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1000 Jahre altes Mainzer Grab : Eine einzigartige Geschichte gilt es zu erzählen

  • -Aktualisiert am

1000 Jahre alt: Sarkophag des Erzbischofs Erkanbald in Mainz Bild: Michael Kretzer

Das Grab eines vor 1000 Jahren gestorbenen Erzbischofs wird auch in Mainz nicht jeden Tag gefunden. Nun steht die „Stadt der zwei Dome“ vor der Aufgabe, diese spannende Geschichte unter anderem Touristen zu erzählen.

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          Was für eine Geschichte! Selbst in einer 2000 Jahre alten Stadt wie Mainz, die einst von den Römern gegründet wurde, kommt es nicht alle Tage vor, dass man das Grab eines vor 1000 Jahren gestorbenen Erzbischofs freilegt. Eigentlich sollte vor sechs Jahren in der von außen betrachtet unscheinbaren Johanniskirche ja nur die Heizung ausgetauscht werden.

          Seitdem ist im Innern des Gotteshauses kein Stein auf dem anderen geblieben. Der Steinboden ist inzwischen mehr als drei Meter tief ausgeschachtet, wobei neben dem im Sommer geöffneten Sarkophag des – zumindest nach derzeitigem Kenntnisstand – früheren Erzbischofs Erkanbald rund 200 weitere Grabstellen entdeckt worden sind.

          „Alter Dom“ genannte Kathedrale

          Noch dazu wurden bei den Grabungen, die Forscher bis ins fünfte Jahrhundert zurückführten, bald eine halbe Million Fundstücke aus allen Epochen gesichert. Offen ist bei alledem, wie es mit der Altstadtkirche am Mainzer Leichhof weitergeht, die zwar kein Museum werden soll, in der man aber auch nicht einfach so zum Alltag übergehen kann.

          So ist die von der evangelischen Kirche als Hausherr bereits eingesetzte Arbeitsgruppe nicht zu beneiden, die ein stimmiges Nutzungs- und Gestaltungskonzept für die vom Volksmund immer schon auch „Alter Dom“ genannte Kathedrale finden soll. Eines, das die Interessen der etwa 2000 Gemeindemitglieder berücksichtigt, die in den vergangenen Jahren für Gottesdienste in andere Kirchen ausweichen mussten.

          „Stadt der zwei Dome“

          Dabei ist es schon kurios, dass Mainz nun gleich zwei sehenswerte Dome vorzuweisen hat: Die frühe Bischofskirche des ersten Jahrtausends mit dem nun freigelegten Grab, die 1828 in den Besitz der evangelischen Kirche kam. Und direkt daneben der 1036 geweihte Dom St. Martin, der auf Drängen des Erzbischofs Willigis seinerzeit als stattlicher Neubau errichtet worden war.

          Wie die beiden Kirchen und die „Stadt der zwei Dome“ diese spannende und einzigartige Geschichte in Zukunft unter anderem interessierten Touristen und Besuchern erzählen wollen, ist noch völlig offen. Die Wände frisch zu verputzen, den Untergrund wieder aufzufüllen und die Heizung einzuschalten, ist allerdings ganz sicher keine adäquate Lösung.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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