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Negative Online-Bewertung : Ein Bier für Trolle

„Kopfgeld“ gegen Gast: Wirt Ralph Göllner wehrt sich gegen eine negative Bewertung auf Google. Bild: Frank Röth

Der Frankfurter Wirt Ralph Göllner wehrt sich gegen eine anonym verfasste Online-Bewertung, nach der er homophob und ausländerfeindlich sei. Die Antwort der Bewertungsportale ist fadenscheinig.

          Ralph Göllner bekommt vier Sterne von uns. Der Wirt der „Zappbar“ im Frankfurter Nordend wehrt sich gegen einen Feind, vor dem viele seiner Kollegen in der Gastronomie kapituliert haben: den Bewerter, der seine negative Meinungsmacht in den teilweise rechtsfreien Räumen des Internets ausspielt, und das oft anonym, wie in diesem Fall. Da hat ein Gast der „Zappbar“ eine Besprechung auf Google-Rezensionen verfasst und darin Göllner als ausländerfeindlich und homophob bezeichnet.

          Göllner hat ein „Kopfgeld“ ausgesetzt, um des Verleumders habhaft zu werden und ihn in der analogen Welt zur Rede stellen zu können. Für die rüde Wortwahl gibt es einen Stern Abzug, bleiben zwei für Kampfgeist plus zwei für Zivilcourage – man kann sich die wüsten Solidaritätsbekundungen vorstellen, die die Horde von Trollen produziert, wenn einer von ihnen angegriffen worden ist.

          Bezeichnend ist die Stellungsnahme von Google: Mit wenigen Mausklicks könnten Betroffene beantragen, als ungerecht empfundene Bewertungen entfernen zu lassen. Alle Urteile, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, würden dann schnell entfernt. Dass es, wenn es mit rechten Dingen zuginge, umgekehrt sein müsste, kommt Google offenbar gar nicht in den Sinn: dass das Portal erst einmal prüfen müsste, ob derart weitreichende Vorwürfe zutreffen, bevor sie veröffentlicht werden.

          „Wer sich verteidigt, klagt sich an“

          Auch der wohlmeinende Ratschlag des Bewertungsportals Tripadvisor an Wirte führt in die Irre. Er lautet: Gehen Sie auf die Kritik ein. Ernsthaft? Wenn man der Ausländerfeindlichkeit verdächtigt wird? In solchen Fällen gilt das deutsche Sprichwort „Wer sich verteidigt, klagt sich an“. Erst recht, wenn er das gegenüber einem Anonymus tut.

          Die Argumentationslogik der Bewertungsportale, deren Geschäftsmodell leider auch auf einer Mischung von Feigheit und Wichtigtuerei bei etlichen Nutzern aufbaut, ist klar. Sie wollen vermeiden, dass die von ihnen heraufbeschworenen Konflikte die Sphäre der digitalen Unverbindlichkeit verlassen. Aber die Virtualität ist eben nur vermeintlich, für den Wirt übersetzt sich das leichthin verfasste Urteil in einen echten Reputations- und Umsatzverlust.

          Deshalb eine Bitte: Wer das, was ihm nicht passt, dem anderen nicht offen ins Gesicht sagen kann, soll sein Bier lieber allein vor dem heimischen Computer trinken. Und darüber nachdenken, wie viele Sterne er seinem eigenen Verhalten gäbe.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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