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„Barock am Main“ : Alte Liebe rostet nicht

Liebe zu hessischer Mundart

Seit fast 20 Jahren macht Ewerrien den immerzu ausverkauften „Magic Monday“, eine kuriose Mischung aus Zauberei und Comedy oder „gepflegte Abendunterhaltung, mit elektronischen Mitteln verfeinert“, wie es in der Frankfurter Schmiere heißt, wo die Show ihren Hauptsitz hat. Immer öfter aber, sagt Ewerrien, kommen Anfragen für Gastspiele. In der Schmiere-Sommerpause ist der „Magic Monday“ daher auch in der Region unterwegs, etwa beim Comedy-Sommer in Oestrich-Winkel.

Einen großen Teil seiner freischaffenden Existenz bestreitet Ewerrien durch das Schreiben von Drehbüchern, Folgen von „Ein Fall für zwei“ etwa oder der Kinofilm „Männerhort“ nach dem Stück von Kristof Magnusson, das er mit David Ungureit verfasst hat. „Das Patchworkarbeiten ist immer wieder wundersam“, sagt Ewerrien – wenn etwas wegbreche, trete dafür eine andere Tätigkeit in den Vordergrund. Ein Vorteil in einer Branche, in der es eng wird für alle, die sich nur auf eine Sparte festlegen. Nun also ist es das Theater, das wieder in den Vordergrund tritt.

„Die große Liebe zu meinem Ursprungsdialekt und die Kraft, die das hat“, haben ihn für Deichsels hessischen Molière entflammt. Leicht sei das nicht zu spielen: „Man merkt, da hat jemand geschuftet und verlangt das auch den Schauspielern ab.“ Zwei Stunden Hauptrolle auf der Freilichtbühne ohne Verstärkertricks, da ist es gut, dass „Ensemble“ bei Quasts „Barock am Main“-Truppe kein leeres Wort ist. Man trage einander. En suite zu spielen, schätzt Ewerrien: Man komme in einen Flow, in dem jeden Tag eine Feinheit mehr entstehe. „So eine Strecke mit einer Figur zu gehen ist toll.“ Für ihn, der vor spontanen Einfällen normalerweise nur so sprüht, sind die feste Inszenierung und eine Texttreue, die alle trage, eine seltene Erfahrung.

Komische Spitze: Michael Quast als Tartüff (links) und Ewerrien in Höchst.

Die soll weitergehen: Der Familienrat, den Ewerrien einberufen musste, um die Ferien mit zwei Kleinkindern zugunsten des Festivals ausnahmsweise mal in den September zu verlegen, hat durchaus zur Kenntnis genommen, dass die Stücke von „Barock am Main“ auch im darauffolgenden Jahr gespielt werden. Nicht nur dazu ist er wild entschlossen. Ewerrien wird, so der Plan, in Quasts neuer Volksbühne auftreten, die von September an den Cantate-Saal am Goethe-Haus bespielt. In der Frankfurter Quiz-Show mit Quast, in der Philipp Mosetter, Jochen Döring, Anna Böger und Ewerrien zu sehen sein werden.

Ewerrien und Quast auf einer Bühne

Nach vielen Jahren, in denen die beiden nur voneinander wussten und immer wieder im Verlag der Autoren, der sie beide vertritt, hörten, sie müssten doch endlich mal zusammenkommen, ist es jetzt also so weit. Großartig sei es, mit Quast zu spielen. Der sei ein „Vollblutkomiker in Perfektion“: „Wir müssen über jeden Witz lachen wie die Vierzehnjährigen“, sagt Ewerrien. Obwohl er, nach einigen kleineren „normalen“ und ernsten Rollen im Fernsehen, furchtbar gerne mal etwas richtig Todernstes spielen würde: „Das ist so einfach.“

„Barock am Main“ findet noch bis 4. August im Hof der Höchster Porzellanmanufaktur, Palleskestraße 32, statt. Für den „Magic Monday“ am 4. August beim Comedy-Sommer in Oestrich-Winkel gibt es noch Karten.

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