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AfD-Bundesvorsitzende : Kelkheim zeigt Petry sein buntes Gesicht

  • -Aktualisiert am

Klare Verhältnisse in Kelkheim: Während draußen etwa 700 Demonstranten gegen ihren Auftritt protestierten, sprach Frauke Petry in der Stadthalle zu den gut 150 Gästen. Bild: Helmut Fricke

Als „Stargast“ spricht die Bundesvorsitzende der AfD, Frauke Petry, in der Stadthalle zu gut 150 Anhängern. In der Stadt protestieren derweil ihre Kritiker.

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          Selbst die Kelkheimer Else, der stählerne Kreisel-Engel, trug gestern als sichtbares Zeichen der multikulturellen Gesinnung, ein kunterbuntes Kleid. Hunderte bunte Fähnchen flankierten die Fassade der Pestalozzi-Grundschule neben der Stadthalle, gut 700 Demonstranten drängten sich nach ihrem friedlichen Zug durch die Innenstadt bei ihrer Kundgebung auf dem Rathausvorplatz, und ein paar aus Frankfurt herbeigeeilte Antifaschisten skandierte vor der Stadthalle: „AfD-Rassistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt.“ Der Protest galt dem Auftritt der AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry und ihren etwa 150 Zuhörern, die nach und nach in den Saal tröpfelten.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Still und leise huschte die verheißungsvoll als „Stargast“ angekündigte Parteichefin durch einen Seiteneingang in die Stadthalle, setzte sich trotz aufbrandenden Applauses sofort auf ihren Platz in der ersten Reihe, schaute ohne aufzublicken zunächst einmal die wichtigsten Mitteilungen in ihren Mobiltelefon durch, streichelte sich liebevoll über den unter dem engen kurzen weißen Kleid gewölbten Baby-Bauch und ließ zwischen den gleich elf schwarz-rot-goldenen Deutschland-Fahnen zunächst die Parteifreunde aus Hessen und dem Main-Taunus-Kreis für sich sprechen.

          „Das können Sie in unserem Wahlprogramm nachlesen“

          Diese legten sich mächtig ins Zeug. „Wir leben in einem politischen Tollhaus“, stellte AFD-Bundestagskandidat Gernot Laude fest, früherer ehrenamtliche FDP-Stadtrat in Kelkheim. Und die hessische Spitzenkandidatin Mariana Harder-Kühnel erhielt Bravo-Rufe für ihre Ankündigung „endlich eine Politik für das eigene Volk“ machen zu wollen. Dass sie das Ergebnis des Kölner-AFD-Parteitags und das neue Spitzenduo für die Bundestagswahl besonders lobte, dürfte Petry kaum gefallen haben, aber „wenn es um Wahlen geht, muss der Streit ruhen“, sagte Kühne.

          Petry machte so dann gute Miene. „Hier wurde doch gerade ein CDU-Landrat mit mehr als 60 Prozent gewählt, hab’ ich gehört“, rief die Sächsin den Anhängern zu. Somit gebe es hier viele Menschen mit konservative Gesinnung und Werten. „Reden Sie mit uns, fragen Sie kritisch, lesen Sie unser Parteiprogramm“, warb Petry. Über Asyl- und Flüchtlingspolitik wollte sie dagegen nicht sprechen. Das sei kein „taktisches Wegtauchen“, sagte sie. „Das können Sie in unserem Wahlprogramm nachlesen.“

          Ein wenig im Stakkato hakte der Stargast dann noch die Themen Familie, Bildung, Wirtschaft, Europa und Energiewende ab und erlaubte sich bei ihren Ausführungen zur Sexualerziehung sogar ein Lächeln, als sie behauptete, dass die Kinder im Sexualkundeunterricht sogar Sexspielzeuge wie Dildos und anderes zu sehen bekämen, was die Anwesenden im Saal „nicht in die Hand, geschweige denn in den Mund nehmen würden.“ Der Saal quittierte diese Sätze mit verschämtem Gelächter.

          Was man denn bei der AfD gewollt habe, wollen einige junge Demonstranten später beim Verlassen der Veranstaltung vor der Stadthalle wissen. Die ehrliche Antwort: Bis auf Petrys Dildo-Fauxpas war des Abend eher langweilig.

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