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Impfangebot für Jugendliche : Ärzte befürchten steigenden Druck auf Eltern

Wende in der Impfstrategie: Die Gesundheitsminister wollen Impfungen für Kinder von 12 Jahren an. Bild: Picture-Alliance

Nach einer Entscheidung der Gesundheitsminister sollen Jugendliche ab zwölf Jahren generell Corona-Impfungen angeboten bekommen. Hessische Ärzte sehen das jedoch kritisch.

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          Der Beschluss der Gesundheitsminister der Bundesländer widerspricht im Kern der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO). Diese sieht bisher vor, nur Kinder mit Vorerkrankungen, etwa starkem Übergewicht, zu impfen.„Wenn die STIKO als Gremium übergangen wird, hat das Signalwirkung“, sagt Ralf Moebus, Vorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Hessen. Die Gesundheitsminister haben am Montagabend beschlossen, dass routinemäßig Impfzentren, Hausärzte oder auch Betriebsärzte entsprechende Angebote machen sollen. Die Impfzentren sollen in Hessen allerdings Ende September schließen.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Die Empfehlungen der Experten komplett außer Acht zu lassen, komme einer Demontage der Kommission gleich, meint Moebus. Das Gremium hat die generelle Aufgabe, Impfempfehlungen zu prüfen und auszusprechen. Weil aber die weltweite Datenlage über Corona-Schutzimpfungen für Kinder ab dem zwölften Lebensjahr noch recht überschaubar ist, hatten sich die Gremiumsmitglieder, darunter Ärzte, Mediziner und Wissenschaftler, bisher mit einer generellen Impfempfehlung für Kinder zurückgehalten. „Es zählt nicht zur Aufgabe der STIKO, der Politik nach dem Mund zu reden“, sagt Moebus.

          „Hier sollen politische Entscheidungen greifen, die medizinisch nicht begründet sind.“

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          Auch Moebus berät seit Wochen Kinder und ihre Eltern zum Thema Corona-Schutzimpfung. Das sei eine zeitintensive Aufgabe, wie er sagt. Moebus trennt die eigentlichen Impftermine immer von den Beratungsterminen. So soll den Familien ausreichend Gelegenheit bleiben, sich ausführlich mit der Thematik zu befassen. Er legt zudem Wert darauf, dass sich seine jungen Patienten die Argumente für, aber auch die gegen eine Impfung anhören. Statt zu versuchen, die Impfquote dadurch zu erhöhen, Kinder mit einzubeziehen, hätte sich der Mediziner gewünscht, dass sich die Politiker darauf konzentriert hätten, „die wirklich schützenden Maßnahmen“ gegen die Verbreitung des Coronavirus zu verbessern.

          „Der Schulweg sollte nicht mehr in vollgestopften Bussen zurückgelegt werden müssen“, beginnt er mit der Aufzählung. Außerdem dürfe nicht mehr in Klassenzimmern unterrichtet werden, in denen das richtige Durchlüften kaum möglich sei. Zudem müsse alles dafür getan werden, die Erwachsenen zu erreichen, die sich bisher noch nicht immunisieren ließen. Es sei nicht akzeptabel, die Versäumnisse der vergangenen Monate auf dem Rücken der Kinder auszutragen. „Solange ich kurz vor den Nachrichten noch Baumarktwerbung anschauen muss und nicht ein Spot gezeigt wird, der über Impfmöglichkeiten aufklärt, sind wir mit unseren Ideen noch lange nicht am Ende.“

          „Kinder müssen wieder in den Alltag zurück“

          Die Bad Homburger Kinderärztin Barbara Mühlfeld fürchtet sich vor der Symbolkraft, die ein Impfangebot an den Empfehlungen der STIKO vorbei mit sich bringen könnte. „Die STIKO wurde eingerichtet, um ein unabhängiges Gremium zu haben, das die Politik berät“, sagt sie. Nur weil dessen Entscheidung den Politikern nicht gefalle, könnten sie sich nicht einfach über das Fachgremium hinwegsetzen. „Das konterkariert das ganze System“, sagt Mühlfeld, die im Praxisalltag viele Eltern und Jugendliche zum Thema Corona-Schutzimpfung berät.

          Sie weist noch einmal darauf hin, dass es auch in den vergangenen Wochen möglich gewesen sei, Kinder und Jugendliche impfen zu lassen. „Wir raten nicht grundsätzlich davon ab“, sagt Mühlfeld. Aber die Entscheidung, ob das eigene Kind immunisiert werden solle oder eben nicht, müsse jede Familie individuell treffen. Dafür müsse das für Kinder als gering eingestufte Risiko eines schweren Krankheitsverlaufes gegen mögliche Impfnebenwirkungen abgewogen werden. Über Letztere sei zumindest im Zusammenhang mit der Corona-Impfung bei Jugendlichen noch nicht genug bekannt. Mühlfeld appelliert: „Lasst uns warten, bis die STIKO die Daten ausgewertet hat.“ Sie fürchtet, dass der Druck auf Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen, durch den politischen Vorstoß zunimmt.

          Die Medizinerin, die sich auch im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte engagiert, kritisiert die Pläne der Gesundheitsminister der Länder scharf. „Kinder müssen wieder in den Alltag zurück“, fordert sie. Unabhängig davon, ob sie geimpft seien oder nicht. Es dürfe nicht sein, dass Kinder benutzt würden, um Erwachsene vor einer Infektion zu schützen. „Geschützt werden damit am Ende die älteren Trittbrettfahrer, die sich nicht impfen lassen wollen.“

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