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Raumnot zum Wintersemester : Zum Uni-Seminar zurück ins Klassenzimmer

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Schon vor Semesterbeginn gut besucht: die neue Bibliothek der Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften auf dem Westend-Campus der Uni Frankfurt. Bild: Fricke, Helmut

Mit Beginn des Wintersemesters melden die hessischen Hochschulen wieder Rekord-Studentenzahlen. Die Raumnot macht erfinderisch.

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          Die Rhein-Main-Hallen und das Kurhaus in Wiesbaden könnten in den nächsten Wochen zu einer Dependance der Hochschule Rhein-Main werden. Weil die Fachhochschule zum beginnenden Wintersemester mit mehr als 3100 Anfängern so viele neue Studenten zählt wie noch nie, mietete sie in den beiden Veranstaltungszentren Räume. Wie ihr Sprecher sagte, wird Platz für ungefähr 400 Leute benötigt. Deshalb sei vertraglich vereinbart worden, dass zum Beispiel zwei Säle in den Rhein-Main-Hallen oder einer in den Kurhaus-Kolonnaden genutzt werden könnten.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch andernorts in Hessen verfallen Hochschulen auf unkonventionelle Lösungen, um des Andrangs Herr zu werden. Der Universität Kassel mit ihren gut 22700 Studenten dienen wieder die Martinskirche, die Auferstehungskirche und zwei Kinos als Hörsäle; die Uni Marburg will, wenn nötig, einzelne Veranstaltungen am Spätnachmittag in die Klassenzimmer von Gymnasien verlegen. Die Fachhochschule Frankfurt ist schon seit langem Mieterin in einem Bürohochhaus direkt neben dem Campus. In diesem Jahr wurden dort laut einer Sprecherin drei weitere Etagen bezogen, so dass die FH mittlerweile sieben Stockwerke belegt. Insgesamt zählt sie nun 11500 Studenten – wieder einmal ein Rekord. Auf den Beginn der „Campusbebauung II“, der zweiten Stufe eines Sanierungs- und Neubauprogramms, wartet die Fachhochschule schon seit Jahren. Der Antrag sei gestellt, die Unterlagen befänden sich beim Wissenschafts- und beim Finanzministerium, sagt die FH-Sprecherin. „Wir hoffen, dass die Bauarbeiten 2015 oder 2016 beginnen können.“

          Studentenzahl in Darmstadt ebenfalls auf Rekordkurs

          Schon im Januar nächsten Jahres soll auf dem Westend-Campus der Frankfurter Universität ein Seminarpavillon zur Verfügung stehen, der in zwölf Räumen etwa 800Lernenden Platz bieten wird. Zwischen 44500 und 45000Studierende werden in diesem Wintersemester an Hessens größter Hochschule eingeschrieben sein; 8500 davon sind im ersten Semester. Angesichts dieser „erneut historisch hohen“ Zahlen sei es nicht auszuschließen, „dass es gerade in den ersten Wochen zu Engpässen in der Mensa oder Hörsälen kommt“, glaubt Universitäts-Vizepräsidentin Tanja Brühl. Man habe aber auch noch nie so viel dafür getan wie dieses Mal, um möglichst vielen einen guten Semesterstart zu ermöglichen. So werden laut Universität unter anderem 40 neue Lehrende eingestellt. 100 weitere Mensaplätze für 400 bis 500 zusätzliche Essen täglich würden geschaffen, und die Mensa-Öffnungszeiten würden um eine Stunde verlängert.

          Ebenfalls auf Rekordkurs sind die Studentenzahlen in Darmstadt. Die Technische Universität rechnet mit 25000 bis 26000 Immatrikulierten, die Hochschule Darmstadt meldete bereits mehr als 13500. Nach Worten des TU-Sprechers haben sich zwar mehr Frauen und Männer eingeschrieben als im vergangenen Jahr, die Zahl der Bewerbungen ging aber zurück. Offenbar versuchten Abiturienten nicht mehr bei so vielen Hochschulen gleichzeitig ihr Glück wie früher. Für die rund 6000Anfänger ist die Universität nach Ansicht des Sprechers „gut gerüstet“. Mit der nun erwarteten Gesamt-Studentenzahl werde die Kapazität der TU ausgeschöpft; allerdings sei der Höchststand damit vermutlich auch erreicht. „Wir gehen von einem langsamen Rückgang in den nächsten Jahren aus.“

          Keine Chaos-Szenarien entworfen

          Abermals „jenseits der Kapazitätsgrenze“, wenn auch auf diese Situation „gut vorbereitet“ sieht der Gießener Uni-Präsident Joybrato Mukherjee seine Hochschule. An ihr werden im Wintersemester rund 26500Studenten eingeschrieben sein, so viele wie noch nie zuvor. Gießen ist damit Hessens zweitgrößte Universität. Nicht viel weniger Studierende, nämlich etwa 25000, zählt die benachbarte Uni Marburg. Allein die Zahl der Anfänger ist dort, verglichen mit dem Wintersemester vor einem Jahr, um etwa 14 Prozent gestiegen. Größte Fachhochschule des Landes bleibt die Technische Hochschule Mittelhessen mit Standorten in Gießen und Friedberg; dort lernen in diesem Semester insgesamt gut 14500 Studenten.

          Bei aller Anspannung angesichts dieser hohen Zahlen will in den Hochschulen so gut wie niemand Chaos-Szenarien entwerfen – auch wenn kritisiert wird, dass die Prognosen der Kultusministerkonferenz durchweg zu niedrig ausgefallen seien. Da sich in Hessen der Andrang infolge der G-8-Gymnasialreform auf drei Jahre verteile, sei die Lage nicht so dramatisch wie in anderen Bundesländern, meint der Sprecher der Uni Frankfurt. Vielleicht habe daran aber auch die zum Teil dramatisierende Berichterstattung in den Medien ihren Anteil: „Womöglich überlegt sich da der eine oder andere, ob er den Studienbeginn verschiebt und beispielsweise erst einmal ein Jahr ins Ausland geht.“

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