https://www.faz.net/-gzg-9lto0

Höhere Abgabe an Kommunen : Sparkassen-Vorstände verdienen so viel wie die Kanzlerin

Die Finanzkrise gut überstanden: Der Sparkassen-Tower in Frankfurt Bild: Ricardo Wiesinger

Öffentliche Geldinstitute müssen Kommunen stärker an Gewinnen beteiligen, meint der Hessische Rechnungshof. Nur so könnten die Großbanken das Vertrauen ihrer Kunden zurückgewinnen.

          2 Min.

          Die hessischen Sparkassen müssen mehr Geld an die Kommunen ausschütten, sie besser über ihre Geschäfte informieren und die Vergütung ihrer Vorstände überprüfen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Hessischen Rechnungshofes, die dessen Präsident Walter Wallmann gestern in Wiesbaden vorgestellt hat.

          Ewald Hetrodt
          (htr.), Rhein-Main-Zeitung

          Die Sparkassen hätten die Finanzkrise gut überstanden und stünden solide da, sagte Wallmann. Die Eigenkapitalquote sei mehr als doppelt so hoch, wie die Regeln es verlangten. Die Überschüsse seien zwischen den Jahren 2009 und 2016 um ein Viertel auf rund 184 Millionen Euro gestiegen. Allerdings rechneten sich viele Institute künstlich arm, indem sie einen großen Teil ihrer Erträge in Stiftungen verlagerten. Während sich das Kapital dort um 50 Prozent erhöht habe, seien die Ausschüttungen in etwa gleich geblieben.

          Angemessen beteiligt werden

          Es sei ehrenwert, wenn die Sparkassenstiftungen hier tausend Euro für einen Sportverein und dort eine ähnliche Summe für ein Bürgerhaus spendeten, äußerte Wallmann weiter. Doch das Geld in den Stiftungen bringe angesichts der niedrigen Zinsen keine Erträge und stehe für die Geschäfte der Institute nicht mehr zur Verfügung. Die gespendeten Summen dienten nur dem Image der Sparkasse oder des Bürgermeisters, der die Schecks überreiche. Dabei herrsche in vielen Städten und Gemeinden eine Mangelverwaltung.

          Darum müssten die Kommunen stärker darauf dringen, an den Jahresüberschüssen angemessen beteiligt zu werden – schließlich hafteten sie für ihre Institute. Nur 13 der 32 hessischen Sparkassen beteiligten ihre Träger an ihren Gewinnen. Bei der Nassauischen Sparkasse (Naspa) seien Abführungen in der Satzung gar nicht vorgesehen. Zu den Trägern zählen aber nicht nur die wohlhabende Landeshauptstadt, sondern etwa auch der Rheingau-Taunus-Kreis, der jeden Cent braucht. Großzügig sei die Naspa hingegen zu ihren drei Vorstandsmitgliedern: Sie bekamen 2017 insgesamt Bezüge von 1,57 Millionen Euro. Die 27 Mitglieder des Verwaltungsrates, die sechs Mal tagten, erhielten dafür zusammen 150.000 Euro.

          Zu den Trägern, die leer ausgehen, zählen auch Offenbach sowie die Kreise Limburg, Main-Kinzig, Main-Taunus, Wetterau und Vogelsberg. Die Gesamtzahl der Vorstandsmitglieder hat sich im Lauf der zurückliegenden Jahre leicht auf 81 reduziert, dafür stiegen die Gesamtaufwendungen deutlich. Die monatliche Vergütung beläuft sich im Durchschnitt auf rund 24.000 Euro. „So viel verdient die Bundeskanzlerin“, hielt Wallmann fest.

          Der Präsident des Rechnungshofes erinnerte daran, dass die privaten Großbanken in den vergangenen Jahren viel Vertrauen ihrer Kunden verspielt hätten. Umso wichtiger sei es, dass die öffentlichen Vergütungen „angemessen“ seien. Laut Wallmann verstoßen sieben der hessischen Sparkassen gegen das Gesetz, indem sie nur die Gesamtbezüge ihres Vorstands veröffentlichten, nicht aber die Einzelbeträge und die erfolgsabhängigen Anteile der Vergütung.

          Weitere Themen

          Licht am Ende des Tunnels

          Heute in Rhein-Main : Licht am Ende des Tunnels

          In einigen hessischen Kreisen wird die Notbremse gelöst. Das Gros des Kirchentags findet digital statt. Unternehmer zeigen sich optimistisch. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Schulen öffnen am Tag vor Himmelfahrt

          In Frankfurt : Schulen öffnen am Tag vor Himmelfahrt

          Am Mittwoch kehren viele Frankfurter Schüler nach fast fünf Monaten in die Klassenzimmer und in den Wechselunterricht zurück – andere sind dafür jetzt öfter zu Hause.

          Topmeldungen

          Neue Nummer drei: Elise Stefanik im Januar 2020 nach Trumps Freispruch im Weißen Haus.

          Machtkampf der Republikaner : Aufstieg einer glühenden Trumpistin

          Die vergangenen Tage haben eindrücklich gezeigt: Auch nach der Wahlniederlage hat Donald Trump die Fraktion der Republikaner unter Kontrolle. Sein neuester Coup ist die Beförderung von Elise Stefanik.

          Nahost-Konflikt : Hamas feuern Raketen auf Jerusalem

          Gegen 18 Uhr Ortszeit wurden aus Gaza-Stadt Dutzende Raketen in Richtung Jerusalem abgefeuert – ein Zivilist wurde verletzt. Auf dem Tempelberg ist ein weithin sichtbares Feuer ausgebrochen.
          Cybergangster kommen nicht durchs Tor: Tankanlagen an einer Abzweigung im Pipeline-System von Colonial im Bundesstaat Alabama

          Hackerangriff auf Pipeline : Lösegeld für das schwarze Gold

          Eine Cyberattacke in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt den Transport von Öl. Sollten die Folgen anhalten, könnten auch hierzulande Öl und Benzin nochmal teurer werden.
          Hat gut lachen: Hamburgs Interimstrainer Horst Hrubesch (rechts) klatscht mit HSV-Spieler Moritz Heyer ab.

          5:2 gegen Nürnberg : Mit Hrubesch läuft es beim HSV

          Mit Interimstrainer Horst Hrubesch siegt Hamburg gegen Nürnberg deutlich. Damit wahrt der HSV eine kleine Chance auf den Aufstieg. Doch auch Konkurrent Kiel holt gegen Hannover drei Punkte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.