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„Barock am Main“ : Alte Liebe rostet nicht

Facharbeiter im Weinberg des Humors: Schon in der Schulzeit hat Rainer Ewerrien hauptsächlich in komischen Rollen geglänzt. Bild: Helmut Fricke

Rainer Ewerrien kommt als Orgon bei „Barock am Main“ ans Theater zurück. Er glänzt hauptsächlich in komischen Rollen. Dennoch würde er gerne mal etwas „Todernstes“ spielen.

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          Eine Sache dürfte Rainer Ewerrien ganz und gar nicht fremd sein: pfundweise Schminke im Gesicht. Als Inge an der Seite von Carsten Strauch alias Renate in der Serie „Götter wie wir“ ist er schließlich komplett übertüncht: zur perfekten Dame eines gewissen Alters, mit dezentem Make-up, blonder Föhnfrisur, Nagellack und Goldrandbrille. Und nun, als Orgon im „Tartüff“, ist Ewerrien erst auf den zweiten oder dritten Blick hinter der Schminke zu erkennen.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Markenzeichen des vom Prinzipal der neuen Frankfurter Volksbühne Michael Quast geleiteten Festivals „Barock am Main“ in Frankfurt-Höchst ist seit 15 Jahren die auffällige Maske: Auch dieses Jahr wieder hat Katja Reich alle Gesichter mattweiß grundiert, knallrosa Bäckchen, dickschwarze Sorgenfalten und dramatische Lidstriche gezaubert. Die reine Theaterillusion.

          Debüt als Theaterregisseur

          Und die reine Theaterfreude für Rainer Ewerrien, der als Orgon an der Seite von Michael Quast in dessen Paraderolle als Tartüff spielt. Die hessischen Molière-Nachdichtungen von Wolfgang Deichsel hat Ewerrien schon immer bewundert, wie überhaupt das Werk des 2011 verstorbenen Deichsel, mit dem er die Mehrfachbegabung teilt: Auch Ewerrien, 1960 in Bad Homburg geboren, seit vielen Jahren in Frankfurt ansässig, arbeitet als Schauspieler und als Autor. Und hat in dieser Saison am Frankfurter Stalburg Theater sein Debüt als Theaterregisseur mit „Die Frau aus dem Michelangelo“ gegeben.

          Obwohl Frankfurt nun wirklich nicht sehr groß ist, sie beide schon jahrelang hier ansässig sind und es auch keine unübersehbare Menge von Vollblutkomikern in der Stadt gibt, haben Quast und Ewerrien sich erst vor knapp fünf Jahren kennengelernt und gleich ein originales Deichsel-Stück gespielt: „Loch im Kopp“. Da konnte Ewerrien nicht anders als zusagen: Das Stück war seinerzeit, als er im Neu-Isenburger Spottlicht-Theater anfing, wo er viele Jahre spielte, sein Debüt. Ausgebildet in den achtziger Jahren als Pantomime an der damaligen Frankfurter Tanz- und Theaterwerkstatt Fe Reichelt, kam er also dank Deichsel doch wieder zum Sprechtheater. Und nun ist Ewerrien zum ersten Mal bei „Barock am Main“. Trotz einer langen „Fremdelphase“, die er mit dem klassischen Theater gehabt habe.

          Mit Theater hat er schon als Schüler angefangen, bekannt geworden ist er aber vor allem durch Film und Fernsehen. Mit der Serie „Götter wie wir“ haben Ewerrien und Carsten Strauch als Inge und Renate alias Gott nicht nur komödiantische Schöpfungsgeschichte um-, sondern auch Fernsehcomedy-Geschichte geschrieben. Und obwohl das ZDF trotz umwerfender Quoten und der Auszeichnung mit dem Deutschen Fernsehpreis 2013 die Serie aus dem Verkehr gezogen hat – wie es sich für ordentliche Götter gehört, leben Inge und Renate weiter. In Clips, dank Carsten Strauchs Youtube-Kanal.

          „So eine Idee hat man nicht oft“

          Ewerrien muss ein wenig grinsen, wenn er an die Parallelen zwischen dem „Tartuffe“ Molières und der Rezeptionsgeschichte seiner Götter-Comedy denkt: Auch Molière konnte sein Stück aufgrund von Protest gegen die religionskritischen Inhalte fünf Jahre lang nicht spielen. Frustrierend war die Erfahrung mit der Serie aber doch. Auch, weil Ewerrien, langjähriger Humorfacharbeiter sowohl als Autor als auch als Darsteller, weiß: „So eine Idee hat man nicht oft, mit der man auf Strecke gehen und immer wieder neu schauen kann, wo es gerade weh tut in der Gesellschaft.“ Das sei eine Menge. Und dem Humor, fürchtet er, gehe das Herz verloren. Obwohl er an der Nachfrage des Publikums spürt: „Es gibt eine Sehnsucht danach, zu lachen, aber nicht plump oder platt, sondern mit dem Teufel im Detail.“

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