frankfurt zu haben, bedarf es freilich des Ausbaus mancher Teilstücke.

          Ertüchtigte landwirtschaftliche Wege

          So laufen derzeit etwa Planungen für die Asphaltierung von geschotterten Strecken in den Gemarkungen von Ober-Mörlen und Nieder-Mörlen. Einen Schritt weiter gekommen ist man an einem neuralgischen Abschnitt, der Verbindung zwischen Friedberg und Bad Nauheim. Die bisher avisierte Linienführung verlief über die vielbefahrene Kreuzung der Bundesstraße 455 mit der Gießener Straße, der Zufahrtsstraße zur Kreisstadt, im Norden von Friedberg. Weil Prüfungen von Straßenbaumanagement und Straßenverkehrsbehörden ergeben hatten, dass sich dort ohne großen Aufwand keine wesentlichen Verbesserungen für Radfahrer, insbesondere in Sachen Verkehrssicherheit, erreichen lassen, fand sich am Ende eine andere Lösung. So führt die Route nun von den Sportplätzen am Friedberger Burgfeld durch die Talaue an der Usa entlang in Richtung Bad Nauheim bis zur Kläranlage und weiter bis zur Frankfurter Straße. Im Zuge der überarbeiteten Beschilderung des Wetterauer Radwegenetzes, die im nächsten Jahr vorgenommen werden soll, wird auf diese Linienführung mit einem gesonderten Logo hingewiesen.

          Bei der Verbindung von Nieder-Wöllstadt in Richtung Okarben sind die Planer ebenfalls vorangekommen und haben eine Lösung für kurze Verbindung ohne die Schleife entlang der Nidda über ertüchtigte landwirtschaftliche Wege in der Nähe der Bundesstraße gefunden. Noch nicht abschließend geklärt ist die Streckenführung in Bad Vilbel auf der Route vom Alten Rathaus im Norden des Stadtzentrums bis ins Frankfurter Stadtgebiet. Vorschläge für den südlichsten Abschnitt der „kurzen Wetterau“ , so Kreisbeigeordneter Walther, erhoffe sich der Kreis unter anderem von einer Studie des Regionalverbandes, die der Wetteraukreis mitfinanziere.

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