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ADAC vertraut auf Kontrollen : 55 Brücken in Hessen marode und ständig überwacht

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Marode: Brücke über der A3 nahe Wiesbaden im September 2017 Bild: Cornelia Sick

Nach dem Unglück von Genua fragt sich so mancher Autofahrer: Wie steht es um die 5500 Brücken in Hessen? Antwort: 370 Brücken sind reparaturbedürftig. Minister Al-Wazir beschwichtigt.

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          Nach dem Einsturz einer Brücke mit vielen Toten im italienischen Genua rückt auch der Zustand hessischer Brücken in den Fokus. Die Anzahl der Brücken mit Instandsetzungsbedarf betrage zur Zeit 369, sagte eine Sprecherin der Straßenbaubehörde Hessen Mobil. Darunter seien 55 Bauwerke - fast alle sind Autobahnbrücken - die aufgrund ihres Zustands ständig überwacht würden. Eine konkrete Gefahr sehen aufgrund der Kontrollen weder der Automobilclub ADAC noch die Prüforganisation Dekra.

          „Über Jahrzehnte ist auch in Hessen zu wenig in den Erhalt unserer Straßen investiert worden“, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte vor allem für die Autobahnbrücken, die in den sechziger und siebziger Jahren gebaut wurden und für das heutige Verkehrs- und Lastwagen-Aufkommen schlichtweg nicht ausgelegt seien.

          Mehr als eine Milliarde Euro

          Die Landesregierung investiere daher in diesem Jahr 225 Millionen Euro für die Sanierung der Brücken, bis zum Jahr 2021 sollen es über eine Milliarde Euro sein, kündigte der Grünen-Politiker an. Bei Hessen Mobil seien extra zwei eigene Dezernate gegründet worden, die sich nur um Brückensanierungen kümmerten. Ein Dezernat sei dabei ausschließlich für die 22 Brücken der A 45 zuständig, die alle neu gebaut werden müssen. Das andere kümmere sich um die restlichen Brückensanierungen.

          „Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben und jeden Planungsingenieur auch nur an eine begrenzte Anzahl von Projekten setzen“, erklärte Al-Wazir. „Sonst wird nämlich gar nichts fertig.“ Die Folge sei, dass deshalb manche Umgehungsstraße, die vor Ort erhofft und gewünscht werde, derzeit nicht geplant werden könne. „Das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Aber diese Prioritätensetzung ist nötig, weil eine Situation wie in Genua in Hessen niemals passieren darf.“

          Alle drei Jahre eine Zwischenprüfung

          Das Kontrollnetz ist laut Hessen Mobil eng: Alle sechs Jahre erfolgt eine Hauptprüfung, alle drei Jahre eine Zwischenprüfung. „Zudem werden Ingenieurbauwerke jedes Jahr durch Ingenieure vor Ort besichtigt und mindestens zweimal jährlich erfolgt die Bauwerksbeobachtung im Zuge der Streckenkontrolle“, erklärte die Behörde. Mängel und Schäden würden erfasst, bewertet und gegebenenfalls vorbeugend behoben.

          Ergeben sich Hinweise, dass eine Brücke beeinträchtigt sein könnte, wird ihr Ermüdungszustand errechnet. So könne bestimmt werden, wann grundlegende Sanierungen oder ein Neubau notwendig werden. Eine Entlastung der Brücke durch Tempolimits, Gewichtsbeschränkungen, Fahrverbote für Lkw oder verstärkende Bauteile könne ihre Lebensdauer verlängern.

          Brücken in kritischem Zustand werden ständig überwacht. „Das heißt, bei diesen Brücken schauen wir sehr genau hin, wie sich der Zustand entwickelt, um im Fall der Fälle auch kurzfristig eingreifen zu können“, sagte die Hessen Mobil-Sprecherin. Für den Zustand von Brücken sei nicht nur die Menge des Gesamtverkehrs entscheidend, sondern vielmehr die Tatsache, dass der Anteil des Güterverkehrs in den vergangenen Jahrzehnten überproportional zugenommen habe.

          ADAC vertraut auf Kontrollen

          Autobahnbrücken werden in Deutschland von den Bundesländern oft selbst untersucht. Prüforganisationen wie Dekra begutachten vor allem Bauwerke im kommunalen Besitz. Trotzdem bestehe bei Autobahnbrücken kein Grund zur Sorge, sagte Bauingenieur Andreas Kraus, Fachbereichsleiter Bau und Immobilien bei der Dekra in Wiesbaden. „Wir haben ein sehr gutes Regelwerk und das wird sehr ernst genommen.“ Behörden gingen mit Mängeln an Bauwerken offen um.

          Und selbst wenn eine Brücken eine schlechte Bewertung habe, heiße das nicht, dass sie einsturzgefährdet sei. Mängel seien häufig auf einzelne Bauteile bezogen, nicht auf die Standsicherheit der Brücke an sich. Auch der ADAC vertraut auf die Kontrollen: „Wir sehen keinen Grund, an diesen Überprüfungen zu zweifeln“, sagte eine Sprecherin.

          Der Bauindustrieverband Hessen-Thüringen erklärte, dass Brücken in Hessen durch Hessen Mobil „ständig und verlässlich kontrolliert“ würden. Allerdings müsse der Einsturz in Genua trotzdem ein alarmierender Weckruf sein, sagte Hauptgeschäftsführer Burkhard Siebert. Denn der Zustand hessischer Brücken verschlechtere sich zunehmend. Wichtig sei, dass die Investitionen weiter stiegen, um Versäumnisse der Vergangenheit zu kompensieren.

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