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Lösegeld aus Reemtsma-Entführung : Die Spur ins Rotlichtmilieu gilt noch nicht als heiß

  • -Aktualisiert am

Ein Bordell im Bahnhofsviertel von Frankfurt Bild: dpa

Ein alter Verdacht wird wieder genährt: Die Hells Angels sollen Lösegeld aus der Reemtsma-Entführung in Frankfurt gewaschen haben. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sieht noch keinen Grund für neue Ermittlungen.

          Die Frankfurter Staatsanwaltschaft sieht noch keinen Anlass, Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche im Zusammenhang mit der Entführung von Jan Philipp Reemtsma 1996 aufzunehmen. Das sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Wie berichtet, hat der schon früher geäußerte Verdacht, ein Teil des Lösegeldes von umgerechnet rund 15 Millionen Euro sei von Frankfurter Hells Angels über das Rotlichtmilieu in den Geldkreislauf gespeist worden, neue Nahrung erhalten.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der vergangenen Woche waren auf Mallorca und in Aachen ein 62 Jahre alter Mann und seine Schwester verhaftet worden. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft Aachen gewerbsmäßige Erpressung vor. Unter anderem sollen sie Mitglieder des inzwischen verbotenen Frankfurter Hells-Angels-Charters „Westend“ genötigt haben, mehrmals fünfstellige Summen zu zahlen, sonst werde man ihre Aktivitäten an die Polizei verraten. Die Rede ist von Millionen aus dem Lösegeld, die in kleinen Beträgen in Geschäfte mit käuflichem Sex geflossen seien, um ihre Herkunft zu verschleiern. Der Großteil des erpressten Betrags, damals bar in 15 Millionen Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken gezahlt, ist trotz weltweiter Fahndung und Observation der Verurteilten verschwunden geblieben.

          Hinweise auf Erpressung aus Hessen

          Wie die Geldwäsche funktioniert haben soll, darüber kann oder will die Staatsanwaltschaft in Aachen, die die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Erpresser führt, derzeit keine Auskunft geben. Zumal sie den Hauptverdächtigen noch nicht vernommen hat, der in Spanien in Auslieferungshaft sitzt. Die Strafverfolger haben ihrer Darstellung nach auch keine Vorstellung davon, wie man harte Rocker dermaßen unter Druck setzen könnte, dass sie sogar mehrere Raten zahlen, um nicht verraten zu werden.

          Das Verbotsverfahren gegen die Frankfurter Hells Angels könnte in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen. Aus Ermittlerkreisen heißt es, Hinweise auf die Erpressung seien aus Hessen gekommen. Es wird nun spekuliert, diese Anhaltspunkte könnten sich aus den umfangreichen Unterlagen ergeben haben, die 2011 im Zusammenhang mit dem Verbot der beiden Frankfurter Charter der Hells Angels sichergestellt worden waren.

          Geld für Bau eines Bordells in Darmstadt

          Die Ermittlungsbehörden hatten damals mehrere Razzien vorgenommen, bei denen Geschäftsräume der Rocker durchsucht worden waren. Eine der letzten Razzien habe sich speziell den Vermögenswerten des Charters gewidmet, hatten Fahnder damals berichtet.

          Der nun auf Mallorca verhaftete Mann soll Kontakte ins Rotlichtmilieu und auch zu Hells Angels haben, jedoch kein Mitglied sein, hieß es aus Aachen. Derzeit gebe es mangels konkreter Hinweise noch keinen Grund, neue Ermittlungen wegen Geldwäsche aufzunehmen, lautet die Auskunft der Frankfurter Staatsanwaltschaft. Gerade erst seien die langwierigen Nachforschungen zu dem Verdacht eingestellt worden, ein Teil des Lösegeldes sei in den Bau eines Bordells in Darmstadt geflossen.

          Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu wies darauf hin, dass es in Frankfurt auch noch andere Gerüchte gegeben habe, wie die registrierten Banknoten aus der Reemtsma-Erpressung „gewaschen“ worden seien, etwa über eine obskure Tippgemeinschaft. Zu den großen Schwierigkeiten, Bargeldbewegungen in diesem Milieu zu verfolgen, komme inzwischen die Frage, ob ein solches Delikt nicht verjährt sei.

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