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Radsport in der Image-Krise : Rolle rückwärts

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Radfahren ist ein kostspieliger Sport

Die beiden besten hessischen Nachwuchsfahrer Jan Dieteren (Bensheim) und Christian Mager (Zwingenberg) fahren für das Gelsenkirchner Continental-Team Stölting. Darüber hinaus treten die Besten dieser Altersklasse aus der Region für den RV Sossenheim in die Pedale. Sie sind berufstätig oder studieren, und „keiner hat die Tendenz, Profi zu werden“, sagt Brech. „Das ist in meinen Augen auch nicht erstrebenswert.“ Dafür sind auch im Winter die Trainingsbedingungen für die RV-Fahrer, die zu sechst beim Kurparkrennen antreten werden, zu schlecht. Das haben sie in diesem Frühjahr wieder zu spüren bekommen, als beim Ausflug zum Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich kein Frankfurter das Ziel erreichte.

Beim VC Frankfurt ist das von einem rührigen Sponsor finanzierte Projekt U-19-Bundesliga ins Stocken geraten. In der laufenden Saison sind nur noch drei Nachwuchsfahrer am Start. Radsport, so Brech, sei eben ein harter, trainingsintensiver und kostspieliger Sport. Keiner, zu dem die Kinder mit Trinkflasche und einem Paar Schuhen unterm Arm zum Sportplatz um die Ecke gehen könnten. Und wer nicht spätestens mit 14, 15 Jahren beginnt, mit umfangreichem Training Grundlagen zu legen, stößt im Leistungsbereich schnell an Grenzen. Doch die Schwierigkeiten beginnen schon damit, dass es einerseits einen Mangel an guten Trainern gibt und diese anderseits kaum die Verantwortung übernehmen können, sich mit beispielsweise sechs Zwölfjährigen auf Rennrädern in den Straßenverkehr zu stürzen. Das gilt gerade für einen autoverkehrsreichen Ballungsraum wie Rhein-Main.

Rohracker glaubt, dass „wir die Rechnung erst in einigen Jahren zahlen werden“. Derzeit kämen noch ausreichend vielversprechende Talente hoch, die mit den (damaligen) Vorbildern Ullrich, Zabel und Co aufgewachsen sind und eine gute Förderung genossen hätten. „Doch es wird uns unten viel wegbrechen“, sagt Rohracker in Bezug auf das anhaltend schlechte Image des Radsports. Für den ausrichtenden Verein RSC Bad Homburg ist das Kurparkrennen längst der einzige Berührungspunkt mit Rennsport im Jahr. Doch ohne Profis, haben die Bad Homburger feststellen müssen, geht es nicht. Als die Stadt die Organisatoren auf dem Höhepunkt der Doping-Enthüllungen 2006 anwies, auf Profis im Kurpark zu verzichten, fand als Folge das Rennen praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Es folgte die Rolle rückwärts, und seitdem sind wieder Berufsradler und die zweite Garde der deutschen Teams vertreten. Favoriten sind in diesem Jahr freilich Tour-Teilnehmer Degenkolb und Danilo Hondo.

Gemeinhin herrscht an der Basis die Meinung, dass der Radsport in Medien und Öffentlichkeit ungerecht behandelt wird. Nach dem Motto: Irgendwann muss es genug sein mit der Kritik. Sie stecken viel Zeit und Herzblut in ihr Metier und wollen nicht länger gemeinsam mit gedopten Profis in Sippenhaft genommen werden. Ein verständlicher Wunsch, doch sollten sie sich wohl nicht zu viele Hoffnungen machen.

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