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: 50000 Zuschauer kamen einst zur Opel-Rennbahn

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Der Hockenheimring der zwanziger Jahre liegt in einem Waldstück etwa fünf Kilometer von Rüsselsheim entfernt. In der Nähe des Wasserwerks "Schönauer Hof" zerschneidet heute die Darmstädter Straße die Überreste der ehemaligen Opel-Rennbahn.

          Der Hockenheimring der zwanziger Jahre liegt in einem Waldstück etwa fünf Kilometer von Rüsselsheim entfernt. In der Nähe des Wasserwerks "Schönauer Hof" zerschneidet heute die Darmstädter Straße die Überreste der ehemaligen Opel-Rennbahn. Nur noch die Steilwände der 1,5 Kilometer langen Bahn, die einst auf Spitzengeschwindigkeiten von 140 Stundenkilometern angelegt war, sind noch als Erhebung in der Landschaft zu erkennen. Auf dem Rest der Fläche hat sich die Natur durchgesetzt.

          Etwa 100 Geschichtsinteressierte nahmen jetzt an einer sogenannten "History Tour" zur Opel-Rennbahn mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Gerold Reichenbach teil. Unter Führung von Manfred Powalka, Erster Vorsitzender des Heimatvereins Rüsselsheim 1905 e.V., galt es, "die weißen Flecken auf der Geschichtslandkarte unserer Gegend mit Leben zu füllen", so Reichenbach. Powalka, selbst Angestellter bei Opel, führte zu den wenigen Überresten der Rennbahn und zeigte den ursprünglichen Zustand der Bahn mit Hilfe historischer Aufnahmen.

          Schon von 1903 an unterhielt die Firma Opel, die seit 1899 in Rüsselsheim produzierte, eine sogenannte Einfahrbahn, die wegen ihrer geringen Größe allerdings nicht für Geschwindigkeitstests genutzt werden konnte. Als man schließlich dazu überging, für Testfahrten öffentliche Straßen zu benutzen, kam es schnell zu Beschwerden aus der Bevölkerung, weil der Lärm sie belästigte und weil die schlechte Bereifung der Autos Straßenschäden verursachte.

          Der Großherzog sprach ein Machtwort, und bereits 1919 konnte die zwölf Meter breite ovale Opel-Rennbahn fertiggestellt werden. Sie sollte in erster Linie als Testgelände genutzt werden. In der Folgezeit kamen dann allerdings auch Rennveranstaltungen hinzu, die dem damals 9000 Einwohner großen Rüsselsheim Besucherrekorde von bis zu 50000 Menschen bescherten. Von insgesamt fünf Tribünen, die sich im 15 Hektar großen Inneren der Rennstrecke befanden, konnten die Zuschauer das Spektakel verfolgen. Auch das Rahmenprogramm der Rennveranstaltungen hatte mit Verkaufsbuden, Konzerten der Opel-Kapelle und Werbeschriftzügen auf der Fahrbahn schon fast moderne Züge. Zu den Michael Schumachers von einst zählten der Engländer Jimmy Simpson, der Italiener Guido Mentasti und der Deutsche Hermann Lang, der später auch als Silberpfeil-Fahrer bekannt wurde.

          Eines der größten Ereignisse auf der Opel-Rennbahn war der mit 100000 Reichsmark dotierte "Große Opel Preis" von 1922. Auch die sogenannte "Laubfroschparade" von 1925 zählte zu den Höhepunkten. Die Tagesproduktion des grünen "Laubfrosch"-Wagens von Opel wurde eigens zu diesem Anlaß von 25 auf 125 Autos gesteigert. Das legendäre "Raketenauto" von Opel wurde am 12. März 1928 auf der Rennbahn ausprobiert. Es durchbrach erstmalig die Geschwindigkeitsgrenze von 100 Stundenkilometern.

          Als die Firma Opel 1928/29 von General Motors übernommen wurde, hatte die Popularität der Rennbahn ihren Zenit schon fast überschritten. Der 1927 eröffnete Nürburgring und der 1932 erbaute Hockenheimring entsprachen moderneren Standards und machten der Opel-Rennbahn die Zuschauer abspenstig. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Bahn der amerikanischen Armee als Reparaturwerkstatt und geriet dann immer mehr in Vergessenheit.

          Heute gehört das Gelände der Stadt Mainz und wurde wegen der sieben Meter unter Grund verlaufenden Trinkwasseradern zum Wasserschutzgebiet erklärt. Seit 1987 ist die Opel-Rennbahn als technisches Kulturdenkmal eingetragen. Eine Einbindung in die "Route der Industriekultur" könnte ein mögliches Zukunftsprojekt sein, ist jedoch durch die Einstufung der Rennbahnumgebung als Wasserschutzgebiet schwer zu realisieren. frey.

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