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Ärger über Motorrad-Raser : Vor einem Fahrverbot stehen Aufklärung und Tempolimit

Eine „Feldberginitiative” kämpft gegen „Motorradterror” Bild: Marcus Kaufhold

Hinweise auf den Naturpark, weitere Radarfallen und Geschwingkeitsanzeigen, die Temposünder bloßstellen: Im Hochtaunus ist einiges möglich, um Raser auf zwei Rädern zur Mäßigung zu drängen. Letztes Mittel wäre eine Sperrung bestimmter Strecken.

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          „Achtung, Sie betreten den Naturpark, es gelten folgende Verkehrsregeln“: Hinweisschilder, wie sie für ausländische Autofahrer an den Grenzen Deutschlands aufgestellt sind, könnten bald Motorradfahrer im Hochtaunus zu maßvollem Drehen am Gasgriff mahnen. Auch mit zusätzlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen rund um den Großen Feldberg müssen motorisierte Verkehrsteilnehmer rechnen. Damit das Tempolimit eingehalten wird, wären elektronische Geschwindigkeitsanzeigen denkbar, die Verkehrssünder öffentlich bloßstellen. Auf diese Punkte hat sich eine Runde aus Kommunalpolitikern, Polizei und Straßenverkehrsbehörde geeinigt. Eine Sperrung bestimmter Strecken gehört nicht zu den Mitteln, mit denen vor allem Raser auf zwei Räder gestoppt werden sollen. „Das wäre nur die letzte Möglichkeit“, sagte Landrat Ulrich Krebs (CDU). Ein Fahrverbot sei nicht ohne weiteres durchzusetzen und nicht gerichtsfest.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Der Taunus ist bei Motorradfahrern beliebt, und das zeigt sich auch in der Unfallstatistik. Von den 469 Unfällen, die seit Anfang 2006 mit Hilfe der elektronischen Unfallanalyse gezählt wurden, geschahen 89 mit Beteiligung von Motorradfahrern. Vier Tote, 34 Schwer- und 48 Leichtverletzte waren bei diesen Zweiradunfällen zu beklagen. Diese Zahlen der Polizei beziehen sich allein auf das Gebiet rund um den Großen Feldberg. Auf den 35 Kilometern Landstraße zwischen Oberursel, Schmitten, Weilrod, Glashütten und Königstein mischen sich Faszination und Risiko. Gerade wegen der Kurven und Gefällstrecken kommen die Biker, aber sie führen auch dazu, dass die Fahrer bei 58 Prozent der Unfälle die Kontrolle über ihr Motorrad verloren hatten. „Kreisweit registrieren wir diese Unfallursache nur bei 20 Prozent“, sagte Thomas Dietrich von der Polizeidirektion.

          2009 fast soviele Unfälle wie im gesamten Vorjahr

          Während die Unfallzahlen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres schon fast auf dem Niveau des ganzen Jahres 2008 sind, haben in jüngster Zeit die Klagen über Motorradfahrer im Taunus zugenommen. Der Lärm stört viele Anwohner in der Feldberggemeinde Schmitten, und Unfälle wie jüngst, als das Motorrad eines gestürzten Fahrers zwei Wanderer am Straßenrand traf, heizen die Diskussion an. Im Internet wurde jetzt eine „Petition Raserstopp“ nach Drohungen beendet, eine „Feldberginitiative“ kämpft gegen „Motorradterror“, und die Oberurseler SPD stellt am Donnerstag den Antrag in der Stadtverordnetensitzung, die Kanonenstraße von der Hohemark Richtung Sandplacken an Wochenenden zu sperren.

          Vor einigen Monaten hat das Oberurseler Ordnungsamt dort einen Motorradfahrer mit 205 Stundenkilometern gemessen. Heute würden eher die Grenzen getestet, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Hochtaunus, Reiner Sinkel. Und die technische Leistung der Maschinen schiebe sie immer weiter hinaus.

          Rettungswege und Buswendeschleife zugeparkt

          Landrat Krebs bezeichnete die Lage als „ernst“, obwohl es nur wenige seien, die sich nicht an die Spielregeln hielten. Handlungsbedarf bestehe auch beim ruhenden Verkehr: Auf dem Feldbergplateau würden ungeniert Rettungswege und Buswendeschleife zugeparkt. Hier soll der Schmittener Bürgermeister Marcus Kinkel (FWG) Unterstützung durch einen privaten Sicherheitsdienst bekommen. Denn das Ordnungsamt der Gemeinde hat nur zwei Mitarbeiter.

          Der Erste Stadtrat von Oberursel, Dieter Rosentreter (FDP), hält die Einhaltung der bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen für wichtiger als die Einführung neuer. Die Stadt setze dabei auf gemeinsame Kontrollen mit der Polizei. „Das geht zwar nicht rund um die Uhr, aber es spricht sich herum“, sagte der Ordnungsdezernent. Ein weiteres Ergebnis der gestrigen Runde war, dass das Amt für Straßen- und Verkehrswesen eine aktuelle Zahlengrundlage für das weitere Vorgehen liefern soll: Mit einer Verkehrszählung und Berechnungen der Lärmbelastung, die durch Stichprobenmessungen untermauert werden.

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