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Räume für Künstler : „Die Mietpreise knabbern an der Substanz“

Frankfurt sei ein hartes Pflaster

Erdelmeier ist Maler. Seine Formate sind riesig. Er braucht viel Platz. Allein schon deshalb, um seine Arbeit ab und an aus der Distanz betrachten zu können. Etwa 100 Quadratmeter misst sein Atelier. Er hatte in dem Gebäude schon eines, als die Polizei noch darin war. Damals habe man ihn zweimal verhaften wollen, es sei die beste Zeit überhaupt gewesen. Einen Sog nach Berlin verspürt er nicht: „Jeder, den man in Berlin kennenlernt, ist Künstler. Die treten sich da gegenseitig auf den Füßen rum.“

Er wolle Bilder malen und nicht dauernd Künstler kennenlernen, sagt Erdelmeier. Allerdings sei Frankfurt durchaus ein hartes Pflaster. „Wegen der Mietpreise, die knabbern schon an der Substanz.“ Sonst aber sei ihm das Umfeld völlig egal. „Wenn ich im Dienst bin, bin ich im Dienst. Ich will meine Bilder malen und auch nicht von einer urbanen Aura angetatscht werden.“ Wichtig sei, einen Raum von einer gewissen Größe zu haben. Das könne auch in Fechenheim sein. Oder im Ostend. Auch auf dem Dorf? „Da nicht.“ Die Kunstszene hält er trotzdem für ein „romantisches Ideal“. Es sei eine Klischeevorstellung, dass Künstler immer zusammensitzen und miteinander reden. „Man muss sich das eher als Hass- und Neidkommune vorstellen.“ Bimboese fällt ihm ins Wort: „Also da muss ich mal widersprechen, gefeiert wird hier auch.“

Kunst und Party

Künstler seien eben verschieden, sagt sie. Viele im Haus arbeiteten zusammen, Fotografen und Maler machten oft gemeinsame Sache: „Es geht mir schon um Vernetzung.“ Das sei auch der Sinn eines solchen Atelierhauses. So sieht das auch Anja Czioska, die sich Kunst ohne Szene nicht vorstellen kann. Schließlich war sie schon als Städelschülerin ein Teil davon. Und war an jenem künstlerischen Aufbruch in Frankfurt beteiligt, der mit dem Rektorat Kasper Königs an der kleinen Kunsthochschule verbunden ist. Sie arbeitet mit analogen Schnitt-Apparaturen, stellt Filme her. Die Retrotechnik bestimmt das Atelier der Künstlerin, die bei Peter Kubelka studiert hat. Kochen und Film, bei beidem wird durchgemischt, hat sie bei ihm gelernt.

Czioska bedauert, dass so viele Künstler von Frankfurt nach Berlin gegangen sind. Wo doch ohnehin manches, was auf märkischem Sand prächtig gedeiht, seinen Ursprung am Main hat. Die Idee etwa, Kunst und Party zu verbinden. Die Mischung aus Clubkultur und künstlerischer Kreativität. Die Besetzung von innerstädtischem Brachland, um Projekte abseits der etablierten Galerien und großen Ausstellungshäuser zu realisieren.

Halt für die Künstler

Anja Czioska kuratiert demnächst in der Ölhalle am Offenbacher Hafen eine Schau, in der die Frankfurter Szene Thema wird. „Wegen der Vertreibung durch das Ordnungsamt Mitte der neunziger Jahre sind praktisch alle unsere Formate nach Berlin gegangen, weil sie dort bekamen, was wir hier nicht mehr hatten: Freiräume. Hätte die Stadt damals anders reagiert, wären die Künstler hier geblieben.“ Sie erinnert an die Galerie Fruchtig, an die Off-Galerien Muttertag und Gartner‘s.

Hans Romanov habe die ersten Treffpunkte ermöglicht, die Bar Romantica, die Intim-Bar. Später seien die Atelierhäuser entstanden, wo sich der Rest, der nicht nach Berlin abgewandert ist, getroffen habe. Für Anja Czioska sind derlei Einrichtungen daher vor allem notwendig, um den hiesigen Künstlern einen Halt zu geben. Die Frankfurter Szene, sie ist vielleicht doch mehr als nur ein leerer Wahn.

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