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„Race across America“ : Das härteste Radrennen der Welt

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Kräfte sammeln: Der Frankfurter Peter Smeets genießt einen Moment der Ruhe vor Beginn der nächsten Hatz – 4800 Kilometer lang. Bild: Eberhard Hoch

Beim „Race across America“ über 4800 Kilometer will ein hessisch-amerikanisches Quartett einen neuen Streckenrekord aufstellen. Dafür musste es hart trainieren – und viele Kompromisse eingehen.

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          Die Demut, sagt Peter Smeets, sei genauso groß wie beim ersten Mal. Wenn der Frankfurter und seine drei Mitstreiter an diesem Samstag in Kalifornien an die Startlinie rollen, dann türmt sich ein Koloss von Rennen vor ihnen auf. Allein die Streckenlänge lässt selbst trainierte Radsportler erschaudern: 4800 Kilometer. Das dauert mit dem Auto ewig und mit dem Flugzeug gefühlt einen halben Tag. Aber auf dem Sattel eines Rades? Fünf Tage und acht Stunden, hoffen zumindest Smeets und sein Team „4Athletes“. Das würde einen neuen Streckenrekord für Viererteams beim „Race across America“ bedeuten. Und um nichts anderes geht es dem hessisch-amerikanischen Quartett bei dem Rennen, das für sich in Anspruch nimmt, das härteste der Welt zu sein. Dementsprechend bedarf es eines Schnitts von 37,2 Kilometern pro Stunde auf der gesamten Strecke. Von West nach Ost, von Oceanside am Pazifik bis Annapolis am Atlantik. Gefahren wird Tag und Nacht, keine Etappenziele, keine Pause, kein Erbarmen. Das Rennen wirkt wie ein einziger Superlativ. Es führt durch zwölf amerikanische Bundesstaaten, vier Zeitzonen, über rund 52000 Höhenmeter, durch bis zu 50 Grad heiße Wüsten und über klirrend kalte Hochgebirgspässe. „Das ist keine Radtouristik-Fahrt“, sagt Smeets.

          Der Siebenundvierzigjährige spricht aus Erfahrung, aus guter Erfahrung als „Race across America“-Veteran. Im Vorjahr siegten er und seine Mitstreiter in der Kategorie Viererteam. Smeets ist der Älteste der vier Athleten, der Hauptfinanzier des kostspieligen Abenteuers und sozusagen der Chef de Mission. Und wer sein Büro in einem edlen Altbau im Frankfurter Westend betritt, könnte meinen, Smeets handle mit Zeitfahrmaschinen. Überall stehen die sensiblen, federleichten Räder, am Schreibtisch, an der Wand, im Gang. Doch in Wahrheit ist Smeets Chef einer international tätigen Sicherheitssoftware-Firma. Doch als Teilnehmer der Amerika-Durchquerung braucht es auch belastbare Hardware.

          „Optimale Vorbereitung gibt es nicht“

          Schließlich sind Mensch und Maschine extremen Belastungen ausgesetzt: Hitze, Kälte, Staub, (Gegen-)Wind, rauhem Asphalt, Geröll und Tierkadavern auf der Straße, der Enge der Wohnmobile und dem Schlafmangel als Dauerzustand. „Wir sind super ehrgeizig und haben versucht, alles zu optimieren“, sagt Smeets über die Lehren des Vorjahres. Die Sitzpositionen sind noch tiefer, die Helme und sogar die Trinkflaschen, welche die vier verwenden, sind noch windschnittiger geworden. Für Passagen mit Temperaturen über 40 Grad haben sie hauchdünne Kühlwesten im Gepäck, die unter dem Trikot getragen werden. Im vergangenen Jahr haben sie sich noch Wasser über den Kopf geschüttet – und damit so manches Funkgerät ertränkt. Und das Training? „Härter, disziplinierter, spezifischer“, sagt Smeets, der für die Triathlon-Abteilung der Frankfurter Eintracht schon einige Ironman-Rennen bewältigt hat. Bei Smeets ringen seit Monaten Trainingsplan und berufliche Pflichten um die Oberhand in seinem Leben. „Die optimale Vorbereitung gibt es deswegen nicht“, sagt Smeets, dessen Tage frühmorgens mit Radfahren beginnen und spätabends mit Radfahren aufhören. „Es ist ein Kampf der Zielkonflikte, aber wenn man akzeptiert hat, dass der Kompromiss die beste aller Lösungen ist und die reine Lehre in der Praxis nicht existiert, ist alles gut.“

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