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Pinkel-Attacke bei Polizei : Wie Blei

  • -Aktualisiert am

Bürgervertrauen verletzt: Die hessische Polizei sieht sich mit rechtsextremen Tendenzen konfrontiert. Bild: dpa

Frankfurter Polizeibeamte sollen an die Haustür eines Gefährders gepinkelt haben. Nach der Affäre wegen mutmaßlicher rechtsextremer Tendenzen ist die „Pinkel-Attacke“ ein weiterer Tiefschlag für die hessische Polizei.

          Das hat gerade noch gefehlt. Während kein Ende in der Affäre um eine mutmaßliche rechtsradikale Zelle in der Frankfurter Polizei in Sicht ist, wird bekannt, dass offenbar Staatsschützer an die Tür eines Hauses pinkelten, in dem ein islamistischer Gefährder lebt. Den sie eigentlich ohne Pause hätten observieren müssen.

          Da wird vor allem viel Alkohol im Spiel gewesen sein. Und vermutlich auch viel Frust über eine Tätigkeit, die auf die Nerven geht. Rund um die Uhr Männer zu beobachten, denen man zutraut, sie könnten einen Anschlag begehen, ist für die Sicherheit der Allgemeinheit unerlässlich, gehört aber zu den undankbarsten Aufgaben im Polizeidienst.

          Ein weiterer Tiefschlag

          Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dann kann man sie nicht als unappetitlichen Spaß abtun, der in Frankfurt mit 70 Euro Bußgeld zuzüglich 28,50 Euro Verwaltungsgebühr geahndet wird. Schon ohne die unerledigte Affäre wegen mutmaßlicher rechtsextremer Tendenzen wäre die „Pinkel-Attacke“ für die Polizei peinlich gewesen. Jetzt ist sie ein weiterer Tiefschlag für das Renommee.

          Das Vertrauen des Bürgers in die Gesetzestreue der Polizei ist die Basis ihrer Arbeit. Derzeit hängt der Verdacht, in Frankfurt seien es nicht nur Einzelfälle, in denen Beamte im Dienst ihre Ressentiments auslebten, wie Blei an den Armen der vielen rechtschaffenen Kollegen.

          Es braucht größere Anstrengungen in der Aus- und Fortbildung, um das Bewusstsein der Polizisten für die eigene Rolle im demokratischen Rechtsstaat zu schulen. Aber es muss nun endlich auch aufgeklärt werden, was sich hinter den unsäglichen Chats und den rassistischen Drohschreiben gegen eine Anwältin verbirgt und wie weit sich rechtsradikale Kreise tatsächlich ziehen.

          Vor kurzem bot sich die Chance, eine Spur dazu im Internet zu finden. Ein Richter hat es der Staatsanwaltschaft jedoch verwehrt, die Datei auszuwerten. Weil sonst die Pressefreiheit gefährdet sei. Eine erstaunliche Güterabwägung.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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