https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/1300-denkmaeler-das-alte-mainz-braucht-pflege-und-zuwendung-1881228.html

1300 Denkmäler : Das alte Mainz braucht Pflege und Zuwendung

Vorzeigeprojekt: Die restaurierte Trauerhalle auf dem jüdischen Friedhof in Mainz. Bild: Foto Stadt Mainz

Rund 1300 Einzeldenkmäler und 70 Denkmalzonen sind in der Stadt zu erhalten: Und damit nicht nur die von den Grünen bekrittelten „Lieblingsprojekte des Besitzbürgertums“.

          2 Min.

          Wenn faustgroße Gesteinsbrocken von einer barocken Stuckdecke fallen, so wie im Durchgang des Hauses zum Römischen Kaiser geschehen, ist die Denkmalpflege gefordert. Aber auch, wenn dem Besitzer eines Gründerzeithauses an der Uferstraße der Sandsteinbalkon auf den Kopf zu stürzen droht, die Mauer unterhalb des Stefansgartens unübersehbare Risse aufweist und das beständig wuchernde Grün die Zitadelle wieder in den Besitz zu nehmen versucht. Rund 1300 Einzeldenkmäler in 70 ausgewiesenen Denkmalzonen sind in Mainz im Auge zu behalten, zu pflegen und bisweilen eben auch behutsam zu sanieren, wie Kathrin Nessel am Mittwochabend im Kurfürstlichen Schloss sagte. Bei dieser Aufgabe ist die Leiterin der Abteilung Denkmalpflege des städtischen Bauamts allerdings nicht allein: Auch ihre Kollegen – Landesdenkmalpfleger Joachim Glatz, Diözesankonservator Hans-Jürgen Kotzur und Landesarchäologe Gerd Rupprecht – demonstrierten bei der Bilanz für 2009 in Wort und Bild, dass es in der 2000 Jahre alten Stadt mit ihrem 1000 Jahre alten Dom für sie genug zu tun gibt.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Ebenso wie der Ende des Monats aus dem Amt scheidende Denkmalschutzdezernent, Bürgermeister Norbert Schüler (CDU), versäumten es auch andere Redner nicht, sich mit der Aussage der Grünen auseinanderzusetzen, die kürzlich despektierlich „von Lieblingsprojekten des Besitzbürgertums“ gesprochen und damit Vorhaben der Denkmalpflege gemeint hatten. Es sei ja nicht so, dass bisher das Geld über den entsprechenden Initiativen ausgeschüttet worden wäre, sagte Archäologe Rupprecht; und dass von einem Ampel-Bündnis deshalb in nennenswertem Umfang Mittel umgeschichtet werden könnten.

          Trier auf der Fersen

          Ob an den Römersteinen oder rund um die Zitadelle: Vieles von dem, was in den vergangenen Jahren gemacht worden sei, sei erst durch das Engagement und die Spenden von Bürgern möglich geworden. So finanziere eine Rentnerin Jahr für Jahr von ihrem Ersparten die Konservierung eines weiteren Römersteins im Zahlbachtal. Die Frau und er selbst, so Rupprecht, hätten sich zudem gegenseitig eine Holzbank geschenkt, damit Besucher fortan in aller Ruhe einen Blick auf die Reste der römischen Wasserleitung werfen könnten. Die alten Sitzmöbel seien zwar demontiert, aber von der Stadt nicht mehr ersetzt worden. Noch dazu finanziere er als Landesarchäologe auf seine Rechnung eine 400-Euro-Kraft, die dabei helfe, römische Funde und die Zitadellenmauern vor wucherndem Grün zu schützen.

          Die Grabungsarbeiten am Römischen Bühnentheater seien weitgehend abgeschlossen, sagte Rupprecht, der sich noch die Beseitigung der nicht mehr benötigten Hangstützmauer wünscht, damit Bahnreisende vom Zug aus einen Blick auf Mainzer Geschichte werfen könnten. Übrigens sei man beim „landesweiten Wettbewerb“ um den begehrten Titel der ältesten Römerstadt mittlerweile bis auf ein Jahr an das 13 vor Christus gegründete Trier herangekommen.

          Bis zu 40 Millionen Euro werden vermutlich gebraucht

          Dass eine Stadt mit derart langer Geschichte viele Kulturdenkmäler besitze, hatte schon Bürgermeister Schüler zu Beginn der Versammlung verdeutlicht: Die jüdische Trauerhalle am Hauptfriedhof – mit filigraner Gestaltung und maurischen Zitaten – erstrahle seit dem Sommer wieder in altem Glanz. Auf den seit Mai 2008 verwaisten Sockel des Gutenberg-Denkmals solle im nächsten Frühjahr die restaurierte Bronzefigur zurückkehren; auch die gleichfalls renovierungsbedürftige Nagelsäule werde 2010 wieder zum Stadtbild gehören, kündigte der Dezernent an.

          Das sanierungsbedürftige Kurfürstliche Schloss und das inzwischen ebenfalls starke Schäden aufweisende Rathaus dürften die Denkmalpflege in den nächsten Jahren dagegen noch viel Arbeit kosten. In beiden Fälle könnten Schätzungen zufolge jeweils wohl bis zu 40 Millionen Euro gebraucht werden, um die stadtbildprägenden Gebäude wieder vollends in Schuss zu bringen. Nicht weniger aufwendig sind die wegen der großen Menge an Luftschadstoffen wohl nie mehr endenden Sanierungsarbeiten rund um den Dom, der nicht ohne Grund „ewige Baustelle“ genannt wird.

          Weitere Themen

          Darmstädter Journalistin in Freiheit

          Nach Haft im Irak : Darmstädter Journalistin in Freiheit

          Einen Monat lang saß die Darmstädter Journalistin Marlene Förster in einem Gefängnis des irakischen Geheimdienstes, nun wurde sie überraschend freigelassen und nach Deutschland abgeschoben.

          Topmeldungen

          Hört nun doch bei Rosneft auf: Gerhard Schröder

          Trennung von Rosneft : Schröders überfälliger Schritt

          Altkanzler Schröder trennt sich vom russischen Ölkonzern Rosneft. Warum jetzt erst? Die Verbrechen von Butscha hatten dafür noch nicht gereicht. Geht es um drohende EU-Sanktionen? Oder weiß er mehr als wir alle?
          Der ehemalige Ballettdirektor des Bayerischen Staatsballetts, Igor Zelensky

          Münchens früherer Ballettchef : Ein Kind mit Putins Tochter

          Doppelleben: Die frühere Münchener Ballettchef Igor Zelensky und Putins zweite Tochter Katerina Tichonowa sind liiert und haben ein gemeinsames Kind. Tichonowa ist eine der besten Partien in Russland.
          Premierministerin Elisabeth Borne während der Amtsübergabe

          Premierministerin Borne : Neue französische Regierung vorgestellt

          Premierministerin Elisabeth Borne ließ sich lange Zeit mit der Bildung ihres Kabinetts. Das Außenministerium übernimmt nun die frühere Botschafterin in London, mehrere Schlüsselressorts gehen an bürgerliche Rechte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Frankfurt Jobs
          Jobs in Frankfurt finden
          Immobilienmarkt
          Immobilien kaufen, mieten und anbieten
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis