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Abriss, Neubau und Nostalgie : Erste Küsse im Rebstockbad

Wellen im Grünen: Das Rebstockbad ist auch architektonisch eine Attraktion. Bild: Picture-Alliance

Das größte Bad der Stadt wird abgerissen und neu gebaut. Die Entscheidung über das Rebstockbad ist für viele Stadtverordnete ein Anlass, nostalgisch zu werden.

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          Einstimmige Beschlüsse sind in der Stadtverordnetenversammlung selten. Am Donnerstagabend kam es beinahe dazu: Fast alle Fraktionen votierten für den Neubau des Rebstockbades. Nur die Kleinstfraktion Ökolinx tanzte aus der Reihe und stimmte aus Kostengründen dagegen.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Rebstockbad, mit rund 600.000 Besuchern im Jahr das größte Bad der Stadt, wird also abgerissen und für 86 Millionen Euro als Freizeit- und Erlebnisbad mit einem Sportbecken und einer Saunalandschaft neu aufgebaut. Einen entsprechenden Magistratsvortrag billigten die Stadtverordneten gestern Abend. Zuvor hatte sich schon der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe für diese Variante ausgesprochen. In einer Machbarkeitsstudie waren vorab sieben Varianten geprüft worden. Eine blieb übrig.

          „Das langjährige Flaggschiff“

          Sportdezernent Markus Frank (CDU) bezeichnete das Rebstockbad als „das langjährige Flaggschiff“ unter den städtischen Bädern. Er selbst habe dort einen Teil seiner Jugend verbracht. 35 Jahre nach seinem Bau sei das Bad aber in die Jahre gekommen. Er ordnete das Projekt in das Bäderkonzept der Stadt ein. Wichtiges Element dieses Konzepts sei ein Schwimmsport-Zentrum, in dem der Schwimmunterricht und Wettkämpfe gebündelt werden könnten. Ein solches Zentrum sei aber noch nicht beschlossen, sondern „eine Vision“. Die Stadtverordnete Sybill Meister (CDU) erinnerte daran, dass knapp 60 Prozent der Zehnjährigen Nichtschwimmer seien. Daher sei es wichtig, in die Schwimminfrastruktur zu investieren.

          Viele Stadtverordnete verbinden persönliche Erinnerungen mit dem Rebstockbad. Taylan Burcu (Die Grünen) verriet gar, dass er seinen ersten Kuss im Rebstockbad bekam. „Ich hoffe, dass viele Frankfurter Kinder im neuen Bad schwimmen lernen, Spaß haben und schöne Erinnerungen sammeln können, wie ich sie habe.“

          Nichtschwimmer für Neubau

          Michael Bross (FDP) outete sich als Nichtschwimmer, ist aber trotzdem für den Neubau. Allerdings sollten seiner Ansicht nach private Bauherren mit dem Projekt beauftragt werden, um der Stadt Kosten zu sparen. Jan Klingelhöfer (SPD) erhofft sich von dem Neubau „ein modernes Erlebnisbad auf Spitzenniveau zu sozialverträglichen Preisen“. Jedes Kind in der Stadt müsse die Möglichkeit haben, schwimmen zu lernen, sei es in der Schule oder im Verein.

          Dem gebürtigen Bayern Michael Müller (Die Linke) ist jeglicher Pathos hinsichtlich der Bäderbetriebe fremd. „Ich habe das Schwimmen in den bayerischen Seen erlernt.“ Müller findet, dass die Eintrittspreise für Schwimmbäder in Frankfurt zu hoch seien. „Für viele Frankfurter ist es zu teuer, hier zu schwimmen.“ Das Schwimmsport-Zentrum sei aber eine gute Idee.

          „Völlig daneben“

          Manfred Zieran (Ökolinx) findet das Vorhaben „völlig daneben“. Die Stadt spare an vielen sozialen Maßnahmen. „Aber hier wird das Geld mit vollen Händen ausgegeben.“ Die Situation würde durch den Neubau auch nicht verbessert. Wichtiger seien mehr Schwimmbäder in den Stadtteilen.

          Der Ortsbeirat will, dass die Stadt über ihre Gesellschaft Bäderbetriebe selbst das neue Rebstockbad baut. Die Abstimmung mit einem privaten Investor sei „sicher nicht immer einfach“, heißt es in einem Antrag, den die Stadtverordneten mehrheitlich mit dem Vermerk „prüfen und berichten“ belegten. Würde ein privater Bauherr beauftragt, erhöhe dies die Komplexität des Projektes. Dies führe erfahrungsgemäß zu ungeplanten Mehrkosten. Außerdem befürchtet der Ortsbeirat, dass es bei der späteren Nutzung des Bades Konflikte zwischen privater und öffentlicher Nutzung geben könnte.

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