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Querdenker in Frankfurt : Der Traum von einer neuen APO

Querdenker-Harmonie: Teilnehmer der Demo beim gemeinsamen Singen, Tanzen und Fahne schwenken. Bild: Maximilian von Lachner

Zwischen Hare Krishna, Che Guevara und John F. Kennedy: Die Querdenken-Bewegung demonstriert im Grüneburgpark. Bereits zum zweiten Mal hat das Bündnis zur Kundgebung in Frankfurt aufgerufen.

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          Von einem Maskenträger will Walter Weber, Arzt aus Hamburg und einer der Initiatoren des Bündnisses „Ärzte für Aufklärung“, nicht fotografiert werden. „Gehen Sie weg“, ruft er dem Pressefotografen zu, der vor dem Lastwagen, auf dessen Ladefläche er seine Rede hält, Position bezogen hat. „Haben Sie gefragt, ob Sie mich fotografieren dürfen?“, blafft der Arzt den Mann an. Wenig später passiert dem Fotojournalisten, der für diese Zeitung vor Ort ist und der ebenfalls einen Mund-Nase-Schutz trägt, das Gleiche. Auch von ihm verlangt Weber lautstark, dass er mit dem Fotografieren aufhört und die Maske ablegt. Von den Menschen, die auf der Wiese stehen, erntet der Hamburger Arzt dafür Applaus, die Menge klatscht und jubelt ihm zu. Im Recht ist Weber deshalb trotzdem nicht: Auf öffentlichen Demonstrationen dürfen Journalisten ohne Einschränkungen fotografieren.

          Alexander Jürgs

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Der Ruf der Freiheit“ haben die Organisatoren, die Frankfurter Gruppe der Querdenken-Initiative, die überall im Land gegen die Corona-Maßnahmen aufmarschiert, ihre Kundgebung getauft. Es ist das zweite Mal, dass das Bündnis in Frankfurt demonstriert. Ins Leben gerufen hat die Querdenken-Bewegung der baden-württembergische Unternehmer Michael Ballweg. Versammelt haben sich rund 400 Teilnehmer auf der unteren Wiese im Grüneburgpark. Mit Absperrgittern wurde dort ein Areal abgetrennt, in dem eine Art Festivalstimmung herrscht. Die Menschen haben Picknickdecken ausgebreitet, von einem Laster aus, der auf einem der Parkwege abgestellt ist, sprechen die Redner und treten Musiker auf. Eine Handvoll Hare-Krishna-Anhänger in weißen und orangefarbenen Gewändern tanzen in der Spätsommersonne, an einem Stand werden Unterschriften gegen einen Ausbau des 5G-Netzes im Taunus gesammelt, daneben liegt ein Stapel der Zeitungen vom „Demokratischen Widerstand“, der mit den Hygiene-Demos an der Berliner Volksbühne den Anstoß für die bundesweite Bewegung gegen die Corona-Maßnahmen gab.

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