https://www.faz.net/-gzg-7hjb6

Publikumstag auf der IAA : Adam zieht die Frauen an

Knuffig: der Opel Adam, angeblich ein Frauenauto. Bild: AFP

Die Internationale Automobilausstellung hat bis jetzt mehr als 300.000 Gäste gezählt. Noch eine Woche sind die Tore der Frankfurter Messe für das Publikum geöffnet.

          3 Min.

          Der Weg zur überdachten Schnitzeljagd führt durch Schwaden von Döner- und Würstchengeruch, vorbei an der Fahrschule von Legoland für die ganz kleinen Gäste auf dem Frankfurter Messegelände. Der Besucher passiert die transparente Tonne mit den fliegenden Zetteln von Kumho Tyres und die Trauben vor den Tischen der „Gelben Engel“ vom ADAC. Linker Hand zeigt sich vor der Halle von Audi die vielleicht längste Schlange auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) an diesem Sonntag. 60 Meter lang führt sie vom Eingang um die Ecke. Die Ingolstädter warten bei der Messe, die schon gut 300.000 Gäste gezählt hat, mit einer Installation aus Spiegeln und Skyline-Ansichten auf, die auf dem Kopf stehen und bei denen die Besucher sich an der Decke selbst zuwinken können. Wer an der Schnitzeljagd bei Škoda gegenüber in Halle3 teilnehmen will, muss nicht lange warten und kann etwas gewinnen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vor den Gewinn hat die tschechische VW-Tochter, deren deutsche Landesgesellschaft in Weiterstadt sitzt, aber einige Mühen gesetzt. Der Teilnehmer muss sich eine Karte abholen und mindestens vier Beratungsgespräche zu den Autos mit dem grünen geflügelten Pfeil führen. Für jedes Gespräch drückt eine der Hostessen einen grünen Stempel auf die Karte. Dass die junge Frau, die am neuen Octavia steht, blonde Haare hat, kann Zufall sein. Dass sie aber mittags schon ein bisschen wie Bonnie Tyler klingt, die blondierte walisische Rockröhre, ist gewiss keiner: Bei ihr geht es Schlag auf Schlag, ohne Unterlass muss sie reden. Gleichwohl beantwortet sie alle Fragen zu dem überarbeiteten Erfolgsmodell ausführlich und erklärt technische Neuerungen wie die Kamera über dem Innenspiegel, die die Straße vor dem Kühlergrill überwacht und mit einem Warnsystem drinnen gekoppelt ist. Ihre brünette Kollegin ein paar Schritte weiter neben dem neuen Rapid Spaceback klingt auch etwas angestrengt: „Heute morgen war es schon ganz voll“, berichtet sie. Gut für Škoda, schlecht für die Stimme. Doch die junge Frau ist nicht nur gut informiert, sondern auch geduldig und freundlich. Stempel auf die Karte, eine schöne Messe noch. Der Nächste bitte. So ähnlich geht es noch ein paar Mal, bis der Gast, ein paar Erkenntnisse reicher, die bestempelte Karte abgibt und ein Präsent wählt.

          Den Monza darf man nur angucken, nicht anfassen

          Nächste Halte-Stelle Halle8. Wer auf dem Weg dorthin die Augen schließt, könnte wegen des Stimmengewirrs aus der dicht gedrängten Menschenmenge, des Popcornduftes und der Diskoklänge in der Luft meinen, auf einer gut besuchten Kirmes zu sein. In Halle8 wirbt der Autozulieferer Bosch auf einem Schild mit 75 Prozent. Er bietet einen Rabatt der besonderen Art. Mittels Technik ließen sich die Unfälle zu Lasten von Fußgängern um drei Viertel verringern, lernt der Besucher. Dieser Rabatt zieht aber nur hin und wieder einen Gast an.

          Deutlich mehr los ist am Stand von Opel. Nur gucken, nicht anfassen, lautet das Motto beim Monza, der Designstudie aus Rüsselsheim. Aber auch das Gucken lohnt sich, wie Dutzende Besucher offenkundig meinen. In drei Reihen stehen sie am Rondell und schauen zu, wie sich der graue Flitzer wie in Zeitlupe vor ihnen dreht. Jeder Dritte zückt sein Smartphone, legt es auf die Seite und drückt ein paar Mal ab. Auch ein blonder Dreikäsehoch begeistert sich für den Monza. Über Gebühr, wie seine Mutter meint. „Genug jetzt, lass’ uns gehen“, sagt sie, und erntet prompt Gequengel.

          Ganz klar: ein Frauenauto

          Derweil erfreut sich der kleine Adam der Gunst der Frauen. Nicht nur gucken, sondern anfassen, heiß es hier. Eine Mittzwanzigerin in weißem T-Shirt und orange-silbernem Schal erhebt sich strahlend vom Beifahrersitz und geht dann zum Heck, das sie vorher schon ausgiebig in Augenschein genommen hat. „Das finde ich cool“, sagt sie und deutet auf einen Fahrradträger, der als Sonderzubehör zu dem Opel-Kleinwagen zu haben ist, wie es heißt. Mit der Farbe, „Berry Red (Perleffekt)“, mag sie sich nicht anfreunden: „Ich finde, kleine Autos müssen knallige Farben haben.“ Ob Opel-Marketingchefin Tina Müller am Donnerstag bei der Stippvisite von Kanzlerin Angela Merkel geflunkert hat, als sie sagte, „Berry Red“ sei die Lieblingsfarbe der Frauen?

          Andererseits: Eine andere Mittzwanzigerin gibt Müller Recht, indem sie sagt, der Adam sei ganz klar ein Frauenauto, „vor allem in dieser Farbe“. Eine etwas ältere Besucherin stimmt ihr zu. Ebenso eine Frau in den Fünfzigern, wobei sie meint, der Adam sei durchaus auch etwas für Männer. Nebenan am Stand mit dem blauen Insignia plötzlich Auftrieb. Weshalb stehen dort auffallend viele Gäste mit BVB-Trikot? Ach so, Torhüter Roman Weidenfeller gibt sich als Werbepartner die Ehre.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Werder Bremen: Pure Freude

          Werder bleibt in Bundesliga : Mit Ach und Krach

          „Scheiß Saison, gutes Ende“: Werder bleibt der Fußball-Bundesliga doch noch erhalten, Trainer Florian Kohfeldt ist einfach nur froh. Beim 1. FC Heidenheim genügt den Bremern ein 2:2-Remis, sie profitieren von einem kuriosen Eigentor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.