https://www.faz.net/-gzg-9qk97

100 Jahre Ditsch : Von der Feinbäckerei zum Weltexporteur

  • -Aktualisiert am

1919 eröffnete die „Bäckerei für Brezel und Laugengebäck“ in Mainz. Bild: EPA

Das Bäckerei-Unternehmen Ditsch feiert sein hundertjähriges Bestehen – mittlerweile exportiert es nach Japan, Russland und China. In Deutschland gibt es eine Stadt, die besonders auf die Brezeln abfährt.

          2 Min.

          Sie gehören zur deutschen Bahnhofslandschaft wie Anzeigetafeln: Die Brezelstände der Bäckereikette Ditsch. In diesem Jahr feiert die Bäckerei hundertjähriges Bestehen. Weniger bekannt als die Stände dürften die Ursprünge des Mainzer Unternehmens sein. 1919 eröffnete dort der Bäckermeister Wilhelm Ditsch die „Bäckerei für Brezel und Laugengebäck“. Am 31. August steht die Jubiläumsfeier an.

          Rund 700 Mitarbeitern hat Ditsch inzwischen, mit insgesamt 201 Filialen in Deutschland, die bevorzugt an deutschen Bahnhöfen sowie in Einkaufszentren und -straßen stehen. Über drei Generationen hinweg wurde Ditsch als Familienbetrieb geführt. 2012 kaufte der Schweizer Handels- und Kioskkonzern Valora die Unternehmensgruppe Ditsch/Brezelkönig, zu der auch 64 Filialen unter dem Namen „Brezelkönig“ in Schweiz und Österreich zählen.

          Der Blick auf die Karte zeigt: Im Süden Deutschlands – wo Brezelliebhaber naturgemäß zuhause sind – gibt es die kleine Bäckerei nicht außergewöhnlich oft. Vielmehr scheinen die Brezeln es der Hauptstadt angetan zu haben. Insgesamt 32 Filialen finden sich in Berlin. „Wir stellen einen Trend hin zur Lauge fest, der kein Nord-Süd-Gefälle kennt“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. „Gleichzeitig wirkt sich auch positiv aus, dass unsere Laugenbackwaren per se vegan sind.“

          Zwei der insgesamt vier Produktionsstätten für das Gebäck liegen in Deutschland, in Mainz sowie Oranienbaum in Sachsen-Anhalt. Nach eigenen Angaben produzierte das Unternehmen im Jahr 2018 635 Millionen Backwaren, 44 Prozent davon sind Brezeln. Die Produkte werden in 36 Länder wird exportiert – darunter Japan, Russland und China.

          Der Backautomat revolutionierte das Geschäft der Bäckerei Ende der 70er Jahre. Bilderstrecke

          Ditsch war nicht immer auf Laugengebäck spezialisiert. Nach Aussagen des ehemaligen Inhabers Peter Ditsch, der Enkel des Geschäftsgründers, war der Laden zunächst „eine Feinbäckerei mit Brot, Kuchen und anderen Backwaren“. Nachdem Großvater Wilhelm Ditsch 1952 den Brezelladen an Vater Heinz Ditsch übergab, sei das Geschäft expandiert. Anfang der 70er Jahre habe es ein Überangebot an kleinen Bäckereien in Mainz gegeben, sodass Heinz Ditsch sich entschied, überwiegend Brezelprodukte anzubieten. Er belieferte fortan auch die Gastronomie und Brezelmänner in Mainz, die die Ware weiterverkauften.

          Der erste Brezel-Backautomat

          Eine so einfache wie geniale Idee kam der Bäckerfamilie 1972: der Brezelstand am Hauptbahnhof, für Reisende, die sich so ihr Proviant erst kurz vor Abfahrt besorgen können. Den ersten Brezel-Backautomat sehen Vater und Sohn auf einer Fachmesse Ende der 70er Jahre, der sogleich auch gekauft wird. Die Investition in ein Schockgefrierschrank tat ihr übriges, um die Produktion anzukurbeln. Ein paar Jahre später wurde die erste kleine Produktionshalle im Mainzer Gewerbegebiet eröffnet, 1991 erfolgte der Umzug auf ein 10.000 Quadratmeter großes Grundstück. Ein Teil des Sortiments wird dort noch produziert, auch die Hauptverwaltung befindet sich in Mainz.

          Heute hat Ditsch 180 „selbstständige Agenturpartner“, die die Shops in Deutschland betreiben. Kernprodukt ist immer noch die frischgebackene Brezel, deren Duft die Kunden kalkuliert anlockt. Wer sich wundert, warum die beinah ebenso bekannten Pizzazungen der Bäckerei am Frankfurter Bahnhof 30 Cent teuer sind als in Berlin, den lässt das Unternehmen wissen: Es seien standortabhängige Faktoren, an denen sich diese „marktkonformen Preise“ orientieren.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Milliardär Michael Bloomberg (links) in seiner ersten Fernsehdebatte zur Präsidentschaftskandidatur der amerikanischen Demokraten am Mittwoch in Las Vegas

          Fernsehdebatte der Demokraten : Bloomberg im Kreuzfeuer

          Zum ersten Mal nimmt Michael Bloomberg an einer Fernsehdebatte der demokratischen Präsidentschaftsbewerber teil. Sofort ist der „arrogante Milliardär“ der Lieblingsfeind seiner Konkurrenten. Doch er teilt auch aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.