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Attentat von Hanau : Rassistische Anzeigen des Vaters von Tobias R.?

Demonstration gegen das Vergessen: Die Taten von Hanau kamen nicht aus dem Nichts. Bild: Lando Hass

Laut einem Medienbericht äußert sich der Vater des Attentäters von Hanau in Anzeigen gegen Ermittler und den Hanauer Oberbürgermeister rassistisch. Das Gedenken an die Opfer nennt er „Volksverhetzung“.

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          Der Vater des Attentäters Tobias R., der am 19. Februar neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschoss, versucht einem Medienbericht zufolge mit Strafanzeigen gegen Sicherheitsbehörden und den Hanauer Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) vorzugehen. „Der Spiegel“ berichtet, der 73 Jahre alte Vater habe eine Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft Hanau und den Generalbundesanwalt gefaxt, in der er unter anderem den Vorwurf der Freiheitsberaubung erhob.

          Jan Schiefenhövel
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Darin beklage er sich etwa über den Einsatz eines Sonderkommandos der Polizei in seinem Haus in der Tatnacht. Die Beamten waren in das Haus eingedrungen und hatten Tobias R. tot aufgefunden. Die Behörden sind überzeugt, dass er sich selbst getötet hat. Zuvor hatte er an zwei Tatorten in Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln sowie zu Hause seine kranke Mutter getötet.

          Verschwörungstheoretische Vorwürfe

          Der „Spiegel“ schreibt, der Vater habe sich in Anzeigen und anderen Eingaben ähnlich wie sein Sohn rassistisch und im Sinne von Verschwörungserzählungen geäußert. So habe er behauptet, ein Geheimdienst habe seinen Sohn getötet und ein Agent habe als Tobias R. verkleidet die Morde in Hanau begangen. Dem Bericht zufolge beschwerte sich der Vater über Gedenkstätten, die in Hanau an die Morde erinnern und die Namen der Opfer nennen. Das halte der Mann für Volksverhetzung. Dem Hanauer Oberbürgermeister werfe er vor, mit der Aussage „Die Opfer waren keine Fremden“ eine Straftat begangen zu haben. Außerdem fordere der Vater die nach der Tat beschlagnahmten Waffen seines Sohnes zurück.

          Kaminsky hat die Anzeigen gegen ihn bestätigt. Zum Inhalt der Anzeigen und zum Stand der Ermittlungen wollte er sich nicht äußern, teilte aber mit: „Was der ,Spiegel‘ in dem aktuellen Artikel zusammengetragen hat, ist sehr besorgniserregend.“ Er werde die Polizei bitten, die Sachverhalte unter dem Aspekt der Sicherheit zu bewerten und zu reagieren.

          Die Hanauer Staatsanwaltschaft teilte auf Nachfrage der F.A.Z. mit, „im Nachgang zur Tat vom 19.02.2020“ seien mehrere Strafanzeigen eingegangen. Zu deren Inhalt wollten sich die Strafverfolger mit Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte von Beteiligten nicht äußern. Bei der Einschätzung einer möglichen Gefährdung tausche sich die Staatsanwaltschaft mit der Polizei aus. Die Polizei wollte sich auf Anfrage gar nicht zu der Berichterstattung des „Spiegels“ äußern. Zur Begründung hieß es, der Vater von Tobias R. sei „keine Person des öffentlichen Lebens“. Deshalb dürfe die Polizei keine Informationen aus ihren Akten über den Vater preisgeben.

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