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Aktuelle Bürgerumfrage : Darmstädter bleiben optimistisch

Aktiv im Straßenverkehr: Die Darmstädter nennen den Ausbau der Radwege als wichtigstes Thema der Stadtentwicklung. Bild: Michael Kretzer

Einige Bürger bewerten die Lebensqualität in der Stadt allerdings schlechter als zuvor. Was verbessert werden kann, zeigt die aktuelle Bürgerumfrage – wobei Klimafreundlichkeit zum großen Thema wird.

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          Die FDP, die sich vor kurzem beschwerte, dass sich das Projekt Digitalstadt in „irgendwelchen Geheimzirkeln und Hinterzimmern“ abspiele, hat sich offensichtlich geirrt. Zumindest wenn man die von der Stadt vorgelegte aktuelle Bürgerumfrage zum Maßstab nimmt. Erstmals wurde nachgefragt, ob den Einwohnern der Begriff Digitalstadt bekannt ist. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Mehr als 60 Prozent der Darmstädter kannten diesen Begriff, mit zunehmendem Alter stieg sogar der Bekanntheitsgrad des Projekts zur digitalen Transformation, für das Darmstadt 2017 vom Branchenverband Bitkom auserkoren wurde.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Das Beispiel zeigt, dass Bürgerumfragen von Politikern gelesen werden sollten. Das weiß natürlich Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen). Ihn interessierte besonders die Bewertung der städtischen Lebensqualität. Die wird seit 2009 erhoben. Damals bescheinigten 72,9 Prozent der Stadt eine hohe bis sehr hohe Lebensqualität. 2012 und damit ein Jahr nach dem Start der grün-schwarzen Koalition und dem Amtsantritt von Partsch waren es schon 76,6 Prozent. Im Jahr 2015 stieg der Wert weiter auf 83,9 Prozent. Bei der aktuellen Umfrage wurde nun ein Rückgang um vier Prozentpunkte registriert. Auch bei der Antwort auf die Frage, wie sich die Lebensqualität in den nächsten fünf Jahren entwickeln werde, gibt es leichte Eintrübungen. So ging der Anteil jener, die „sie verbessert sich“ ankreuzten, von 25,6 auf 24,3 Prozent zurück, gleichzeitig stieg der Anteil jener, die eine Verschlechterung ihrer Lebensqualität erwarten, von 15,4 auf 23,7 Prozent.

          Ausbau der Fahrradwege liegt Bürgern besonders am Herzen

          Partsch zeigte sich dennoch mit dem Ergebnis zufrieden. Die Zuversicht der Bürger sei sehr erfreulich: „Sie ist einerseits ein Zeichen, dass die Ergebnisse unserer Arbeit auch bei den Bürgern ankommen, andererseits ist das auch ein Ansporn, die hohe Lebensqualität in der Stadt weiter zu erhalten und zu verbessern.“ Wie die Politik das bewerkstelligen kann, ist aus der repräsentativen Erhebung gut abzulesen.

          Sie zeigt durch die Rangfolge der wichtigsten Stadtentwicklungsthemen auf, was den Bürgern besonders am Herzen liegt. Im Vergleich zu 2015 gibt es einige Veränderungen. Der Ausbau des Fahrradwegenetzes hat sich um eine Stelle auf der Liste ganz nach vorn geschoben, an zweiter Stelle steht der Wunsch nach mehr Angeboten auf dem Wohnungsmarkt, gefolgt von dem Punkt „Verbesserung des Verkehrsflusses/Ampelschaltungen“. Die Sanierung der öffentlichen Wege ist um drei Stellen nach hinten auf Rang vier gerutscht. Dafür sprang der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gleich um sieben Stellen auf Rang fünf. Ähnlich an Relevanz gewonnen hat das Thema Luftverschmutzung.

          Der stärkste Meinungswandel in der Beurteilung der wichtigsten politischen Handlungsfelder betrifft aber die Schulbausanierung, die um 13 Stellen nach vorne gerutscht ist, und der Umbau des Böllenfalltor-Stadions, das um 16 Stellen abfällt. Was freilich nicht verwundert, weil mit der Sanierung 2018 schon begonnen wurde. Der umstrittene Bau der Lichtwiesenbahn zum Außencampus der Technischen Universität bildet mit Platz 37 das Schlusslicht im Ranking. Diesen Platz hatte früher der Punkt „Rathausneubau“ eingenommen, der von der grün-schwarzen Koalition von der politischen Tagesordnung genommen wurde.

          Zufriedenheit stark ortsabhängig

          Mit ihrer Wohnsituation sind 95 Prozent der Darmstädter zufrieden bis sehr zufrieden, gleichzeitig ist eine Mehrheit der Bürger aber der Meinung, dass es schwer ist, eine Wohnung zu finden. Darmstadts Rang als Einkaufsstadt haben Shoppingcenter wie das Loop 5 nicht nachhaltig beschädigen können. 83 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass das Warenangebot zufriedenstellend ist. Dieser Wert ist in den zurückliegenden Umfragen stets gestiegen, schwankt aber sehr mit Blick auf die einzelnen Stadtteile. In Wixhausen sind nur knapp 36 Prozent zufrieden, in Bessungen hingegen 83 Prozent. Ein Hinweis, wo politisch nachgesteuert werden müsste, zeigt der Rückgang bestimmter Warengruppen im Einzelhandel. Beim Kauf von Büchern und DVDs im Internet liegt der Anteil inzwischen bei mehr als 36 Prozent.

          Dass Darmstadt sich außer als „Wissenschaftsstadt“ auch künftig weiter als Kulturstadt präsentieren sollte, deutet die Bürgerumfrage ebenfalls an. Eine Stärkung der Kulturangebote halten mehr als 75 Prozent der Bürger für wichtig oder sehr wichtig. Bei der Unesco-Bewerbung gehen die Meinungen auseinander: Jeweils 50 Prozent der Befragten erachten die Mathildenhöhe als Welterbe für wichtig, ebenso viele für unwichtig.

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