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Datacenter-Betreiber Equinix : „EEG-Umlage wirkt wie eine Straßensperre“

Missverstanden: Donald Badoux wünscht sich für seine Branche mehr Aufmerksamkeit aus der Politik. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Rechenzentrums-Branche wächst in Frankfurt stetig. Donald Badoux vom Branchenriesen Equinix verrät, wie Behörden ein noch größeres Wachstum vereiteln und was Frankfurt von Amsterdam lernen kann.

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          Ihre Branche ist für viele Menschen nicht richtig greifbar, wächst aber in Frankfurt ohne Unterlass und investiert Hunderte Millionen Euro. Weshalb sind die Rechenzentren, die von spezialisierten Firmen wie Equinix betrieben werden, so wichtig für Rhein-Main?

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Da ist zum einen der Mittelstand zu nennen. Viele Mittelständler in der Region bauen gerade eine digitale Strategie für ihre Betriebe auf oder verwirklichen sie. Dabei geht es um Software-Anwendungen, Schnelligkeit und die Güte von Online-Verbindungen, aber auch um Industrie 4.0, also das Internet der Dinge. Das alles muss leben, dafür braucht es Data Center. Mittelständler schauen sich Cloud Computing an, also etwa Software aus der Steckdose. Die Cloud-Anbieter wiederum stellen ihre Hochleistungsrechner, die Daten anderer Firmen speichern und verarbeiten, eben in Rechenzentren auf. In solchen Gebäuden sind auch viele Telekom-Konzerne vertreten, die Internetverbindungen zur Verfügung stellen.

          Welche Rolle spielt der Frankfurter De-Cix, der größte Internetknoten der Welt, an den Hunderte von Netzen angeschlossen sind?

          Das ist ein großer Vorteil für uns. De-Cix- Rechner stehen in mehreren Rechenzentren, unter anderem bei Equinix. Deshalb sind Data-Center, die sich um stetige Stromzufuhr, die Kühlung der Rechner sowie die Sicherheit von Computern und Daten kümmern, eine wichtige Komponente in der modernen Wertschöpfungskette.

          In der Vergangenheit hieß es stets, die Branche in Frankfurt wachse jährlich um zehn Prozent des Umsatzes. Stimmt das noch?

          Das war jahrelang so, ja. Da konnte man eine schön ansteigende Wachstumskurve malen. Doch das hat sich mittlerweile geändert. Das Wachstum explodiert regelrecht, wir legen exponentiell zu.

          Weshalb geht es nun so steil nach oben?

          Das hat mit den Cloud-Anbietern zu tun und auch mit dem Datenschutz. Viele Mittelständler öffnen sich nicht nur den Cloud-Anbietern, ihnen ist auch wichtig, dass ihre Daten in Deutschland betreut werden und nicht irgendwo anders. Diese Unternehmer möchten ein Rechenzentrum anschauen und anfassen, bevor sie sich entscheiden, dort ihre Daten verarbeiten und speichern zu lassen, statt für viel Geld ein eigenes Rechenzentrum zu bauen oder zu modernisieren. Und die Cloud-Anbieter, die den Mittelstand in den Blick nehmen, die kommen nicht mit einem Gestell für Computer, Rack genannt, oder gar einem Rechner, die kommen gleich mit Hunderten Racks. Die brauchen entsprechend Platz.

          Blicken wir nach Amsterdam. Dort befindet sich der weltweit zweitgrößte Internetknoten, der auch Data-Center anzieht. Wächst die digitale Wirtschaft in Amsterdam schneller als in Frankfurt?

          Es war so, dass Amsterdam und auch London bei Cloud-Betreibern gegenüber Frankfurt eine ganze Zeitlang die Nase vorn hatten. Das hat sich aber seit anderthalb Jahren geändert. Seit dieser Zeit wenden sich hierzulande mehr Unternehmen dem Thema Industrie 4.0, den Rechenzentren und der Cloud zu. Mittlerweile legen beide Standorte gleichermaßen zu, wobei uns der De-Cix hilft.

          Wie schlägt sich Frankfurt, wenn es um Verwaltungsvorschriften geht? Unter Netzbetreibern heißt es, wer in Amsterdam neue Glasfasern verlegen wolle, melde das der Stadt und fange an zu graben.

          Das geht hier leider nicht so einfach. Deutschland ist sehr streng reguliert, vielleicht auch überreguliert. Unsere Partner unter den Netzbetreibern, die Glasfasern verlegen wollen, haben schon ihre Herausforderungen, Bauvorhaben genehmigt zu bekommen. Das verzögert es, in Frankfurt und an anderen Orten in Hessen die Digitalisierung voranzutreiben. Auch wir als Rechenzentrums-Betreiber sind davon betroffen. Das Regierungspräsidium Darmstadt kontrolliert uns akribisch. Das ist auch in Ordnung - aber ich glaube, dass die Fachabteilung dort unterbesetzt ist. Wenn eine Person krank oder im Urlaub ist, müssen wir warten.

          Und in Frankfurt?

          Das Gleiche wie für das Regierungspräsidium Darmstadt gilt für die Stadt Frankfurt. Die machen einen guten Job, sind aber zu schwach besetzt. In einer Weltstadt wie Frankfurt würde man etwas anderes erwarten, zumal davon viele Unternehmen betroffen sind. Equinix ist der zweitgrößte Kunde der Mainova und ein wichtiger Infrastrukturanbieter. Dessen ungeachtet muss man sehen, dass viele Unternehmen hier auch in Zukunft auf den Standortvorteil der digitalen Infrastruktur bauen können müssen. Denn nicht nur in Asien tut sich an anderer Stelle viel.

          Was meinen Sie genau?

          Die Beispiele Uber und Airbnb zeigen, dass neue Branchen rasch entstehen und alte Industrien bedroht werden. Ein Mittelständler wie Vorwerk schließt seine Geräte ans Internet an. Wenn wir die dafür nötige Infrastruktur nicht gewährleisten können, bekommen wir ein Problem.

          Wie sieht es mit der Planungssicherheit in Frankfurt aus?

          Wenn wir einen Bauantrag stellen, bekommen wir keine Garantie, bis wann der genehmigt sein wird. Das kann drei, sechs oder zwölf Monate dauern. In einer so schnell und dynamisch wachsenden Branche wie unserer ist das ein großer Nachteil. Amerikanische Cloud-Anbieter schauen auf so etwas sehr genau. Ebenso wie auf die EEG-Umlage.

          Nun soll diese Umlage, mit der Stromkunden den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern, von 6,35 Cent je Kilowattstunde 2017 auf sieben Cent steigen. Was heißt das für Ihre Branche?

          Das wirkt wie eine Straßensperre und wird das Wachstum bremsen. Und wenn Datenschutz vielen Nutzern nicht so wichtig wäre, würden mehr Cloud-Betreiber ihre Rechner anderswo aufstellen, in Amsterdam etwa. Wir haben einen Kunden verloren, der nach Amsterdam gegangen ist, wo Strom halb so teuer ist wie hier. Man muss sehen, dass Strom 30 bis 40 Prozent unserer Kosten ausmacht. Dabei arbeiten wir dauernd an unserer Energieeffizienz und nutzen Grünstrom.

          Hat die Politik Verständnis für die Sorgen der Rechenzentrums-Branche mit Blick auf die EEG-Umlage?

          Die Politik hat absolut überhaupt kein Verständnis für unsere Sorgen. Ich glaube, viele Politiker meinen immer noch, die Rechenzentren seien Energiefresser. Klar, wir brauchen viel Energie, aber noch mal: Wir sind ein wichtiger Teil der Wertschöpfungskette und der Wirtschaft hierzulande und bemühen uns um mehr Energieeffizienz. Und wir liefern Infrastruktur für neue Geschäftsmodelle.

          Die Fragen stellte Thorsten Winter.

          Großer Spieler in der „Soda“-Branche

          Der von Donald Badoux geführte Rechenzentrums-Betreiber Equinix Deutschland in Frankfurt gehört zu einem amerikanischen Konzern. Am Main zählt Equinix zu den Großen der „Soda“-Branche, wie ein früherer Manager des Konkurrenten Interxion den für Außenstehende unmerklichen Wirtschaftszweig einmal genannt hat. Die Rechenzentren sehen sich als Teil der digitalen Infrastruktur, ohne die kaum noch eine Firma auskommt. Badoux ist Chef von 370 Mitarbeitern am Main und sechs über die Stadt verteilten Rechenzentren. Derzeit baut Equinix ein siebtes Data Center und investiert dafür einen Betrag von mehr als 100 Millionen Euro. (thwi.)

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