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„500-Dächer-Programm“ : Klimaschutz mit finanzieller Vergütung

Ein Mitarbeiter der AVG kontrolliert die Module des Solarparks in Aschaffenburg-Nilkheim. Bild: F.A.Z. - Rainer Wohlfahrt

Bayern ist das Bundesland mit den meisten Solaranlagen. Seit AEG in den Fünfzigern die Solarzelle entwickelt hat, ist Solarenergie dort ein Wirtschaftsfaktor. Jetzt soll ein „500-Dächer-Programm“ Verbraucher anlocken.

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          Wenn am Bayerischen Untermain die Sonne aufgeht, klingeln die Kassen. Nicht nur die Industrie, sondern auch Politiker und Privatleute haben angesichts der staatlichen Subventionierung von erneuerbaren Energien Geschmack daran gefunden, etwas für den Klimaschutz zu tun und sich die edle Gesinnung honorieren zu lassen. Bayern ist das Bundesland mit den meisten Solaranlagen, und die Bürger im nordwestlichen Zipfel des Freistaates haben einen besonderen Anteil daran.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Um ihn noch zu steigern, verkündeten die Landräte aus Miltenberg und Aschaffenburg, Roland Schwing und Ulrich Reuter (beide CSU), sowie der Aschaffenburger Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) am Mittwoch in einer großangelegten, konzertierten Aktion vor rund 150 Gästen ein „500-Dächer-Programm“.

          „100-Dächer-Programm“ war ein Verkaufsschlager

          Industrie, regionale Handwerker und Kreditinstitute haben auf der Grundlage der staatlichen Einspeisevergütung und eines Förderprogramms der Kreditanstalt für Wiederaufbau ein Angebot zusammengestellt, mit dem Haubesitzern die Errichtung einer Solarstromanlage schmackhaft gemacht werden soll.

          Die Zuversicht, dass es angenommen wird, ist bei allen Beteiligten groß. Denn ein „100-Dächer-Programm“, das die Aschaffenburger Kreistagsfraktion der CSU vor zwei Jahren angeregt hatte, erwies sich innerhalb von wenigen Wochen als Verkaufsschlager. Bei der aktuellen Aktion kostet zum Beispiel eine Photovoltaikanlage für ein Einfamilienhaus mit einer Modulfläche von 30 Quadratmetern inklusive Zubehör, Montage und Elektroarbeiten 19218,50 Euro. Wer dafür ein Darlehen aufnimmt, kann dieses mit Hilfe der staatlichen Vergütung innerhalb von 15 Jahren abzahlen – bei durchschnittlicher Sonneneinstrahlung.

          „Die restlichen fünf Jahre mit fester Einspeisevergütung bringen Ihnen einen zusätzlichen Ertrag in Ihre Haushaltskasse“, heißt es in einem Prospekt, in dem die Landräte und der Oberbürgermeister mit Konterfei und Unterschrift für das Projekt werben. Allerdings stellte Reuter am Mittwoch heraus, dass neben den genannten Unternehmen noch viele andere ähnliche Leistungen anböten.

          Photovoltaikanlage eröffnet

          Er wies darauf hin, dass der Gesetzgeber die Einspeisevergütung degressiv gestaltet habe und sie seit Jahresbeginn etwas niedriger ausfalle. Diese Reduzierung hat die Aschaffenburger Versorgungsgesellschaft (AVG) veranlasst, noch am Tag vor Silvester ihre bis heute größte Photovoltaikanlage zu eröffnen. Rund 1,2 Millionen Euro hat sie gekostet.

          Auf 14.000 Quadratmetern soll sie im Jahr 340.000 Kilowattstunden erzeugen. Insgesamt sind im Versorgungsgebiet der AVG mehr als 500 Solaranlagen in Betrieb. Sie produzieren eine Strommenge, die nach vorsichtigen Schätzungen für rund 4000 Personen ausreicht. In Aschaffenburg leben ungefähr 70.000 Einwohner.

          Seit im Jahr 1999 die ersten Module auf dem Wasserwerk installiert worden seien, sei diese Form der Stromerzeugung zu einem wichtigen Faktor im Energiemix geworden, berichtet Werkleiter Peter Bickel. Sie werde kontinuierlich fortentwickelt. So würden in Aschaffenburg in diesem Jahr auf dem Dach der Müllumladestation, auf dem Bauhof und auf der Brentanoschule weitere Anlagen entstehen. Die größte des Kreises Miltenberg befindet sich auf dem Dach der Kompostierungsanlage in Eichenbühl und erstreckt sich über 5000 Quadratmeter.

          AEG entwickelte 1958 Solarzellen für die Raumfahrt

          Im Kreis Aschaffenburg ist die Sonnenenergie traditionell besonders stark verankert. So entwickelte AEG 1958 in Alzenau die ersten Solarzellen für die Raumfahrtindustrie. Heute produziert Schott Solar, einer der führenden Hersteller in Europa, an diesem Standort mit knapp 500 Mitarbeitern Zellen und Module.

          Zwar ist die Verwaltung gerade erst in die Zentrale des Mutterkonzerns nach Mainz umgezogen. Dort hebt man aber hervor, dass die Produktion am Untermain bis Ende 2011 noch ausgebaut werden solle, sofern der Geschäftsverlauf dies zulasse.

          Für die Kommune ist das Unternehmen nicht nur wegen der Arbeitsplätze von Bedeutung. Alzenau wirbt als „Solarstadt“ auch um Touristen und verfügt über einen in Deutschland beispiellosen „Parcours“, der von einem gemeinnützigen Verein und dem Umweltamt gepflegt wird. Auf zwei Rundwegen durch die Stadt führt er an insgesamt 20 Anlagen vorbei, die demonstrieren, wie vielfältig die Erzeugung und die Nutzung der Sonnenenergie sind.

          Ein ungewöhnliches Beispiel hierfür lässt sich voraussichtlich vom April an auf der Einhausung der Autobahn 3 besichtigen. Dort entsteht nämlich gerade die längste Photovoltaikanlage Deutschlands. Das Elektrizitätswerk Goldbach-Hösbach und das Unternehmen Ralos aus Michelstadt im Odenwald installieren auf dem 2,7 Kilometer langen Dach des oberirdischen Lärmschutztunnels für rund 10 Millionen Euro zirka 16000 Module. Sie sollen 650 Haushalte versorgen.

          Wie berichtet, haben manche Anwohner gegen das Vorhaben protestiert. Sie sorgten sich um die „Ästhetik des Ortes“. Von der Einspeisevergütung bekommen die Bürger nichts ab, und der Klimaschutz allein scheint sie nicht wirklich zu faszinieren.

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