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Energiewende : Platz für 200 Windräder und mehr

Vision: Die Planer erlauben an der Burg Münzenberg in der Wetterau nur noch einzelne Windräder hinter der nächsten Hügelkette. Bild: Montage Regionalverband Frankfur

Die Region stellt ihren überarbeiteten Plan vor, wo Windkraftanlagen stehen könnten. Um die Burg Münzenberg hat sich einiges verändert.

          3 Min.

          Während die Bundesregierung in Berlin schon wieder über eine Drosselung des Windkraftausbaus diskutiert, beschäftigt man sich im Rhein-Main weiter damit, sogenannte Vorranggebiete auszuweisen, um die umstrittenen Windkraftanlagen auf einige windreiche Areale zu konzentrieren. Der Regionalverband Frankfurt/Rhein-Main hat seinen Entwurf vorgestellt, der knapp 30 Vorranggebiete hauptsächlich im Hochtaunuskreis und in der Wetterau vorsieht. Damit sollen 2000 Hektar als mögliche Standorte für Windräder ausgewiesen werden. Nach Angaben der Planer könnte der Platz rein rechnerisch für den Bau von 600 Windkraftanlagen reichen. Realistisch sei jedoch, dass höchstens 200 Windräder in den nächsten Jahren auf den Flächen entstehen. Im Gebiet des Regionalverbands, das 75 Kommunen im Kern der Rhein-Main-Region umfasst, ohne Darmstadt und Wiesbaden, drehen sich derzeit bisher 30 Windräder.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Ballungsraum verpasst mit dieser Planung das Ziel der Politik, zwei Prozent der Landesfläche für die Nutzung der Windenergie auszuweisen. Die geplanten Gebiete entsprechend einem Anteil von 0,83 Prozent der Verbandsfläche. „Es ist immer klar gewesen, dass man in einem äußerst dicht besiedelten Gebiet wie Frankfurt/Rhein-Main keine zwei Prozent erzielen wird“, äußerte der Verbandsbeigeordnete Thomas Horn (CDU). Aber zusammen mit den weiteren Vorranggebieten in Südhessen, die vor allem im Odenwald und im Rheingau-Taunus-Kreis geplant sind, soll für den gesamten Regierungsbezirk Darmstadt inklusive des Regionalverbands ein Anteil von 1,7 Prozent der Fläche für Windräder ausgewiesen werden. „Damit kommen wir für ganz Südhessen in Schlagweite des Ziels, das die Landesregierung ausgegeben hat“, sagte Horn.

          Insgesamt 29 Windvorranggebiete

          Offen ist allerdings, wie sehr die geplanten Vorranggebiete mit den Interessen der Deutschen Flugsicherung kollidieren. Für die Planung hat man in Abstimmung mit der Landesregierung lediglich Abstände von drei Kilometern zu sogenannten Drehfunkfeuern vorgesehen. Die Flugsicherung selbst fordert grundsätzlich einen Sicherheitsabstand von 15Kilometern. Im schlimmsten Fall könnten fast 1000 Hektar, also knapp die Hälfte aller Vorranggebiete im Verbandsgebietwegfallen, sollte die Flugsicherung in den Genehmigungsverfahren ihren rigiden Kurs durchsetzen. In der Vergangenheit waren wegen eines Funkfeuers bei Nidderau Windkraftanlagen auf Frankfurter Gemarkung, in Bergen-Enkheim und Nieder-Erlenbach, gescheitert. Insgesamt gibt es in Südhessen sieben solcher Feuer, Grund ist der Frankfurter Flughafen.

          Horn zeigte sich bei der Präsentation des Planentwurfs für die 29 Windvorranggebiete dennoch äußerst zufrieden. Im Vergleich zum Vorentwurf aus dem Jahr 2014 – damals waren noch 140 Hektar mehr für Vorrangflächen vorgesehen – habe man auf die fast 3000 Stellungnahmen von Bürgern, Kommunen und Verbänden reagiert und Kritikpunkte verändern können. So sei bei der jetzigen Planung erstmals auch das Landschaftsbild als Ausschlusskriterium mitberücksichtigt worden.

          Auch Artenschutz führt zur Verschiebung der Flächen

          Bei einem der größten geplanten Vorranggebiete, einem Areal von 870 Hektar bei Rockenberg, Bad Nauheim und Wölfersheim in der Wetterau, sei mit Rücksicht auf die Sichtbeziehung zur Burg Münzenberg auf einen Großteil der Fläche verzichtet worden. Auch die Tatsache, dass Wölfersheim und der Bad Nauheimer Stadtteil Steinfurth praktisch von Windrädern umzingelt gewesen wären, hat die Planer bewogen, die Fläche um 600 Hektar zu verkleinern. Die Entdeckung eines Rotmilanhorstes habe einen ergänzenden Beitrag geleistet. Das Nest eines Rotmilans hat auch dazu geführt, dass eine umstrittene Fläche bei Neu-Anspach gestrichen wurde. „Dort, wo ein Rotmilan oder ein Schwarzstorch regelmäßig brütet, siegt praktisch immer der Natur- und der Artenschutz“, sagte Horn.

          Die meiste Kritik hatte es an zwei Flächen bei Butzbach gegeben. Auch dort wurde das Nest eines Rotmilans entdeckt. Eine Fläche wurde deshalb gestrichen, die andere wurde wegen der Nähe zu einer Wochenendhaus-Siedlung verschoben. Wie Horn berichtet, gab es auch viele Einwendungen gegen das Gebiet am Winterstein bei Friedberg. Auch hier wurde das Areal nach Westen verschoben, um dem Landschaftsbild Rechnung zu tragen. Insgesamt blieb nur rund die Hälfte der Flächen von 2014 unverändert.

          Über den jetzt vorgestellten Entwurf werden die Vertreter der 75 Verbandskommunen in einem ersten Schritt am 29.Juni und dann endgültig im Oktober entscheiden. Die Pläne sollen noch in diesem Jahr der Öffentlichkeit vorgelegt werden. Horn hofft, dass 2018 die Vorranggebiete endgültig Rechtskraft erlangen.

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