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Razzia bei der Awo : Warum erst jetzt?

Rund sechs Monate nach der Anzeige: Razzia bei der Awo-Frankfurt Bild: dpa

Ein halbes Jahr ist es her, dass eine Anzeige die Staatsanwaltschaft über die mutmaßlichen Machenschaften der Awo-Führung in Frankfurt und Wiesbaden informierte. Erst jetzt erfolgte eine Durchsuchung.

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          Mitte Juni vergangenen Jahres ging eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft ein. Der anonyme Verfasser beschrieb, wie die Führungen der Awo-Kreisverbände Frankfurt und Wiesbaden sich auf Kosten des Verbands und der öffentlichen Hand bereichert haben sollen. Der Insider wies nicht nur auf völlig überhöhte Jahresgehälter von teils mehr als 300.000 Euro und Luxusreisen hin, sondern schilderte detailliert ein offenbar über viele Jahre aufgebautes System von Patronage, Veruntreuung und Bestechung.

          Seither sind etliche Dokumente, die solche Vorwürfe erhärten, in Umlauf gekommen, die Medien berichten seit Monaten darüber. Warum hat es mehr als ein halbes Jahr von der Anzeige bis zur Durchsuchung von Geschäftsräumen und Wohnungen der Beschuldigten gedauert? Die Sorge, dass zwischenzeitlich Beweismaterial vernichtet wurde, ist berechtigt.

          Späte Reaktion

          Die Staatsanwaltschaft sagt zutreffend, dass eine solche konzertierte, länderübergreifende Aktion gut vorbereitet werden müsse. Aber ein halbes Jahr lang? Die Staatsanwaltschaft gibt sich überdies sicher, dass alle Akten aufgrund digitalisierter Geschäftsvorgänge immer noch verfügbar und selbst im Falle einer Löschung wiederherzustellen seien. Dazu muss man sagen, dass in der Awo-Führung keine Amateure am Werk waren. Ein halbes Jahr dürfte ausreichen, um auch Computerdateien unwiderruflich zu vernichten.

          Die Stadt Frankfurt muss sich fragen lassen, ob sie nicht früher selbst hätte Anzeige erstatten und den Druck auf die Ermittler damit erhöhen können. Denn eine zügige Aufklärung ist nicht zuletzt im Interesse der Awo selbst. Die Ehrenamtlichen an der Basis und die einfachen Mitarbeiter wollen wissen, was an den Vorwürfen gegen die Funktionärselite dran ist. Und sie wollen einen Neuanfang, der ihren Verband und ihre Arbeitsplätze in eine sichere Zukunft führt.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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