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Bockenheimer Landstraße : Mehr Raum für Radfahrer

Bockenheimer Landstraße: Noch ist die Spur für Radfahrer schmal, künftig werden zwei Radfahrer auch mal nebeneinander fahren können. Bild: Verkehrsdezernat Stadt Frankfurt

Der Radweg an der Bockenheimer Landstraße wird verbreitert, für Autos bleiben nur zwei Spuren. Laut Prognosen soll verbleibender Autoverkehr „zufriedenstellend bis ausreichend“ fließen können.

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          Wer im Berufsverkehr seinen Platz auf der Bockenheimer Landstraße finden will, muss beherzt unterwegs sein. Dicht an dicht reihen sich die Radler auf der gerade einmal 1,55 Meter breiten Spur aneinander. Ein Überholen ist praktisch undenkbar. Als der Radweg vor mehr als 30 Jahren nach dem Bau der U-Bahn angelegt wurde, entsprach er modernsten Ansprüchen. An der fast wie ein Boulevard angelegten Bockenheimer Landstraße mit der imposanten Kastanienallee haben die Radfahrer etwas, was es sonst kaum im Stadtgebiet gibt: eine ganz eigene Spur.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die befindet sich auf der gleichen Höhe wie der Gehweg, ist aber dennoch durch Hochbeete baulich von den Fußgängern getrennt und durch den Höhenunterschied auch von den Autofahrern abgegrenzt. Einziger Nachteil der Konstruktion: Langsamere Radler können nur an Kreuzungen überholt werden, dann, wenn sich alle auf Straßenniveau bewegen.

          Wäre es bei der Zahl der Radfahrer aus den ersten Jahren geblieben, wäre der Platz auskömmlich. Doch statt der rund 1200 Radler, die 1988 innerhalb von acht Stunden in beide Fahrtrichtungen gezählt wurden, sind 2018 fast dreimal so viele registriert worden. Genaugenommen waren es 3292, so viele wie auf keiner anderen Straße in Frankfurt. Und das ist zwei Jahre her. Die Zahl der Radfahrer dürfte noch einmal deutlich zugelegt haben. Gleichzeitig, so die Daten des Verkehrsdezernats, ist in den vergangenen 30 Jahren die Zahl der Autofahrer um 14 Prozent gesunken. Rund 10.000 sind im Jahr 2018 innerhalb von acht Stunden unterwegs gewesen.

          Auch die U-Bahn-Station soll barrierefrei werden

          Ortsbeirat und Stadtregierung sind sich schon seit Jahren einig, dass es für die Radfahrer auf dieser zentralen Achse von den westlich der Innenstadt gelegenen Stadtteilen ins Zentrum so nicht weitergehen kann. „Der sehr stark genutzte Radweg ist zu schmal“, bestätigte das Verkehrsdezernat schon vor Jahren und billigt seit Frühjahr 2017 den Radfahrern als Interimslösung zu, auf der 1200 Meter langen Strecke zwischen Senckenberganlage und Alter Oper parallel zum Radweg auch die Straße mit zu benutzen. Zudem kündigte das Dezernat damals die Planung eines Gesamtkonzepts an.

          Das Problem der Radfahrer ist nicht das einzige, das es auf der Bockenheimer Landstraße zu lösen gilt: Die unter der Straße verlaufende U-Bahn-Station Westend muss wie alle Haltestellen bis 2022 auch barrierefrei zu erreichen sein. Nach langen Diskussionen hat die für die U-Bahnen zuständige Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) als aus ihrer Sicht beste Lösung den Bau einer Verkehrsinsel samt Aufzug mitten auf der Bockenheimer Landstraße in Höhe der Myliusstraße beantragt. Im September vergangenen Jahres wurde das dazu notwendige Planfeststellungsverfahren eingeleitet.

          Kurz zuvor, am 29. August 2019, hatte sich die Koalition im Römer, bestehend aus CDU, SPD und Grünen, mit dem Beschluss zur „Fahrradstadt Frankfurt“ auch endgültig festgelegt, die Bockenheimer Landstraße umzubauen. Und zwar, um den Radfahrern mehr Platz zu geben, zu Lasten der Autofahrer. Damit nichts auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird, wurde festgelegt, dass noch 2019 eine Vorplanung vorgelegt werden sollte, „so dass 2021 mit dem Umbau begonnen werden kann“. So ganz hat es mit dem ambitionierten Zeitplan nicht geklappt.

          Mittlerweile ist die Vorplanung erarbeitet. Sie liegt dem Ortsbeirat vor, Ende Juni soll darüber diskutiert werden. Die Debatte dürfte munter ausfallen, zumal man im Stadtteil stärkste Befürchtungen hat, wie alles auf der Bockenheimer Landstraße funktionieren soll, wenn der Radweg ausgebaut und gleichzeitig die Verkehrsinsel mit dem neuen Aufzug zur U-Bahn-Station errichtet wird.

          Einigen Kreuzungen weiterhin für Autos zweispurig

          Gemäß der jetzt vorgelegten Planung der Verkehrsexperten wird der Radweg auf mindestens 2,30 Meter verbreitert, nur in Ausnahmefällen bleibt es bei zwei Metern. Zudem erhalten die Radfahrer einen 75-Zentimeter-Sicherheitsstreifen in Richtung Autos und noch einmal 25 Zentimeter in Richtung Hochbeete. Die Gesamtkonstruktion des Radweges bleibt, er wird wie bisher erhöht geführt.

          Der Autoverkehr verliert fast durchweg die bisher vorhandene dritte Fahrspur, die auf der Bockenheimer Landstraße vor allem als Abbiegespur zu den einzelnen, mehr oder weniger bedeutsamen Querstraßen genutzt wird. Allein an den Kreuzungen an der Alten Oper und am anderen Ende an der Senckenberganlage bleiben dem motorisierten Verkehr mehrere Spuren. Und auch an der Kreuzung von Siesmayer- und Mendelssohnstraße halten die Planer an der Abbiegespur fest. Schließlich führen die Straßen auf der einen Seite zum Palmengarten, dem botanischen Aushängeschild der Stadt, und über die Mendelssohnstraße wird ein Teil des Westends erschlossen.

          Eine Verkehrssimulation hat nach Angaben des Verkehrsdezernats ergeben, dass auf den dann noch verbleibenden Fahrbahnen der Verkehr zu „65 bis 70 Prozent zufriedenstellend bis ausreichend abgewickelt werden kann“. Die Planer wissen, dass nicht nur Autofahrer und Radler Platz benötigen, sondern auch der Lieferverkehr seinen Raum braucht, zumal sich an der Straße ein größerer Rewe-Markt befindet, der ebenso beliefert werden muss wie die zahlreichen Bürogebäude. Geht es nach dem Willen der Fachleute, soll der Anlieferverkehr über die Zu- und Ausfahrten auf Privatgrundstücken erfolgen oder im Fall des Supermarktes eine Anlieferzone in der Nebenstraße, der Myliusstraße, eingerichtet werden. Die Kosten des Umbaus werden derzeit auf knapp elf Millionen Euro veranschlagt.

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