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Region im Aufbruch : Mittelrhein nicht länger ein Tal der Tränen

  • -Aktualisiert am

Lücken: Zwischen den Weinbergen von Lorchhausen finden sich etliche stillgelegte Flächen. Bild: Sick, Cornelia

Der Weinbau im Mittelrheintal hat die schwierigsten Jahre hinter sich. Ein neuer Optimismus lässt neue Rebanlagen entstehen und lockt neue Investoren an.

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          Die Schönheit einer Kulturlandschaft ist ein wenig gewinnbringendes Vermögen, und mit wirtschaftlicher Prosperität hat der Zauber einer Region oft wenig zu tun. Die strukturschwache hessische Rhön ist dafür ein ebenso gutes Beispiel wie das Mittelrheintal zwischen Rüdesheim und Koblenz. Das 67 Kilometer lange Tal hat in den vergangenen Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel erlebt. Bevölkerungs- und Arbeitsplatzverluste waren die Folge, der demographische Wandel hinterlässt bis heute seine Spuren.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Seit das Tal im Jahre 2002 von der Weltkulturorganisation Unesco zum Welterbe erhoben wurde, gibt es wieder so etwas wie eine Aufbruchstimmung. Mehr öffentliche Mittel fließen in das Tal, in dem mangels arbeitsplatzintensiver Industrie allein Weinbau und Tourismus die tragenden Säulen der Hoffnung auf eine wirtschaftliche Gesundung sind.

          Der Tourismus hat in den vergangenen zwölf Jahren durch Jubiläen wie „200 Jahre Rheinromantik“, durch die Heiligsprechung der „Hildegard von Bingen“, durch Großveranstaltungen wie die Landesgartenschau in Bingen und die Bundesgartenschau in Koblenz, aber auch durch neue attraktive Angebote wie die Fernwanderwege „Rheinsteig“ und „Rhein-Burgen-Weg“ vielfältige Impulse erfahren. Inzwischen wird wieder in attraktive Beherbergungsbetriebe investiert. Das neue „Hotel im Schulhaus“ in Lorch und das Hotels St. Augustins in Oberwesel sind Belege dafür. Auch mancher Winzer hat in Ferienwohnungen investiert.

          Niedergang am Beispiel Lorchhausen

          Auch wenn es bei den Beherbergungsbetrieben im Tal noch immer beträchtliche Defizite gibt: Investitionen in Gästebetten zahlen sich oft schneller aus als in den Weinbau, der im Mittelrheintal eine lange Leidensgeschichte hat. Im Jahr 1900 verzeichnete dieses rheinland-pfälzische Weinanbaugebiet noch eine Fläche von 2200 Hektar. Nach dem Ersten Weltkrieg sank diese Zahl auf 1800 Hektar, nach dem Zweiten Weltkrieg waren es nur noch 1300 Hektar. Die Aufgabe steiler und damit wenig rentabler Weinberge war damit aber noch längst nicht an ihr Ende gekommen. Für das Jahr 1989 verzeichnet die Statistik noch 680 Hektar Rebfläche, für 1999 rund 550 Hektar. Erst in den Jahren nach 2000 stabilisierte sich diese Zahl bei rund 460 Hektar.

          Die Gründe für den langen und scheinbar unaufhaltsamen Prozess des Niedergangs waren vielfältig. Zwei verlorene Weltkriege, ein zeitweiser Mangel an Arbeitskräften, die Ausbreitung der Reblaus und die Konzentration deutscher Sektkellereien auf andere europäische Erzeugerregionen als Lieferanten.

          Wie dramatisch sich das auf einzelne Weindörfer ausgewirkt hat, zeigt das Beispiel des hessischen Lorchhausen, das weinrechtlich zwar zum Rheingau, geografisch aber ins Mittelrheintal gehört und Teil der Welterberegion ist. Niedrige Weinpreise, eine unrentable Bewirtschaftung der steilen Weinberge und hohe Wildschäden ließen viele Nebenerwerbswinzer ihr Handwerk sukzessive aufgeben. Daran änderte auch die Flurbereinigung wenig. Zwischen 1963 und 1979 halbierte sich im westlichsten Ort des Bundeslandes Hessen die Rebfläche von 50 auf 24 Hektar, und sie ging bis 2007 noch weiter auf spärliche neun Hektar zurück. Übrig blieb eine einzige Weinbergslage, der „Lorchhäuser Seligmacher“, doch selig sind die Winzer nicht. Der Anblick aufgegebener Weinbergslagen stimmt manchen depressiv.

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