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Rabih Mroué am Mousonturm : Mitten in den Kopf

Brüderlich am Mousonturm: Yasser und Rabih Mroué Bild: Mathilde Delahye

Der Krieg, vor allem der libanesische, den er selbst erlebt hat, aber auch andere, zumal der aktuelle im Nachbarland Syrien, ist immer wieder Thema in Mroués Arbeiten. Nun gastiert er mit „Riding on a cloud“ am Mousonturm in Frankfurt.

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          Seine Geschichte sei doch nichts Besonderes. Es gebe Tausende wie ihn, sagt Yasser. Stimmt, sagt Rabih Mroué. Dieser - schriftliche - Dialog, der am Ende von „Riding on a cloud“ zu sehen ist, liest sich so, wie Brüder eben manchmal miteinander reden. Eher sachlich, wenn man es positiv sagen will. Die Geschichte von Yasser könnte man auch als Rührstück erzählen, als patriotische Geschichte. Rabih Mroué aber läge nichts ferner als das.

          Eva-Maria Magel
          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er ist der wenig ältere Bruder dieses Mannes, der im libanesischen Bürgerkrieg als 17 Jahre alter, hoffnungsfroher Schüler von einem Heckenschützen durch einen Kopfschuss getötet werden sollte. Die Kugel durchschlug Yassers linke Gehirnhälfte. Und es ist, natürlich, ein Wunder, dass er noch lebt, dass er, rechtsseitig gelähmt, das Sprechen und Gehen mühsam wieder gelernt hat. Nun steht und sitzt er auf der Bühne, in einer Inszenierung, die sein Bruder Rabih Mroué, ein international bekannter libanesischer Schauspieler, Regisseur, Videokünstler und Autor, zunächst gar nicht machen wollte.

          Brüderliche Konstellation als Chance

          Allerdings entpuppt sich in der guten Stunde von „Riding on a cloud“ genau diese brüderliche Konstellation auch als Chance. Die Etappen seiner Biographie, die Yasser oder ein Bühnen-Yasser, der nicht identisch ist mit dem „echten“, erzählt, mögen stimmen oder zum Teil auch nicht. Das Was und das Wie dieser Filmperformance berührt das Gefühl des Zuschauers ebenso, wie es Denkprozesse in Gang setzt. Gerade weil, selbst wenn Chopin-Préludes oder schmalzige Popsongs ertönen, Rabih Mroué seinen Grundsätzen treu bleibt. Nie mit Emotionen zu hantieren, wenn es um emotionale Themen gehe, sondern immer nur mit dem Verstand, hatte er am Vorabend von „Riding on a cloud“ erläutert.

          Da hatte er mit „Footnotes“ erstmals eine noch unfertige Videoarbeit gezeigt, die viele seiner Themen und künstlerischen Verfahren in einzelnen kurzen Filmsequenzen darstellt und erhellt. Die kleine Vorschau war ein Geschenk für das Publikum, das, so schien es, immer neugieriger wurde auf den Kosmos, den Rabih Mroué da umriss. Am nächsten Abend war zu sehen, wie er eine fertige Arbeit, zwischen Videokunst und Bühnenstück, mit diesen ausgelegten Fäden webt.

          Der Krieg, vor allem der libanesische, den er selbst erlebt hat, aber auch andere, zumal der aktuelle im Nachbarland Syrien, ist immer wieder Thema in Mroués Arbeiten. Vielen ist sein Beitrag zur jüngsten Documenta in Erinnerung: die Filme von Personen, die mit der Handy-Kamera in jenem Moment filmten, in dem sie selbst Opfer eines Attentats wurden. Die Linse auf den Mörder gerichtet, in dessen Visier sie im selben Moment erschienen. Auch dieses Moment kehrt in „Footnotes“ wieder.

          Was Realität ist und was Fiktion, was Dokument und was Text, was Bild und Bezeichnetes, was Darstellung und Interpretation, all das gehört seit jeher zu den Schlüsselfragen im Werk des 1967 geborenen Rabih Mroué. Die Fragen bilden nicht nur die Grundlage seiner Arbeit, sondern sind auch deren Thema - neben anderen. Doch es sind keine hochkomplexen philosophischen Traktate, die Mroué zeigt, zu sehen ist vielmehr ein fast spielerischer Umgang mit Theorie in einer Praxis von höchst lebendigen, anregenden, oft sogar humorvollen Performances und Filmen. Seine Werke zielen auf den Kopf und in das Herz gleichermaßen. Umso besser, dass die überaus sehenswerte Arbeit „Riding on a cloud“nach zwei Abenden in Frankfurt bald noch einmal in Wiesbaden gastieren wird.

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