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Studie der Uni Gießen : Artensterben schlimmer als am Ende der Dinosaurierzeit

Feuriges Finale: Ein Asteroideneinschlag gilt heute als wahrscheinlichste Ursache für das Ende der Dinosaurier. Bild: Science Photo Library/Getty Imag

Der Schwund der Artenvielfalt nimmt alarmierende Ausmaße an. Das bestätigt eine neue Studie von Gießener Forschern. Sie ziehen einen drastischen Vergleich zur Kreidezeit.

          2 Min.

          Das derzeitige Artensterben übertrifft jenes am Ende der Kreidezeit, als die Dinosaurier ausgelöscht wurden. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Studie unter Leitung der Universität Gießen.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um das Tempo des Aussterbens zu untersuchen und die Erholungsphase vorherzusagen, verglichen die Wissenschaftler aus den Fachgebieten Evolutionsbiologie, Paläontologie und Geologie die heutige Krise mit dem vorherigen fünften Massensterben der Erdgeschichte. Es war die Folge eines Asteroideneinschlags vor 66 Millionen Jahren, bei dem etwa 76 Prozent aller Arten auf dem Planeten ausgelöscht wurden, einschließlich ganzer Tiergruppen wie der Dinosaurier.

          Süßwasserlebewesen sind besonders stark bedroht

          Das Forscherteam konzentrierte sich in seiner Studie auf Süßwasserlebewesen, die zu den am stärksten bedrohten der Welt gehören. Die Wissenschaftler sammelten Daten zu rund 3400 fossilen und lebenden Schneckenarten Europas aus den vergangenenen 200 Millionen Jahren. Auf dieser Grundlage schätzten sie die Artenentstehungs- und Aussterberaten. Mit ihnen lässt sich beurteilen, wie lange die  Erholung nach Aussterbe-Ereignissen dauert.

          Die Ergebnisse der Studie, die in der Zeitschrift „Communications Earth & Environment“ veröffentlicht wurden, zeigen: Während schon die Extinktionsrate während des fünften Massensterbens erheblich höher war als bisher für Süßwasserlebewesen angenommen, wird sie von der vorhergesagten zukünftigen Auslöschungsrate des aktuellen sechsten Massensterbens deutlich übertroffen. Im Durchschnitt war die vorhergesagte Rate etwa tausend Mal so hoch wie während des Aussterbens der Dinosaurier. „Bereits im Jahr 2120 ist möglicherweise ein Drittel der lebenden Süßwasserarten verschwunden“, so Thomas Neubauer, Hauptautor der Studie. „Das Tempo, mit dem wir heute Arten verlieren, ist beispiellos und wurde in der Vergangenheit noch nicht einmal bei großen Aussterbungskrisen erreicht.“

          Erholung könnte mehrere Millionen Jahre dauern

          Die Forscher gewannen aus ihrer Studie auch eine beunruhigende Erkenntnis für die fernere Zukunft: Obwohl die Ursache für das Aussterben der Dinosaurier – ein Asteroideneinschlag auf die Halbinsel Yucatán in Mexiko – geologisch gesehen ein kurzes Ereignis war, blieb die Aussterberate ungefähr fünf Millionen Jahre lang hoch. Danach folgte eine noch längere Erholungsphase. Insgesamt dauerte es fast zwölf Millionen Jahre, bis das Gleichgewicht zwischen dem Entstehen und Verschwinden von Arten wiederhergestellt war.

          „Selbst wenn die menschlichen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt heute aufhören, wird die Aussterberate wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum hoch bleiben“, sagt Neubauer. „Angesichts der Tatsache, dass die aktuelle Biodiversitätskrise viel schneller voranschreitet als das Massensterben vor 66 Millionen Jahren, kann die Erholungsphase sogar noch länger sein.“

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