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Wohnviertel „Josefstadt“ : Fremder Grund und Boden

Der Blick von Steinbach auf das geplante neue Frankfurter Wohnviertel „Josefstadt“ beidseits der Autobahn 5. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Entwürfe für den neuen Frankfurter Stadtteil stoßen in Oberursel und Steinbach auf wenig Gegenliebe. Von vergifteten Geschenken, Schreckgespenstern und charmanten Gedankenspielen ist die Rede.

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          Viele Freunde haben die Frankfurter Vorschläge für einen neuen Stadtteil an der A5 auch mit dem vorige Woche vorgestellten städtebaulichen Siegerentwurf nicht. Zumindest im Nordwesten der Verkehrsader. Am Sonntag und Montag haben sich die Oberurseler Bürgermeisterkandidaten Carsten Trumpp (CDU) und Christof Fink (Die Grünen) mit dem Sprecher der „Initiative Heimatboden – Feld statt Beton“, Karl-Josef Rühl, getroffen. Beide lehnen das Vorhaben ab. Er werde an der Seite der Initiative kämpfen, so Trumpp, denn die geplante Dichte der Bebauung auf der anderen Seite der A5 sei übertrieben. Als Bürgermeister werde er eine breite Mehrheit in den regionalen Gremien gegen das Vorhaben organisieren, versprach der CDU-Kandidat. Dort habe der Landtagsabgeordnete Jürgen Banzer schon viel erreicht, ergänzte der Oberurseler Fraktionsvorsitzende Jens Uhlig.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Grünen-Kandidat Fink hat als Erster Stadtrat und Mitglied der Regionalversammlung schon jetzt in offizieller Funktion mit dem Thema zu tun. Der aktuelle Entwurf sei zwar zurückhaltender als die ersten Überlegungen. Ein spürbarer Eingriff in den regionalen Grünzug und die landwirtschaftliche Fläche der Region bleibe er trotzdem. Der Vorschlag des Stadtteils „Steinbach Ost“ zeige, wie wenig man in Frankfurt den Menschen der Region angesichts der Demonstrationen, Bürgerinitiativen und klaren Beschlüsse von Stadtparlamenten, Kreistag und Regionalversammlung zuhöre. Das Angebot einer Verlängerung der U-Bahn-Linie7 ist für Fink ein „vergiftetes Geschenk“. Diesen für den Vordertaunus sinnvollen Ausbau des Schienennetzes an den Bau eines Frankfurter Stadtteils vor den Toren von Steinbach und Oberursel-Weißkirchen zu knüpfen, zeuge von „geringem Bewusstsein in Frankfurt für regionale Herausforderungen“.

          „Schreckgespenst eines Frankfurter Stadtteils“

          In Steinbach ist die Ablehnung einhellig (F.A.Z. vom Samstag). Anders als der Oberurseler Fink gesteht der Steinbacher SPD-Vorsitzende Moritz Kletzka dem Frankfurter Planungsdezernenten Mike Josef (SPD) immerhin zu, Lösungen mit der Region zu suchen. Der Vorschlag „Steinbach Ost“ weiche deutlich von den Schreckensbildern ab, die in der Vergangenheit gezeichnet worden seien. Kletzka macht einen Vorschlag: Steinbach solle Verhandlungen darüber beginnen, ob Frankfurt seine Gebiete östlich von Steinbach an die Stadt Steinbach oder den Hochtaunuskreis abtrete. Dann könnten die hiesigen Bürger selbst entscheiden, was dort geschehen solle, und es werde nicht alle fünf Minuten das „Schreckgespenst eines Frankfurter Stadtteils an die Wand gemalt“.

          Damit spricht Kletzka eine Besonderheit Steinbachs an, das die kleinste Fläche einer Stadt in Hessen aufweist. Die 4,4 Quadratkilometer Gemarkung reichen nicht einmal bis zur Autobahn, sondern nur bis zu den Schienen der S-Bahn-Linie5. Weshalb Frankfurt überhaupt den neuen Stadtteil „Steinbach Ost“ vorschlagen konnte – er wäre eigentlich eine Insel im äußersten Frankfurter Nordwesten. Weshalb der Steinbacher Bürgermeister Steffen Bonk (CDU) den Vorschlag der SPD für ein charmantes Gedankenspiel, ansonsten aber für unrealistisch hält: „Warum sollte Frankfurt das tun?“

          Die übliche Form des Gebietsgewinns, ein Flächentausch, komme bei der winzigen eigenen Gemarkung nicht in Frage. Und eine Verpflichtung zur dichten Bebauung als Gegenleistung lehnten die Steinbacher ab. „Außerdem stellt sich die Frage, wer in diesem Fall die U-Bahn-Verlängerung zahlt“, gibt Bonk zu bedenken. Gehöre die Fläche zu Steinbach und nicht mehr zu Frankfurt, sei die Stadt in der Pflicht.

          Ein Teil des Steinbacher Südens ist zwar im Regionalen Flächennutzungsplan für Wohnbebauung ausgewiesen. In den vergangenen Jahren hat sich die Stadt mit den Baugebieten Taubenzehnter und Obstgarten aber eher Richtung Eschborn entwickelt. „Wir wachsen nach unseren eigenen Vorstellungen und unserem Zeitplan“, sagt Bonk, der dabei auf die Initiative „Großer Frankfurter Bogen“ setzt. „Wir verweigern uns dem Wohnungsbau als regionaler Aufgabe nicht.“ Was den Frankfurter Stadtteil angeht, ist er auf das Ergebnis der Kommunalwahl gespannt. Nicht für Steinbach: „Die Haltung der Fraktionen wird sich nicht ändern.“ Aber im Römer müsse sich erst einmal eine neue Mehrheit dafür finden.

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