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Deutsches Filminstitut : Fassbinders Nachlass kommt nach Frankfurt

Wertvoll: Fassbinders Notizen Bild: Ricardo Wiesinger

In Frankfurt wird ein Zentrum für die Forschung am und die Arbeit mit dem Werk eines der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte entstehen. Das neue Archivzentrum des Deutschen Filminstituts wird 2019 eröffnet.

          Der größte Teil des Nachlasses von Rainer Werner Fassbinder (1945–1982) ist am Donnerstag an das Deutsche Filminstitut übergeben worden. Damit wird in Frankfurt ein Zentrum für die Forschung am und die Arbeit mit dem Werk eines der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte entstehen. Im April nächsten Jahres wird an der Eschersheimer Landstraße das Fassbinder Center Frankfurt eröffnet, in dem das Institut und das Deutsche Filmmuseum nicht nur Fassbinders Erbe zeigen werden. Auf 1000 Quadratmetern wird künftig ein großer Teil des Archivs zur deutschen Filmgeschichte zusammengeführt, das bislang auf mehrere Standorte verteilt ist.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Schriftgut Fassbinders, allein 180 Kisten mit Drehbüchern, Briefen, Produktionsunterlagen, das jetzt mit Hilfe der Stadt, der Kulturstiftung der Länder und der Hessischen Kulturstiftung für 750.000 Euro angekauft werden konnte, soll Aushängeschild des neuen Hauses werden. Die Fassbinder-Erbin und Präsidentin der Rainer Werner Fassbinder Foundation, Juliane Maria Lorenz-Wehling, hat nicht nur diesen Teil des Nachlasses verkauft, sondern zudem als Dauerleihgabe alle weiteren Dokumente und Objekte ihrer Foundation überlassen. Auch Fassbinders Flipperautomat und sein Sofa werden künftig in Frankfurt stehen.

          Vertrauensverhältnis zum Filminstitut

          „Ein großer Tag“ sei diese Überlassung, sagte nicht nur die Direktorin des Deutschen Filmmuseums, Ellen Harrington. Ihrer Vorgängerin Claudia Dillmann, dem Vorstand des Hauses, Nikolaus Hensel, sowie Chefkurator Hans-Peter Reichmann sei der doppelte Coup zu verdanken. Reichmann, der zahlreiche Nach- und Vorlässe von bedeutenden Akteuren des deutschen Films und auch die Aufarbeitung und Präsentation von Stanley Kubricks Werk für das Institut gewinnen konnte, präsentierte am Donnerstag einige ausgewählte Objekte aus dem Fassbinder-Archiv. Unter anderem auch Fassbinders Notizblöcke zu „In einem Jahr mit 13 Monden“, 1978 in Frankfurt gedreht, wo Fassbinder 1974/75 für kurze Zeit mit seinen Schauspielern das Theater am Turm geleitet hatte.

          Wertvoll: Fassbinders Notizbücher im Deutschen Filminstitut.

          Lorenz-Wehling sagte am Donnerstag, ein anderer Ort als Frankfurt, um ihre Sammlung zu überlassen, sei für sie nicht in Frage gekommen. Im Lauf von 25 Jahren Kooperation sei ein Vertrauensverhältnis zum Filminstitut entstanden. 2013 hatte das Filmmuseum mit „Fassbinder Now!“ dessen andauernde Wirkung auf die Künste in einer Ausstellung präsentiert. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) sagte, dass das neue Fassbinder Center die internationale Bekanntheit Frankfurts als Ort der Kultur, des Wissens und der Debatte noch erhöhen werde.

          Die Immobilie des Fassbinder Centers wird zu günstigen Konditionen vom Unternehmer und Mäzen Carlo Giersch für mindestens zehn Jahre zur Verfügung gestellt. Laut Harrington stünden 500.000 Euro für die Anfänge des Centers zur Verfügung, an einem langfristigen Finanzierungsplan werde gearbeitet. Neben Raum für 2,3 Millionen Fotos, rund 40.000 Plakate und viele weitere Dokumente und Kostüme soll auch ein Lesesaal in den einstigen Büroräumen entstehen. Dank der direkten Nähe zur Goethe-Universität soll auch der gemeinsame Studiengang Filmkuration im Fassbinder Center seinen Sitz bekommen.

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