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Rockergruppe „Osmanen“ : Putschversuch in der Türkei als „Zündstoff“

Mehr als Boxer und Rocker: Mitglieder der „Osmanen“ zeigen sich nicht nur bei Boxveranstaltungen, sondern auch auf politischen Demonstrationen. Bild: Helmut Fricke

Was nach dem Putschversuch in der Türkei neu ist: Rocker aus Hessen treten als politische Akteure auf. In der Szene brodelt es seit Monaten, nun haben die „Bahoz“ den „Osmanen“ den Kampf angesagt.

          Als sich in der Nacht des Putschversuchs in der Türkei rund 1500 Erdogan-Anhänger auf dem Frankfurter Opernplatz versammelten, waren auch die „Osmanen“ dabei. Fahne schwenkend standen sie mitten in der Menge und feierten den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es war nicht das erste Mal, dass die „Rocker“ sich von ihrer „politischen Seite“ zeigten. Auch im April waren sie mit von der Partie, als auf dem Frankfurter Roßmarkt rund 2000 regimetreue Türken demonstrierten. Und einen Monat zuvor nahmen sie an einem Protestmarsch in Aschaffenburg teil, bei dem es zu Übergriffen von kurdischen Gegendemonstranten kam. „Wir beobachten diese Entwicklung sehr genau“, hatte die Polizei damals am Rande der Demonstration gesagt.

          Inzwischen steht für die Sicherheitsbehörden fest, dass die „Osmanen“ längst nicht mehr nur als Box-Club zu sehen sind, was sie einst waren, und auch nicht mehr nur als Gegenspieler der „Hells Angels“ im Rockermilieu. Immer mehr werden sie zu politischen Akteuren.

          „Bahoz“ haben den „Osmanen“ Kampf angesagt

          Seit Monaten schon steht die Vereinigung im Fokus der hessischen Polizei. Auch deshalb, weil sich in Dreieich das sogenannte World Chapter befindet; die Zentrale, aus der die Organisation bundesweit, aber auch bis ins Ausland gesteuert wird. Rund 1500 Mitglieder werden den „Osmanen Germania“ zugerechnet, dem größten Ableger in Hessen, der als besonders türkisch-nationalistisch gilt. Nicht nur im Rhein-Main-Gebiet treten deren Mitglieder immer offensiver auf. Außer in der Türsteherszene sollen sie im Objekt- und Personenschutz aktiv sein und dort ihr Geld verdienen, unter anderem über Subunternehmen mit der Bewachung von Flüchtlingsheimen.

          Gerade die politischen Aktivitäten sehen die Sicherheitsbehörden inzwischen mit Sorge, und das nicht erst seit dem Putschversuch in der Türkei. Zumal sich seit einigen Wochen eine zweite politische Gruppierung in Hessen verstärkt zeigt, die auch bei den Demonstrationen in Frankfurt und Aschaffenburg vertreten war: „Bahoz“, ein Zusammenschluss junger kurdischer Männer, die den „Osmanen“ den Kampf angesagt haben. Auch „Bahoz“ wird inzwischen von der Polizei beobachtet, wie ein Sprecher des hessischen Landeskriminalamts sagt.

          „Nur eine Frage der Zeit, bis es Tote gibt“

          Zweimal in den vergangenen Wochen konnte die Polizei quasi in letzter Minute gewaltsame Aufeinandertreffen verhindern. Am 21.Juni warteten die „Osmanen“ schon in der Frankfurter Innenstadt, allerdings vergebens, weil die Polizei zur selben Zeit die „Bahoz“-Anhänger an der Eissporthalle abgefangen hatte. Unter anderem wurde bei einem der Mitglieder eine scharfe Schusswaffe sichergestellt.

          Kurden gegen Türken: Demonstration am Roßmarkt

          Vor zwei Wochen trafen die beiden Gruppen abermals aufeinander. Diesmal in Hanau. „Bahoz“-Anhänger hatten am späten Abend des 9. Juli im Internet in Richtung „Osmanen“ die Nachricht gepostet, sie befänden sich gerade in ihrem Territorium. „Und wo seid ihr?“ Es dauerte keine halbe Stunde, bis die „Osmanen“ auf diese Provokation reagierten. Die Polizei hatte die halbe Nacht damit zu tun, die beiden Gruppen auseinanderzuhalten. Aus Ermittlerkreisen ist zu hören, es sei „nur eine Frage der Zeit, bis es irgendwann einmal Tote gibt“.

          Die Polizei ist sich weitgehend sicher, dass sich der Konflikt zwischen „Bahoz“ und den „Osmanen“ weiter aufschaukeln wird. Der Putschversuch in der Türkei, so heißt es, heize die Stimmung weiter an. Er wirke wie „Zündstoff“.

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