https://www.faz.net/-gzg-9alo9

Erstochener Jugendlicher : Prozess um sadistischen Mord

  • Aktualisiert am

Vor Gericht: Zwei 19 Jahre alte Männer sollen einen 15 Jahre alten Jungen ermordet haben. Bild: dpa

Zwei 19 Jahre alte Männer stehen vor dem Landgericht Kassel, weil sie einen 15 Jahre alten Jungen ermordet haben sollen. Einer der beiden Angeklagten soll psychisch krank sein.

          2 Min.

          Im Prozess um einen erstochenen 15 Jahre alten Jugendlichen in Nordhessen hat ein 19 Jahre alter Tatverdächtiger seinen Mitangeklagten schwer belastet. Er berichtete von sadistischen Spielen mit Blut und beschrieb den ebenfalls 19 Jahre alten Deutschen als „durchgeknallt“. Er selbst sei an der Tat beteiligt, habe das Opfer festgehalten - aber nicht zugestochen. Der von ihm Beschuldigte schwieg bei Prozessbeginn vor der Jugendkammer des Landgerichts Kassel zu der Tat.

          Der junge Mann, der zugestochen haben soll, sitzt beinah regungslos im Gerichtssaal. Er sieht harmlos aus: kräftige Statur, rundes Gesicht, an der rasierten Kopfseite klebt ein großes Pflaster. Er starrt ins Leere, verzieht keine Miene. Das ändert sich auch nicht, als sein mutmaßlicher Komplize auspackt.

          Schriftlich erklärt dieser sein Bedauern über das Verbrechen, das sich im September 2017 in Korbach offenbar aus heiterem Himmel ereignete. Den Mitangeklagten beschreibt er als „Großmaul“, als jemanden, der mit Verbrechen prahlt und das Internetvideo einer Enthauptung verschickt.

          Sechsmal zugestochen

          Alkoholisiert trafen die beiden Korbacher auf den Straßen der Kleinstadt zwei andere Jugendliche, 14 und 15 Jahre alt. Man kennt sich. Plötzlich habe der 19 Jahre alte Mann sich geritzt und erklärt, dass er sich eine Seele holen wolle, sagt sein mutmaßlicher Komplize. Mit Blut habe er seinen Namen auf ein Blatt geschrieben, die Jüngeren sollten das unter Drohung nachmachen. Als diese sich weigerten, sei es zum Handgemenge gekommen.

          Während der geständige Angeklagte das Opfer festhielt, soll der mutmaßliche Täter zugestochen haben - insgesamt sechsmal. Der Betroffene starb an den Verletzungen. Währen dessen habe der mutmaßliche Täter den anderen Jugendlichen aufgefordert, das blutige Messer abzulecken.

          Anklage wegen gemeinschaftlichen Mordes

          Auch wenn nur ein Angeklagter zugestochen haben soll - beide Korbacher müssen sich wegen gemeinschaftlichen Mordes aus niedrigen Beweggründen verantworten. Der mutmaßliche Täter, der laut Anklage zustach, ist bereits polizeibekannt: Er gestand mit einer geladenen Schreckschusspistole in ein Geschäft gegangen zu sein, ohne Wissen seiner Oma Geld von deren Konto abgehoben zu haben und mit einem Auto ohne Führerschein vor der Polizei geflohen zu sein. Die Fahrt endete mit einem Crash. Auch deswegen muss er sich nun vor Gericht verantworten.

          Bei dem Prozess wird es auch darum gehen, ob der Angeklagte in ein Gefängnis oder ein psychiatrisches Krankenhaus muss. Denn er leidet laut Anklage an der Borderline-Krankheit.

          Zur Hauptverhandlung sind 18 Zeugen und zwei Sachverständige geladen. Das Gericht hat drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird frühestens Anfang Juni erwartet.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          „Märsche für die Freiheit“ : Barcelona im Ausnahmezustand

          Die Proteste gegen das Urteil im Separatistenprozess legen die Stadt und weite Teile Kataloniens lahm. Die „Sagrada familia“ wurde geschlossen, dutzende Flüge abgesagt – und eines der wichtigsten Fußballspiele Spaniens verschoben.

          Truppenabzug in Syrien : Amerika dankt ab

          Trump zieht aus Syrien ab und überlässt das Krisenland den Russen. Ob Erdogan seine Ziele erreicht, ist noch nicht klar. Aber zwei Sieger dürften schon feststehen. Von unseren F.A.Z.-Woche-Korrespondenten und -Autoren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.