https://www.faz.net/-gzg-7r3pr

Benefiz-Aktion in Mainz : Jugendliche Tagelöhner arbeiten für gleichaltrige Afrikaner

Servicekraft: Ministerpräsidentin Malu Dreyer bedient im Café „Dicke Lilli, gutes Kind“ für einen guten Zweck. Bild: Röth, Frank

Kaffee servieren oder Stadion säubern für soziale Projekte in Afrika: Bei der „Aktion Tagwerk“ in Mainz hat selbst Ministerpräsidentin Malu Dreyer beim Geldverdienen die Kellnerinnenschürze angelegt.

          2 Min.

          Es muss schon ein besonderer Tag sein, wenn die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) in einem Mainzer Café die Bestellungen aufnimmt. Derweil sich die von Oberbürgermeister Michael Ebling dabei tatkräftig unterstützte Bildungsministerin Doris Ahnen (beide SPD) auf dem Wochenmarkt am Dom als Kartoffel-, Salat- und Aprikosen-Verkäuferin versucht. Und Eveline Lemke (Die Grünen), die Wirtschaftsministerin des Landes, schon früh am Morgen den Turm der Kirche St. Peter besteigt, um ebendort dem Glockenbauer Michael Schneider bei der Arbeit zuzusehen.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Doch genauer betrachtet standen die engagierten Politiker am Dienstag gar nicht im Mittelpunkt, sondern jeweils nur an der Seite von Schülern, die sich freiwillig an der Aktion Tagwerk beteiligten. Bundesweit dürften es schätzungsweise 180.000 junge Männer und Frauen aus 620 Schulen gewesen sein, die dem Unterricht offiziell fernbleiben durften, um als „Tagelöhner“ Geld zu verdienen, das wiederum Gleichaltrigen in Afrika zugute kommen soll.

          Julia Klöckner als Brötchenverkäuferin

          Auch wenn die Kampagne 2014 noch nicht in Gänze beendet sei, geht Nora Weisbrod, Geschäftsführende Vorsitzende des von ihr vor zwölf Jahren in Mainz mitbegründeten Vereins Aktion Tagwerk, davon aus, dass diesmal rund 1,2 Millionen Euro zur Unterstützung von Bildungsprojekten in Burundi, der Elfenbeinküste, Ruanda, Südafrika und Uganda zusammenkommen dürften. Dabei sei es durchaus üblich, dass sich einzelne Schüler, Gruppen und Klassen auch noch nach dem bundesweit ausgerufenen Aktionstag für Afrika engagierten: etwa mit Benefiz-Sportveranstaltungen, Basaren und anderen kreativen Ideen. So hat zum Beispiel die rheinland-pfälzische Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU, Julia Klöckner, die am Dienstag in Berlin sein musste, schon angekündigt, erst Mittwochmorgen in einer Bad Kreuznacher Bäckerei als Aushilfsverkäuferin ihren Teil zum Gelingen der Aktion beizutragen.

          Der Stunden- oder Pauschallohn, den die Schüler durch ihre Mitarbeit etwa in Drogeriemärkten und bei Gartenbaufirmen respektive als Helfer in der Familie oder der Nachbarschaft verdienten, werde dafür verwendet, „die Lebensumstände und Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Afrika zu verbessern“, erklärte Weisbrod am Dienstag im Mainzer Fußballstadion am Europakreisel. Ebendort waren allein schon acht Jugendliche der Integrierten Gesamtschule Bretzenheim unterwegs, um gegen Bezahlung das Außengelände und die Sitzreihen der für die WM-Übertragungen benötigten Tribüne zu säubern.

          Frühschicht im Café für Malu Dreyer

          Dreyer suchte sich selbst einen Tagwerkjob: Gemeinsam mit Sebastian Niklas Wienold, einem Schüler des Rabanus-Maurus-Gymnasiums in Mainz, übernahm sie die Frühschicht im Café „Dicke Lilli, gutes Kind“ an der Gaustraße. Der Tag für Afrika, der in Rheinland-Pfalz seine Wurzeln habe, gehöre „zu einer wichtigen Unterrichtseinheit, von der viele Menschen profitieren“. Oberbürgermeister Ebling war nicht nur vom großen Engagement der Jugendlichen im Allgemeinen, sondern vor allem von der speziellen Leistung seines „Kollegen“ Til Ottburg vom Rabanus-Maurus-Gymnasium angetan: Schließlich habe der junge Mann schon beim Aufbau des Marktstandes mitgeholfen – also zu einer Uhrzeit deutlich vor Schulbeginn.

          Weitere Themen

          Frankfurter Geschäftsführer Richter tritt zurück

          Awo-Affäre : Frankfurter Geschäftsführer Richter tritt zurück

          Seit mehr als einem halben Jahr steht der Frankfurter Awo-Verband in der Kritik – unter anderem wegen undurchsichtiger Geldflüsse. Nun will der umstrittene Geschäftsführer Jürgen Richter wohl zurücktreten.

          Topmeldungen

          Schon wieder besetzt: das Institut für Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität

          Protest an Universität : Im Pulverdampf des Meinungskampfs

          An der Berliner Humboldt- Universität ist der Protest zur Lebensform geworden. Wissenschaft wird konsequent dem ideologischen Grabenkampf unterstellt. Die Universitätsleitung reagiert hilflos.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.