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Ray Barracks in Friedberg : Ein grünes Stadtquartier der kurzen Wege

Entwicklungsfähig: das ehemalige Friedberger Kasernengelände von oben gesehen Bild: Axel Häsler

Wo einst Elvis Presley als Soldat diente, plant die Kreisstadt Friedberg nun ein neues Stadtquartier. Anregungen holen sich die Stadtpolitiker in Gießen und Frankfurt.

          3 Min.

          Am 10. Januar jährt sich der Tag der Schließung der Ray Barracks in Friedberg zum fünfzehnten Mal. Schon am 28. September 2007 hatte sich die amerikanische Armee feierlich von dem Stützpunkt in der Wetterau verabschiedet. Zuletzt arbeitete dort eine Telekommunikationseinheit. Seit dem Abzug der Funker und der Rückgabe dieser annähernd 100 Fußballfelder messenden Liegenschaft an die Bundesrepublik harrt das Gelände seines Umbaus. Nun zeichnen sich Umrisse der künftigen Gestalt dieser Konversionsfläche ab. Am Donnerstagabend soll die Stadtverordnetenversammlung den städtebaulichen Vorgaben zustimmen.

          Thorsten Winter
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Die Vorlage für die Stadtverordneten aus dem Amt für Stadtentwicklung führt eine Reihe von Eckdaten auf, dazu zählen auch und gerade die geplanten Wohnbauflächen sowie ein Quartierszentrum mit Café und Platz für kirchliche und andere Angebote. Parkanlagen und Flächen für den Naturschutz nicht zu vergessen. Das neue Stadtquartier soll autoarm sein und über Fuß- und Radwegenetze verfügen. Die Stadt plant nicht zuletzt einen sorgsamen Einsatz von Energie. Zu diesem Zweck sollen die Stadtwerke, der Energieversorger OVAG und die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) die Einzelheiten planen.

          65 Hektar Bruttobauland

          Dabei müssen sie nicht bei Null anfangen: Wie Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) im Ausschuss für Stadtentwicklung sagte, wird eine Friedberger Gruppe im Frühjahr nach Gießen fahren und sich ein dort laufendes Projekt ansehen. In der Stadt an der Lahn erprobt die auch in Friedberg ansässige THM mit mehreren Partnern wie den Stadtwerken Gießen, wie ein neues Stadtquartier energieeffizient gestaltet werden kann. Dies lässt sich im einstigen Motorpool der US-Army anschauen. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt mit vier Millionen Euro dieses auf vier Jahre angelegte Vorhaben. Für das Quartierszentrum soll das in der früheren Atterberry-Kaserne in Frankfurt aufgebaute Pendant als Vorbild dienen, wie Antkowiak erläuterte.

          Die früheren Ray Barracks umfassen 74 Hektar. 65 Hektar davon gelten als Bruttobauland. Allerdings wird nicht die gesamte Fläche bebaut. Ein Zehntel bleibt Grünzügen und Parkanlagen vorbehalten, die Rede ist von 64.760 Quadratmetern. Fast so viel Gelände sehen die Friedberger Stadtplaner für den Natur- und Artenschutz vor. Fast 136.000 Quadratmeter sollen demnach auf Straßen und Parkplätze sowie Rückhalteanlagen entfallen, in denen Regen aufgefangen wird. Die geplanten Flächen für sogenannten Gemeinbedarf wie das Quartierszentrum werden halb so viel Raum einnehmen wie die Gebiete für Natur- und Artenschutz. Das Zentrum soll die Elvis-Presley-Baracke einschließen; der Musiker diente dort als einfacher Soldat, wobei er aber in Bad Nauheim wohnte. Für Wohnbauten stehen alles in allem etwas mehr als 21 Hektar in der Vorlage.

          Leitlinie „bezahlbares Wohnen“

          Die Planer der Stadt haben auch schon Ideen für den grundsätzlichen Zuschnitt der Wohnhäuser: Für Einfamilien- sowie Doppel- und Reihenhäuser sehen sie ein Fünftel der Flächen vor – und zwar insgesamt. Auf vier Fünfteln sollen Bauten mit bis zu drei Geschossen plus Staffelgeschoss entstehen. Von einem Staffelgeschoss sprechen Fachleute, wenn die Grundfläche des obersten Geschosses eines Hauses kleiner ist als die des Geschosses darunter. Mit diesen Kennziffern geben sie auch die allgemeine Richtung vor. Demnach lautet für zwei Drittel die Leitlinie „bezahlbares Wohnen“. 40 Prozent der Häuser sollen Mietwohnungen enthalten und ein Fünftel wird für Sozialwohnungen reserviert. Die übrigen 40 Prozent laufen unter „Wohnungen freier Markt“.

          Die Vorlage des Amts sah ursprünglich unter Sozialer Wohnungsbau auch Einheiten für Wohnungen des Bundes vor, in die etwa Angehörige des Zolls und Krankenpflegepersonal einziehen sollten. Dieser Zusatz ist aber im Ausschuss für Stadtentwicklung gestrichen worden. Aus der Fraktion der Linkspartei kam die Kritik, die Flächen für Sozialwohnungen seien zu klein bemessen, zumal Areale für Bundeswohnungen enthalten seien.

          Etwas mehr Fläche als für Straßen, Parkräume und Rückhaltebecken ist für Gewerbebetriebe vorgesehen. Die Stadt plant bisher mit 147 650 Quadratmetern für diesen Zweck. Zum Gewerbe gehören nach ihrer Lesart auch Supermärkte und andere Händler sowie Dienstleister.

          Elvis-Presley-Museum

          Zu den Leitbildern für das neue Stadtquartier gehört eine dichte Bebauung, die einen sparsamen Verbrauch von Gelände bedingt. Die Planer der Stadt zielen demnach auf ein lebendiges Viertel der kurzen Wege, in dem sich eine Art der Nutzung nicht von einer anderen künstlich abgrenzt. Da passt, dass die Stadt dort Dienste ihres Standesamts („Trauort“) anbieten will, der Wetteraukreis eine Grundschule errichten lassen wird und die Feuerwehr an Ort und Stelle Gebäude beziehen soll. Die zunächst für sie vorgesehenen Bauten wird allerdings der Kreis übernehmen – und zwar als Flüchtlingsheime. Dies haben Stadt und Kreis in der vergangenen Woche bekannt gegeben. Die Feuerwehr komme in unweit gelegenen Häusern unter, heißt es. Zudem hat sich der Wetteraukreis 20.000 Quadratmeter für einen Verwaltungsbau reserviert, das entspricht der für die Feuerwehr geplanten Fläche. Und weitere 8000 Quadratmeter sind für das Technische Hilfswerk reserviert.

          Geht es nach der Stadt, wird das neue Quartier über Friedberg hinaus strahlen. Ein Elvis-Museum soll dabei helfen.

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