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Prozess wegen Mordauftrags : Zeuge erhebt schwere Vorwürfe gegen Falk

Prozess gegen Unternehmer: Hat Alexander Falk (mitte) einen Mord gegen einen Anwalt in Auftrag gegeben? Bild: dpa

Der Unternehmer Alexander Falk soll den Mord eines Frankfurter Rechtsanwalts in Auftrag gegeben haben. Nun äußerte sich der Kronzeuge und verriet weitere Details zum Vorfall.

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          Es ist Tag vier der Vernehmung des Kronzeugen, und Etem E. sitzt wie jedes Mal in seiner Jacke im Zeugenstuhl, rechts der Dolmetscher, links sein Anwalt. Immer, wenn er zwischendurch rein- und rausgeht, schaut er ins Publikum, suchend, ob da jemand sitzt, den er kennt. Er wird mit Polizeischutz hergebracht, denn seine Rolle in diesem Strafverfahren ist keine ungefährliche.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auf seine Aussage stützt sich maßgeblich die Anklage gegen den Hamburger Unternehmer Alexander Falk wegen versuchter Anstiftung zum Mord an einem Frankfurter Rechtsanwalt. Und E., der die von den Kanzleien des 2009 angeschossenen Anwalts ausgelobte Belohnung von 100.000 Euro inzwischen kassiert hat, ist gekommen, um auszupacken. Über viele Stunden hinweg beantwortet er am Donnerstag wieder Fragen. Stellt sich heraus, dass er die Wahrheit sagt, sieht es für Alexander Falk schlecht aus.

          Denn E. hat seine Aussage wiederholt, wonach Falk in einem Hamburger Steakhaus den Auftrag gegeben hat, auf den Anwalt zu schießen. Er will auch bei der Geldübergabe an die Täter dabei gewesen sein, die er jedoch nicht gekannt habe. Osteuropäer seien es gewesen, da ist er sich sicher. Am Donnerstag sagt er aus, dass Falk sich einmal bei einem Treffen nahe der Alster in seiner Gegenwart über den Anschlag auf den Anwalt gefreut habe, bis er ihn gewarnt habe, sich lieber nicht zu laut zu freuen. Aber E. erzählt noch mehr Haarsträubendes über den Unternehmer. Das meiste will er von den Brüdern Ciko und Niyazi B. erfahren haben, von denen Falk einen während der Untersuchungshaft im Zusammenhang mit einem Betrugsverfahren in Hamburg kennengelernt hat und mit denen er anschließend Geschäfte vor allem in der Türkei begann. Weitere Details, sagt E., habe ihm sein Onkel Serhad Y. berichtet, der ebenfalls mit den Brüdern zu tun hatte und sich wie sie und E. im kriminellen Milieu in Hamburg bewegte.

          Falk soll weiteren Auftrag geplant haben

          Y. hatte E.s Angaben bei der Polizei zunächst bestätigt, vor Gericht aber ausgesagt, dass alles gelogen sei. E. hat dafür folgende Erklärung parat: Demnach soll Y. seine Aussage deswegen widerrufen haben, weil er dafür mehrere Millionen Euro Belohnung versprochen bekommen hatte. Mitinitiiert habe das ein Anwalt, der ein alter Freund von Falk sei. Als E. seinem Onkel davon abriet und mit der Polizei drohte, habe Y. zu ihm gesagt: „Wenn du vor Gericht gehst und auspackst, wundere dich nicht, wenn du irgendwann eine Kugel abbekommst.“ Das sei ein ernstgemeinter Rat gewesen. E. hat schon zuvor berichtet, von Falk bedroht worden zu sein, wenngleich ihm das vor allem von Niyazi B. überbracht worden sei. Falk habe ihn „wegmachen“ wollen.

          Und nicht nur ihn: Falls stimmt, was E. sagt, wollte Falk auch auf seinen Schwiegervater schießen lassen. Genau wie auf den zweiten Anwalt, der zusammen mit dem angeschossenen Kollegen an der Zivilklage gegen Falk arbeitete, die laut Staatsanwaltschaft Grund für den Anschlag war. E. stellt es so dar, als habe Falk die Anwälte tot sehen wollen, aber Niyazi B. sich dagegen gesträubt habe. Am Montag hatte zudem ein ehemaliger Mithäftling des Unternehmers, der wegen Betrugs in Haft saß, von Bedrohung im Gefängnis erzählt. Er hatte ein Gespräch von Falk mitgehört und über seinen Anwalt an die Staatsanwaltschaft weitergegeben, woraufhin ihm andere Häftlinge erzählt hätten, Falk wolle ihn weghaben. Er wurde schließlich in eine andere JVA verlegt.

          Die Brüder B. indes, von denen E. den Großteil seiner Informationen haben will, sollen in der Türkei sein und sind für das Gericht nicht greifbar. Es gibt jedoch einen Brief an die Strafkammer, der Falk entlastet und in dem sie schreiben, dass E. lüge, verantwortlich für den Schuss sei und Falk unschuldig sei. Glaubt man E., hat ihm einer der Brüder am Telefon gesagt, dass für dieses Schreiben Geld gezahlt wurde. Auftraggeber sei ein ehemaliger Anwalt von Falk aus Hamburg. Es sind schwere Vorwürfe, die E. bislang erhoben hat. Noch ist die Sache für ihn nicht beendet, er soll weiter befragt werden. Der Prozess wird kommende Woche fortgesetzt.

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