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42. Puppenspiel Festival : Wiesbaden lässt die Puppen tanzen

  • -Aktualisiert am

Warten auf den Einsatz: Figuren, die von Sonntag an beim 42. Puppenspiel Festival im Wiesbadener Kinderhaus zum Einsatz kommen. Bild: Michael Kretzer

Am Sonntag beginnt das 42. Puppenspiel Festival in der Landeshauptstadt. Zwölf Figurentheater aus ganz Deutschland zeigen 33 Aufführungen am Elsässer Platz. Der Festivalleiter Stefan Maatz ist mit Spaß bei der Sache.

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          Stefan Maatz lacht gern und häufig. Das merkt man im Gespräch recht schnell. Zudem fällt es ihm schwer, seine Finger still zu halten, während er spricht. Das ist kein Wunder, denn er ist Puppenspieler und seit 2015 Leiter des renommierten Wiesbadener Puppenspiel Festivals. „Käpt’n Knitterbart geht auf Piratenfahrt“ und „Wo die wilden Kerle wohnen“ kennt der 44 Jahre alte Vater von zwei Töchtern daher nur zu gut, denn er hat die Puppentheater, die diese Stücke aufführen, nach Wiesbaden eingeladen. Wenn Maatz über Puppenspiel und Wiesbaden spricht, wird seine Leidenschaft für das Figurentheater deutlich: „Das ist das älteste Puppenspiel Festival Deutschlands. Es gibt kein anderes Festival dieser Art, das seit 42 Jahren ohne Unterbrechung stattfindet.“

          An diesem Sonntag startet das 42. Festival im Kinderhaus am Elsässer Platz in Wiesbaden und Maatz hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um seinem kleinen und großen Publikum ein witziges und spannendes Programm zu bieten. Der Festivalleiter aus dem oberhessischen Schlitz ist selbst begeisterter Puppenspieler und der Chef des Puppentheaters „Con Cuore“. „Ich bin in einer Künstlerfamilie groß geworden. Meine älteste Schwester leitet mit ihrem Mann den Reutlinger Weihnachtszirkus und meine jüngste Schwester ist beim Zirkus Casselly“, erzählt Maatz. Sein Vater sei der einzige gewesen, der einen „ordentlichen Beruf“ ergriffen habe, obwohl er für sein Leben gern privat gesungen habe, sagt Maatz lachend und geht federnden Schrittes durch den großen Raum, in dem in den nächsten Tagen viele Kinder mit großen Augen den Aufführungen folgen werden.

          Mit 19 die erste Tournee

          Maatz selbst kam zum Puppenspiel, weil sein Onkel, der in Baden-Württemberg mit einer Verkehrserziehungs-Puppenbühne tourte, ihn im Alter von 16 Jahren mit auf Tournee nahm. „Ich bin zwei Jahre mit ihm gefahren. Dann sagte mein Onkel zu mir, du hast so viel Talent, mach das doch weiter“, schildert er die Anfänge. Der Onkel schenkte ihm eine alte Bühne und die Mutter kaufte die ersten Figuren. Im Alter von 19 Jahren absolvierte Maatz seine erste Tournee als professioneller Puppenspieler.

          Seit vielen Jahren spielt er nun gemeinsam mit seiner Frau Theater und ist regelmäßig im In- und Ausland auf Tour. „Wir suchen die Inszenierungen immer so aus, dass auch wir Spaß daran haben“, sagt er, was durchaus eine Erklärung für seine lang anhaltende Begeisterung sein kann. Das Ehepaar spielt mit Marionetten, Handpuppen und Schattenfiguren, je nach Inszenierung. Daher bietet „Con Cuore“, was übersetzt „Mit Herz“ heißt, seinen Zuschauern die gesamte Bandbreite des Figurentheaters. Der Name ist eher außergewöhnlich und lässt offenbar Raum für Spekulationen. „Es gibt Veranstalter, die kündigen uns mit dem Namen ,Theater Konkurs‘ an“, sagt Maatz und lacht wieder schallend.

          „Wir spielen hauptsächlich für Kinder“

          Dieser Humor kommt auch bei der Zielgruppe an. „Wir spielen hauptsächlich für Kinder. Sie sind das anspruchsvollste Publikum, weil sie überhaupt kein Gewissen haben“, sagt er noch immer lachend und nimmt damit der Aussage die Schärfe. Damit meint Maatz, dass Kinder die ehrlichsten Zuschauer sind. „Die Rückmeldung bekommt man sofort auf der Bühne.“

          Verspielt: Stefan Maatz liebt das Figurentheater und leitet seit 2015 das Festival.

          Ob den Kindern ein Stück gefällt, wird nach seinen Angaben erst während der Aufführung deutlich. Die Stücke schreiben die Theatermacher oft selbst oder ändern Geschichten rund um bekannte Figuren wie etwa „Pettersson und Findus“ ab. „Viele Verlage lassen uns ausreichend künstlerische Freiheit, um bekannte Stücke neu und anders zu inszenieren“, sagt Maatz, der diese Freiheiten gern nutzt.

          Mit Spaß bei der Sache

          Auf die Frage, welches Erlebnis ihn während einer Aufführung am stärksten berührte, gibt der Leiter erst einmal keine Antwort. Es seien so viele. Dann leuchten seine Augen und er antwortet: Das Gastspiel im Theatrio Figurentheater in Hannover wirke bei ihm noch nach. „Da haben wir vergangenes Jahr das Märchen vom Pfefferkuchenherz gespielt. Zum Schluss hebt der Theaterdirektor die Arme und es fängt auf der Bühne an zu schneien.“ Als die Kinder nach der Vorstellung hinausgegangen seien, hatte es draußen tatsächlich geschneit. Schnell seien die zurückgekommen und hätten in den Saal gerufen: „Draußen liegt Schnee. Das war das Theater.“

          Dass es nun am Sonntag zum Start des Wiesbadener Festivals schneit, scheint eher unwahrscheinlich. Aber für leuchtende Kinderaugen ist gesorgt. Bis einschließlich 24. November werden insgesamt 33 Vorstellungen mit phantasievollen Geschichten und Figuren dargeboten. Zwölf Theater aus ganz Deutschland zeigen ihr Können. In den vergangenen Jahren kamen fast 4000 Kinder aus Wiesbaden und Umgebung zu den Aufführungen, und auch in diesem Jahr rechnet Maatz mit ähnlich vielen Besuchern.

          Den Anfang macht die Künstlerin Maayan Lungman mit dem Stück „Nyar – a Paper Tale“. Es handele sich dabei um ein sehr berührendes Stück, sagt Maatz und wirkt kurz ein wenig beeindruckt, bevor er wieder lacht. Man merkt deutlich: Der Festivalleiter ist mit Spaß bei der Sache.

          42. Puppenspiel Festival Wiesbaden

          Das komplette Programm und Informationen sind unter www.wiesbaden.de/kinderkulturangebote zu finden. Karten kann man bei der Wiesbadener Tourist Information am Marktplatz 1 kaufen.

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