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Frankfurt : Prozess um spektakulären Bankraub eröffnet

Szenen wie im Film: In Frankfurt haben Bankräuber 2019 versucht, eine Sparkassen-Filiale auszurauben (Archivbild). Bild: dpa

Schüsse, flüchtende Täter und eine Verfolgungsjagd: Ein spektakulärer Bankraub in von Frankfurt beschäftigt das Landgericht. Der Prozess gegen vier Sparkassen-Diebe beginnt mit Geständnissen der Angeklagten.

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          Sekundenlang herrscht Schweigen im Saal. Niemand rührt sich. Der Angeklagte atmet tief ein, atmet aus, versucht sich zu sammeln. Es dauert. Dann sagt er: „Ich weiß, dass ich heute zurecht vor Gericht stehe und zur Rechenschaft gezogen werde. Wer sich nicht an die Gesetze hält, muss bestraft werden.“ Die Blicke seiner Mitangeklagten sind auf ihn gerichtet. Er ist bisher der einzige, der sich traut, selbst über die Tat zu reden, anstatt seinen Verteidiger sprechen zu lassen. Als er nach einer halben Stunde fertig ist, bleibt eine Erkenntnis, die es im Gerichtssaal allzu oft gibt: Die Einsicht kam, als es längst zu spät war.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es war der 2. August 2019, als die vier Männer eine Spur der Verwüstung hinterließen. Glaubt man ihren Ausführungen, hatten sie sich erst am Vortag spontan zusammengetan. Ihr Ziel: Schließfächer in der Sparkassen-Filiale an der Düsseldorfer Straße nahe dem Hauptbahnhof ausräumen. Über Nacht fuhren sie mit zwei Autos aus Berlin nach Frankfurt. Einen Wagen stellten sie an der Niddastraße ab, im zweiten wollten sie die Strecke zurück fahren. Der Initiator der Gruppe hatte die Sparkasse Monate zuvor ausgekundschaftet und festgestellt, dass man ohne große Probleme in den Raum mit den Schließfächern im Keller gelangen konnte. Dort hatte er, indem er sich auf einen Stuhl stellte, auch bemerkt, dass über den Schließfächern das Kabel zur Sicherung verlief.

          Gegen 15 Uhr betraten die Männer also paarweise die Sparkasse und gingen zielgerichtet nach unten. Sie durchtrennten das Kabel und öffneten mehrere Fächer, in denen sie neben Dokumenten und Urkunden vor allem eine Menge wertvollen Gold-, Silber- und Edelsteinschmuck sowie Münzen fanden. Den Großteil der Beute haben die Besitzer mittlerweile zurückbekommen. Denn offenbar bemerkten die Männer nicht, dass das durchtrennte Kabel einen Alarm auslöste und eine Bankmitarbeiterin umgehend die Polizei gerufen hatte.

          Verfolgungsjagd durch Frankfurt

          So kam es, dass die Polizisten genau in dem Moment auftauchten, als die Männer in der Niddastraße ins Auto stiegen. Doch anstatt sich einfach zu ergeben, rasten die Täter los. Mit hoher Geschwindigkeit fuhren sie Richtung Baseler Platz. Weder die ihnen mit Blaulicht und Sirene hinterher rasenden Polizisten, noch ein abgegebener Schuss brachten den Fahrer dazu, anzuhalten. Als er am Fußübergang Kaiserstraße einen Rückstau auf beiden Spuren vor sich sah, fuhr er mit hoher Geschwindigkeit einfach in der Mitte durch und rammte dabei vier Autos. Dabei verursachte er einen Schaden von 50.000 Euro, außerdem wurden mehrere Autofahrer bei der Aktion an der Wirbelsäule verletzt und mussten daraufhin ins Krankenhaus. Als das stark beschädigte Fluchtauto wenige Meter danach zum Stehen kam, rannten die vier Männer zu Fuß davon. Drei von ihnen wurden direkt festgenommen, Tage später wurde der vierte Täter festgenommen.

          Keiner der Männer bestreitet vor Gericht die Ereignisse. Zwar sind mehrere vorbestraft, allerdings ergeben ihre Einlassungen keine Hinweise, dass sie als Teil einer Bande agierten. Tatsächlich schien die Aktion relativ planlos zu laufen. Alle berichten, in die „einmalige“ Sache aus akuter persönlicher und psychischer Not hineingeraten zu sein. Waffen hätten sie nicht dabei gehabt. „Es war ein einfacher Einbruch geplant“, sagt der Initiator. Übereinstimmend berichten sie auch, dass sie sich nach ihrem Auffliegen eigentlich stellen wollten. Doch der Fahrer, der besonders schwer mitgenommen ist, verfiel in Panik und raste los. „Es hat sich angefühlt wie ein schlechter Traum. Ich wollte einfach weg. Erst, als ich in der Zelle aufgewacht bin, wurde der Traum Realität.“ Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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