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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Razzia in Hessen : Clan-Kriminalität nicht kleinreden

Es braucht starke Zeichen: Die Polizei geht gegen einen deutsch-rumänischen Clan vor. Bild: dpa

Der Schlag gegen den deutsch-rumänischen Clan zeigt endlich ein Stück der Realität. Zuvor war der Begriff „Clan“ zu Unrecht tabuisiert worden. Nun muss die Polizei eine Bestandsaufnahme leisten.

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          Vor einiger Zeit hieß es noch, Clan-Kriminalität in Hessen gebe es nicht. Das Wort „Clan“ wurde im öffentlichen Sprachgebrauch der Polizeibehörden so sehr tabuisiert, dass oft verdruckst von „bandenmäßiger Kriminalität“ die Rede war, wenn schon längst familiäre Strukturen dahintersteckten. Dabei wusste jeder, der sich intensiver mit der organisierten Kriminalität im Rhein-Main-Gebiet befasst, dass Clans auch in Hessen aktiv sind. Warum sollte es etwa in Frankfurt, wo Millionen Euro mit Rauschgift, Menschenhandel und Betrugsdelikten erzielt werden, anders sein als in Bremen, Duisburg oder Essen?

          Der Schlag gegen den deutsch-rumänischen Clan, den die hessische Generalstaatsanwaltschaft mit Akribie vorbereitet und nun mithilfe von Polizei und Steuerfahndung umgesetzt hat, zeigt deshalb, wenn man so will, endlich ein Stück der Realität. Es ist zugleich der zweite größere Fall, der seit Anfang des Jahres im Rhein-Main-Gebiet bekannt geworden ist. Im Allerheiligenviertel sind die Auswüchse dessen, was lange als „Bandenkriminalität“ abgetan wurde, seit Anfang des Jahres massiv zu sehen. Im Verteilungskampf um Rauschgift kam es zu zwei Schießereien unter Beteiligung eines türkisch dominierten Clans. Im nun bekannt gewordenen Fall von Fahrzeug-Betrug, an dem sich mehrere miteinander verwobene deutsch-rumänische Familienverbände beteiligt haben, standen keine Gewaltdelikte im Vordergrund, aber ein Schaden in Millionenhöhe. Geld, das direkt in die Taschen der Verdächtigen geflossen ist.

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