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Offenbacher Masterplan : Bei der Bürgerbeteiligung „ein Zeichen gesetzt“

Offenbacher Neuanfang: 2011 wurde das Allessa-Werk abgewrackt, nun sollen dort neue Wohnungen entstehen. Bild: Helmut Fricke

Ende Januar sollen die Stadtverordneten über den Offenbacher Masterplan abstimmen. Damit soll die Richtung der Stadtentwicklung bis 2030 vorgegeben und Offenbach attraktiver werden.

          3 Min.

          Mit dem Offenbacher Masterplan, dessen Ergebnisse am Mittwoch vorgestellt wurden, ist die Stadt nach den Worten von Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) möglicherweise „bundesweit einmalig“. Mehr als 300 Menschen kamen am Mittwochabend in die Alte Schlosserei auf dem Gelände der Energieversorgung Offenbach, um sich die seit März erarbeiteten und in den Plan eingeflossenen Vorschläge erläutern zu lassen. Von einem „sehr gelungenen Regelwerk“ sprach der Vorstand des Vereins „Offenbach offensiv“, Alfred Clouth, der auch Präsident der Industrie- und Handelskammer Offenbach ist.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Für den Masterplan stellten der Verein „Offenbach offensiv“, dem zahlreiche Vertreter der lokalen Wirtschaft angehören, und die Stadt jeweils 200 000 Euro bereit. Erarbeitet wurde das Werk von dem Frankfurter Architektur- und Planungsbüro Albert Speer & Partner; zahlreiche Bürger wirkten in den vergangenen Monaten bei Veranstaltungen und einer Online-Befragung mit. Der Plan solle die Richtung zeigen, wie sich Offenbach bis 2030 entwickeln könne, und stelle einen „Kompromiss zwischen Wohnen und Wirtschaft“ dar, sagte Clouth. Der Primat der Politik werde nicht eingeschränkt; der Masterplan werde spätestens alle fünf Jahre „revalidiert“. Clouth äußerte die Hoffnung, dass der Plan Ende Januar von den Stadtverordneten beschlossen werde. Schneider machte deutlich, das Amt für Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement sei derzeit dabei, eine entsprechende Vorlage zu erstellen.

          Neugestaltung des Marktplatzes als „Gelenkpunkt“

          Der Masterplan beschränke sich nicht auf die beiden Säulen Wohnen und gewerbliche Entwicklung, sondern behandele integrativ alles, was notwendig sei, damit eine lebenswerte Stadt entstehe, hoben Stefan Kornmann und Jana Hertelt von Speer & Partner hervor. Werden derzeit in Offenbach rund 200 Hektar gewerblich genutzt, so können weitere 100 Hektar hinzukommen. Im Masterplan werden Profilierungsmöglichkeiten verschiedener Standorte aufgezeigt: vom „Dienstleistungspark Kaiserlei“ über den „Design Port“ mit Kreativcampus um die Heyne-Fabrik und das künftige Areal der Hochschule für Gestaltung im Hafen bis hin zum „Innovationscampus Main“ auf dem ehemaligen Allessa-Gelände. Mit den 3700 Wohnungen, die in Offenbach schon im Bau sind, ist es noch nicht getan: Dem Masterplan zufolge können noch weitere 5000 Wohnungen auf insgesamt 110 Hektar entstehen. Verschiedene Schlüsselprojekte werden angeführt, die die Innenstadt attraktiver machen sollen. Entscheidend sei hier die Neugestaltung des Marktplatzes als „Gelenkpunkt“. Vorgeschlagen wird, die Bundesstraße 448 von Bieber zur Mühlheimer Straße weiterzuführen, um den Offenbacher Osten zu entlasten, mit Fußgängerbrücke oder Personenfähre über den Main eine Verbindung nach Frankfurt-Fechenheim herzustellen und einen Radschnellweg entlang der Bahntrasse bis nach Frankfurt zu schaffen.

          Mehrere Bürger, die in den sogenannten Detailgruppen mitarbeiteten, schilderten ihre Eindrücke. Angelika Spichal, die als Vertreterin der Lokalen Agenda der Detailgruppe „Wohnen“ angehörte, wies darauf hin, die Lokale-Agenda-Gruppe habe sich schon seit Jahren mit einem Gesamtkonzept für die Stadt befasst. Beeindruckt habe sie, „dass Bürgerbeteiligung hier in Offenbach erstmals so systematisch möglich war“. Harry Neß sprach von einem „Labor für lokales Handeln“. Wichtig sei, die Ergebnisse über Legislaturperioden hinaus zu verwirklichen. Barbara Levi-Wach von der Lokale-Agenda-Gruppe sagte, der Masterplan habe bei der Bürgerbeteiligung „ein Zeichen gesetzt“. Nach Ansicht von Stefan Becker, Mitglied der Detailgruppe „Wirtschaft“, muss Offenbach sich mit dem Masterplan „nach außen endlich auch mal positiv verkaufen“. Stephan Rossius sagte, Offenbach sei eine „extrem bunte und multikulturelle Stadt“. Er hätte es gerne gesehen, wenn mehr Menschen aus Zuwandererfamilien am Masterplan mitgewirkt hätten.

          „Großes Lob“ für alle Beteiligten

          Zur Präsentation der Masterplan-Ergebnisse mischten sich auch etwa zwei Dutzend junge Leute unter das Publikum, die auf bestimmte Begriffe in den Redebeiträgen („Dialog“, „Chancen“, „Zukunft“) mit lautstarkem „Beifall“ reagierten. Auf einem Blatt, das sich des Masterplan-Logos bediente, wurde kritisiert, dass die Stadt „attraktiver, lebendiger und urbaner“ werden solle; dies lasse jedoch keinen Platz für finanziell schwächere Mieter. Überall werde aufgewertet und verdrängt; der Masterplan setze dies fort. Auf das Angebot des Moderators, ihr Anliegen am Mikrofon zu erläutern, gingen die jungen Leute nicht ein. Nach eineinhalb Stunden verließ die Gruppe die Veranstaltung.

          Die CDU-Stadtverordnetenfraktion sprach den am Masterplan Beteiligten derweil „großes Lob“ aus. Der Fraktionsvorsitzende Peter Freier und sein Stellvertreter Roland Walter sagten, die Fraktion sei bereit, „auch eigene bisherige Positionen zu überdenken, um ein großes Ziel zu erreichen“. Beim Masterplan seien viele interessante Vorschläge erarbeitet worden, „die aber nur funktionieren, wenn sie als Ganzes akzeptiert und umgesetzt werden“. Vertreter sowohl der CDU als auch der anderen Fraktionen hätten beim Masterplan-Prozess mitgearbeitet. Freier und Walter rechnen daher damit, dass die anderen Fraktionen die Ergebnisse in ähnlicher Eintracht wie im Oktober 2012 mittragen. Alles andere wäre den Bürgern, den am Masterplan Beteiligten und dem Verein „Offenbach offensiv“ nicht zu vermitteln: „Einen anderen oder einen zweiten Masterplan wird es nicht geben.“ 2012 hatten sich die Stadtverordneten mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, einen Masterplan zu erstellen. Freier und Walter forderten, „an einem Strang zu ziehen“ und sich nicht in „ideologischem Kleinkram“ zu verrennen.

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