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Rapperin Fiva : Mit unprätentiöser Präsenz

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Mal euphorisch, mal traurig: Als Rapperin Fiva erzählt Nina Sonnenberg aus dem Leben gegriffene Geschichten. Bild: Nina Stiller

Nina Sonnenberg pendelt zwischen TV-Studio in Mainz und Clubbühne. Als Rapperin Fiva erzählt sie aus dem Leben gegriffene Geschichten, mal euphorisch, mal traurig.

          3 Min.

          Als die Rapperin Fiva für ihr 2011 erschienenes Album „Die Stadt gehört wieder mir“ erstmals mit Musikern zusammenarbeitete, war solch eine Kollaboration im Hip-Hop zwar längst keine Revolution mehr, aber doch interessant. Schon zuvor war die couragierte Rapperin und Autorin, begleitet von einem DJ oder solo bei Poetry Slams, mit klugen Texten und persönlicher Haltung aufgefallen. 2005 gründete sie mit DJ Radrum eine eigene Plattenfirma, um künstlerisch autonom zu bleiben.

          Parallel dazu machte sie unter ihrem bürgerlichen Namen Nina Sonnenberg als Moderatorin Karriere, zunächst im Radio, ab dem Jahr 2011 dann bei den Fernsehsendern ZDFkultur und 3Sat. Dafür zog die studierte Soziologin sogar für einige Zeit nach Mainz. Bis heute präsentiert die 39 Jahre alte Nina Sonnenberg bei 3sat die Sendungen „Kulturpalast“ und „Theater: Ein Fest“. In der nächsten Ausgabe des Theatermagazins, zu sehen am 13. Januar, wird sie in Paris unter anderem Bill Forsythe und Jérôme Bel treffen.

          Einmalige Kooperation

          Zwei Alben hat Fiva im Quintett mit teils prominenten Musikern produziert und danach überzeugend auf die Bühne gebracht. Eine neue Dimension erschließt nun ihre in vieler Hinsicht einmalige Kooperation mit der Jazzrausch Bigband. Initiiert wurde die Zusammenarbeit von Bigband-Leiter und Posaunist Roman Sladek, festgehalten auf dem 2016 veröffentlichten Album „Keine Angst vor Legenden“. Das flexible, in München ansässige Ensemble ist bislang vor allem für seine gewitzte Übertragung von Techno- und House-Stilistik ins moderne Bigband-Idiom bekannt. Clevere Arrangements und der fröhlich-überdrehte Esprit der Akteure überzeugen besonders live auch solche Hörer, die Grenzgänge dieser Art im Allgemeinen eher skeptisch betrachten. Wie Fiva verstehen Jazzrausch ein Partyfeuerwerk abzubrennen, bei dem man das Hirn nicht vollends abschalten und im Tanzbein deponieren muss, um sich mitreißen zu lassen.

          Angesichts von 20 Musikerinnen und Musikern auf der Bühne fällt die Entscheidung nicht leicht, wen man beachten soll. Bei einem Konzert vor einigen Wochen im Wiesbadener Schlachthof überließ Fiva erst einmal der Band mit ihren unterschiedlichen Untergruppengruppen das Rampenlicht. Neun Holz- und Blechbläser pendelten da zwischen subtilen, beinahe hymnischen Orchestrierungen und kantigen bis gleißenden Funkjazz-Akzenten, einige knappe, mehr oder weniger abstrakte Soli inklusive. Naturgemäß brauchte es dann eher ruhige Passagen, um die vier Streicher in der Band akustisch nach vorne treten zu lassen. Schlagzeuger Silvan Strauß, der in einer Freestyle-Passage auch rappte, Perkussionist Samuel Wooton und Bassist Maximilian Hirning waren dagegen fast durchgehend präsent und begeisterten als flexibles Groove-Team mit pulsierender Energie. Pianist Kevin Welch wiederum bekam zwei Minuten Ruhm als Soul-Sänger, derweil DJ Radrum punktuell mit Scratches originäre Hip-Hop-Ästhetik aufleuchten ließ.

          Schlagfertig auf der Bühne

          „Ganz besonders möchte ich die Jazzfans begrüßen“, witzelte Fiva später in ihrer ersten Ansage, „vermutlich sind zwei im Publikum.“ Ihre Schlagfertigkeit, mit der sie bei früheren Konzerten auch aufdringliche Zwischenrufe aus dem Publikum elegant zum Verstummen brachte, wurde beim Auftritt im Schlachthof aber kaum herausgefordert. Die Fans unterschiedlichen Alters feierten stattdessen alte und neue Stücke. Zudem freuten sie sich über Fivas lustige, teils spontan wirkende Moderationen und ihre souverän unprätentiöse Präsenz. Schon früh in ihrer Karriere trat sie in ihren Texten ebenso wie in ihrem Bühnengestus den Stereotypen des Genres ironisch entgegen. Gleichwohl hat die Münchnerin auf jeden Fall jenen rhythmischen „Flow“, der im Hip-Hop so essentiell ist wie markante Stimmen in Soul und Jazz.

          Hintersinnig, lakonisch oder anrührend-sensibel erzählt Fiva in ihren mittlerweile auf sechs Alben erhältlichen Stücken aus dem Leben gegriffene Geschichten, feiert mal in sommerlicher Euphorie das Leben oder berichtet traurig von der Krebserkrankung eines nahestehenden Menschen. Außerdem plädiert sie in ihren Texten immer wieder für Vielfalt, Selbstvertrauen und Mut zur Eigenständigkeit. Auch ihre neuen Stücke, zu denen Trompeter Andreas Unterreiner die Musik komponierte, beeindrucken. Etwa das fast romantisch arrangierte, textlich entschiedene „3 Ausrufezeichen“, mit dem Fiva auf Hasskommentare im Internet reagiert. Bei aller Ernsthaftigkeit findet sie auch hier einen optimistischen Ausweg, ruft dazu auf, nicht am Bildschirm zu kleben, sondern rauszugehen und die Angst auszutreiben. Wenn dann noch eine Band wie die Jazzrausch Bigband zur Party aufspielt, kann eigentlich nichts schiefgehen. Die ersten Festivalauftritte für diesen Sommer sind schon gebucht.

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