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Raubkunst : 300 Bilder zweifelhafter Herkunft

Wie kam ein Stillleben des Malers Justus Juncker 1935 ins Historische Museum, und warum musste Mario Uzielli damals seine Kunsthandlung liquidieren? Die Kunstdetektivin Maike Brüggen forscht nach der Herkunft von Gemälden, die in der Nazizeit ins Haus gelangten.

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          Etwa 400 Gemälde sind zwischen 1933 und 1945 neu in den Besitz des Historischen Museums, das damals noch Stadtgeschichtliches Museum hieß, gekommen. 100 davon sind im Bombenkrieg verbrannt oder wurden verschüttet beziehungsweise kamen in den Kriegswirren abhanden. Auf den verbliebenen 300 liegt ein Verdacht: Es könnte sich bei ihnen um sogenannte Raubkunst handeln.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bilder, die während der Nazizeit in ein Museum gelangten, haben nämlich häufig keinen einwandfreien „Lebenslauf“. Manchmal sind sie „nichtarischen“ oder politisch verfolgten Vorbesitzern abgepresst worden, zuweilen wurden sie aus Privatsammlungen einfach geraubt, nicht selten sind sie von jüdischen Sammlern, die dringend Geld für ihre Flucht ins rettende Ausland brauchten, weit unter Wert verkauft worden.

          Einkäufe ungenau protokolliert

          Die Kunsthistorikerin Maike Brüggen ist der Herkunft besagter 300 Gemälde des Historischen Museums, die unter Raubkunst-Verdacht stehen, auf der Spur. Das Handwerkszeug der Kunstdetektivin, deren offizielle Berufsbezeichnung Provenienzforscherin ist, sind Akten, alte Adressbücher oder Materialien aus dem Hessischen Hauptstaatsarchiv über Entschädigungsverfahren nach dem Krieg. Der Lebenslauf vieler Bilder, so musste sie schnell feststellen, ist schlecht dokumentiert. „Es fehlt einfach vieles“, beschreibt Brüggen die Aktenlage.

          Zum Glück blieb das Zugangsbuch des Historischen Museums erhalten. In ihm ist verzeichnet, welche Bilder und Objekte wann, von wem und unter welchen Bedingungen ins Haus gekommen sind. Vielmehr: Diese Daten sollten eigentlich in dem Buch stehen. Doch die Angaben sind häufig ungenau. Zum Beispiel jene über das Gemälde „Speisestillleben mit Flasche“ des Justus Juncker, eines Frankfurter Malers, den Goethe als Kind gerne in dessen Atelier aufgesucht hat. Es ist laut Zugangsbuch 1935 ins Historische Museum gekommen, abgekauft einem Frankfurter Kunsthändler namens Mario Uzielli.

          Spekulationen über Uzieli

          Über diesen Mario Uzielli hat die Kunstdetektivin Brüggen in Erfahrung gebracht, dass er von den Behörden als „Halbjude“ eingestuft wurde. Er betrieb an der Schillerstraße eine Kunsthandlung mit Antiquariat, die er 1935 innerhalb von vier Wochen liquidieren musste, nachdem er aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen worden war und deswegen seinen Beruf als Kunsthändler nicht mehr ausüben durfte. Er besitze nicht die erforderliche Eignung und Zuverlässigkeit, um an der Förderung deutscher Kultur mitzuwirken, hatte die Reichskulturkammer beschieden. Uzielli emigrierte mit seiner Frau und seinen zwei Kindern Anfang 1936 in die Schweiz, wo er den Holocaust überlebte. Die deutschen Behörden entzogen ihm die Staatsangehörigkeit.

          Seine Verfolgung durch das Regime fordert unweigerlich zu Spekulationen über das Juncker-Bild aus seinem Besitz heraus. War der Kunsthändler zu einem Verkauf unter Wert gezwungen, weil er unverzüglich Geld für die Begleichung der „Reichsfluchtsteuer“ und anderer den Juden auferlegten Zwangsabgaben brauchte? Über den Verkaufspreis sagen die im Historischen Museum vorhandenen Dokumente freilich nichts. Sie geben auch nicht an, ob Uzielli womöglich das Bild selbst zu einem Spottpreis gekauft hat, zum Beispiel von einem der jüdischen Sammler in Frankfurt, die vermutlich alle wegen der nationalsozialistischen Repressionen unter Druck standen und wegen des Überangebots an Bildern aus bedrohten Sammlungen häufig viel zu billig verkaufen mussten.

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