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Rechtsstreit um Umweltschutz : Der Frosch gegen Procter & Gamble

Steht auf Sauberkeit: Reinhard Schneider von Werner & Mertz. Bild: Frank Röth

Der Mittelständler Werner & Mertz und der Konzern Procter & Gamble verklagen sich gegenseitig. Beide halten das Ökomarketing des jeweils anderen für erlogen.

          Verbrauchertäuschung oder Umweltschutz? Um diese Frage wird es gehen, wenn sich im Juni die Anwälte zweier namhafter Unternehmen aus dem Rhein-Main-Gebiet vor dem Frankfurter Landgericht treffen. Dort wollen Werner & Mertz, Produzent von Wasch- und Reinigungsmitteln unter Marken wie Frosch und Emsal aus Mainz, und der in Schwalbach am Taunus ansässige deutsche Ableger des amerikanischen Konzerns Procter & Gamble, bekannt für Marken wie Ariel und Fairy, klären lassen, auf wessen Putzmittelflaschen die ganze Wahrheit steht.

          Inga Janović

          Wirtschaftsredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Angestoßen hat diesen Rechtsstreit Reinhard Schneider, Inhaber und Geschäftsführer von Werner & Mertz. Er war im Jahr 2000 in fünfter Generation in den Familienbetrieb eingestiegen, der einst mit der Schuhcreme-Marke Erdal und einem Froschkönig-Logo bekannt wurde und zuletzt 399 Millionen Euro Umsatz erzielte. Seit Ende der Achtzigerjahre und insbesondere seit der Amtszeit von Schneider kennen Verbraucher das Unternehmen aber vor allem wegen des Froschs. Unter diesem Logo gibt es eine breite Palette an Putz- und Waschmitteln mit Rezepturen aus pflanzlichen Komponenten und dem Versprechen, biologisch abbaubar, ressourcenschonend hergestellt und damit umweltfreundlich zu sein.

          Neuerdings prangt ein weiterer Slogan auf den Mainzer Flaschen: „Frosch für saubere Meere“ heißt es, gefolgt von dem Hinweis, dass alle Produkte frei von Mikroplastik seien und der Kunde eine Reinigerflasche aus 100 Prozent Altplastik in den Händen hält, deren Rohstoffe zu einem einmalig hohen Anteil aus dem Gelben Sack stammten. Werner & Mertz ist Gründer der sogenannten Recyclat-Initiative, die den Haushaltsmüll, der bisher trotz getrennter Sammlung kaum recycelt wird, nutzbar machen und einen geschlossenen Kreislauf für Plastikverpackungen aufbauen will. Man habe mehr als 200 Millionen PET-Flaschen aus einhundert Prozent Altplastik auf den Markt gebracht, das sei Weltrekord.

          Schneider zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Konkurrenz

          Auch Procter & Gamble gibt sich ressourcenbewusst. Der Konzern mit einem Gesamtumsatz von 65 Milliarden Euro sei einer der großen Verwender von recycelten Kunststoffen in Europa, rechnet das Unternehmen vor. Mehrere hundert Millionen Flaschen würden europaweit jedes Jahr produziert, in denen anteilig Recyclingmaterial stecke. Spätestens 2030 wolle man ausschließlich recyclingfähige Verpackungen in Umlauf bringen. Zudem sei der Konzern Teil der „Alliance to end plastic waste“, einem Bündnis großer Unternehmen, die angekündigt haben, mit einer Milliardensumme gegen die Vermüllung der Meere durch Plastikverpackungen anzugehen.

          Reinhard Schneider glaubt der großen Konkurrenz kein Wort. Ihn ärgere, wenn die Marktführer statt Umweltschutz nur Augenwischerei betrieben. „Vertrauen ist das höchste Gut des Verbrauchers. Wenn es andere missbrauchen, fällt das auch auf uns zurück“, begründet er seinen Gang vors Gericht. Procter täusche die Kundschaft, die Wahrheit stünde immer erst im Kleingedruckten.

          So wie auf dem Spülmittel des Konzerns, auf dessen Etiketten damit geworben wurde, dass in den Flaschen „Ocean Plastic“ wiederverwendet worden sei. Tatsächlich wurde nicht etwa im Meer schwimmender Müll als Rohstoff eingesetzt, sondern ein Anteil an Plastikabfällen, die an Stränden, Flussufern und Seen eingesammelt wurden. Procter & Gamble hält den Begriff „Ocean Plastic“ auch dafür für gängig, änderte aber trotzdem sein Vorgehen: „Wir sprechen nun von Gewässer- und Uferplastik“ teilt das Unternehmen mit.

          Auch Procter & Gamble glaubt nicht alles, was die Mainzer ihren Kunden versprechen und hat etwa den Aufdruck „Bio-Qualität seit 1986“, der auf Frosch-Flaschen prangt, gerichtlich moniert. Beim Gerichtsverfahren im Juni wird es aber zunächst um ein Frosch-Spülmittel gehen. Dass dafür kein Mikroplastik verwendet wurde, sei eine Selbstverständlichkeit, sagen die Bad Schwalbacher. Damit zu werben, sei unlauter. Schneider hält dagegen, er könne mehrere Produkte von Konkurrenten nennen, in denen sehr wohl die umstrittenen Mikropartikel steckten. Er habe keine Angst vor dem Rechtsstreit mit dem Marktriesen: „Ich will geklärt wissen, wer seine Hausaufgaben wirklich gemacht hat.“

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