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Prozess um Raubmord : Nicht mehr als 500 Euro Beute

  • -Aktualisiert am

Das Landgericht Darmstadt verurteilte zwei Täter des Trios zu lebenslanger Haft. Bild: dpa

Vor einem Jahr haben drei junge Männer einen Rentner überfallen, ihn getötet und die Leiche angezündet. Ihr Verhalten ist skrupellos, wie der Prozess zeigt. Nun müssen sie für lange Zeit ins Gefängnis.

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          Als klassischen Raubmord hat das Landgericht Darmstadt die Tat gewertet und zweimal auf lebenslange Haft entschieden, einmal auf neun Jahre nach dem Jugendstrafrecht. Mit dieser Sicht wies das Gericht das Ansinnen zurück, es könne sich vor knapp einem Jahr in Dietzenbach „nur“ um einen Raub mit Todesfolge gehandelt haben. Drei junge Männer aus Afghanistan hatten einen 80 Jahre alten Landsmann umgebracht, um an sein Geld zu kommen. Zur Vertuschung der Tat zündeten sie die Leiche an und setzten die Ein-Zimmer-Wohnung in Brand.

          Schwierigkeiten hatte das Gericht ob des Alters der Angeklagten. Der Vorsitzende Richter Marc Euler deutete an, dass sie ihn und die Behörden belogen hätten. Sie waren vor mehr als zwei Jahren nach Deutschland gekommen und hatten sich als jünger ausgegeben, als sie waren, um an Vergünstigungen zu gelangen. Doch die Bevormundung als minderjährige Flüchtlinge gefiel ihnen offenbar nicht, so dass es ständig zu Konflikten kam. Erst medizinische Untersuchungen wiesen zwei Angeklagte als Erwachsene aus im Alter von etwa 25 und 21 Jahren. Beim jüngsten Mittäter, der beinahe ausgeschlossen worden wäre, als er bei der Urteilsbegründung feixend lachte, beschloss das Gericht nach Gutachten, dass er jünger sei als 21 Jahre. Immerhin hatte er ein Geständnis abgelegt.

          Trio plante den Überfall gemeinsam

          Das Trio ging keinem geregelten Tagesablauf nach, hing herum, wurde polizeibekannt wegen Diebstahls und Erpressung. Die jungen Männer wohnten im Rhein-Main-Gebiet, trafen sich immer wieder. Von ihrem späteren Opfer, einem 80 Jahre alten Mann, hörten die drei zufällig. Sie nahmen an, dass er aus einem Hausverkauf in Afghanistan mehrere zehntausend Euro besaß. Das erwies sich später als unzutreffend, und die Beute, deretwegen der Achtzigjährige sterben musste, bestand aus weniger als 500 Euro, einem alten Mobiltelefon und wertlosem Schmuck.

          Den Überfall auf den alten Mann planten sie gemeinsam. Dabei bedachten sie aber vieles nicht. Ausgerüstet mit Totschläger, Gas-Spray und Schreckschusspistole, aber ohne Masken schritten sie zur Tat, nicht beachtend, dass eine Überwachungskamera sie filmte, bis sie die Wohnung des Opfers betraten. Die Gewaltbereitschaft und den Tötungsvorsatz sah das Gericht als gegeben. Das Trio drängte den Mann zurück. Als er sich wehrte und schrie, schlugen und fesselten sie ihn. Schließlich strangulierten sie ihn mit einem Schal zu Tode, durchsuchten die Wohnung eine Stunde lang. Dann legten sie das Feuer, ohne Rücksicht darauf, dass in dem Gebäude noch andere Menschen lebten. In den darauffolgenden Tagen brüsteten sie sich der Tat.

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