https://www.faz.net/-gzg-9r4i2

Prozess gegen Alexander Falk : „Ich traue ihm die Anstiftung zum Mord absolut zu“

Wird verdächtigt einen Mordauftrag erteilt zu haben: Unternehmer Alexander Falk Bild: EPA

Im Prozess gegen den Unternehmer Alexander Falk hat gestern der angeschossene Rechtsanwalt ausgesagt. Er glaubt fest daran, dass Falk die Tat in Auftrag gegeben hat.

          3 Min.

          Wolfgang J. spricht äußerlich ruhig von jenem Tag vor neuneinhalb Jahren, an dem er angeschossen wurde. Die Kugel aus der Pistole des Mannes, der plötzlich neben ihm stand, ging glatt durch den Oberschenkel. „Ich habe ein Loch vorne und eins hinten“, sagt J. Es war der 8. Februar 2010, Viertel vor neun, der Rechtsanwalt wollte sich gerade auf den Weg zur Arbeit in einer Großkanzlei in der Frankfurter Innenstadt machen. Seine Kinder waren schon in der Schule, seine Frau unterwegs.

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          J. stand an der Fahrertür seines Autos, als ein Mann mit zügigem Schritt auf ihn zuging und ganz nah an ihn herantrat. „Ich hörte einen Knall und guckte nach unten. Ich sah, dass der Mann eine Pistole in der Hand hatte, dass in meiner Hose ein Loch war und Blut herauskam.“ Als J. laut nach der Polizei zu schreien begann, ging der Angreifer ein paar Schritte weg. Dann drehte er sich um, blickte zurück. „Es war, als ob er gucken wollte, ob alles so geklappt hat, wie er sich das vorgestellt hat.“

          Noch im Krankenwagen gab J. gegenüber einem Polizisten an, er wisse, was gerade passiert sei. „Ich bin Rechtsanwalt“, sagte er, „ich führe ein Verfahren gegen Alexander Falk, das ist ein Hamburger Multimillionär. Der steckt hinter dem Anschlag. Überwachen Sie sein Telefon.“

          200.000 für Mordauftrag?

          Es ist Tag vier in dem Prozess am Landgericht, in dem der ehemalige Hamburger Unternehmer Alexander Falk sich wegen des mutmaßlich erteilten Mordauftrags gegen J. verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft ist der Überzeugung, Falk habe 200.000 Euro gezahlt, um den Rechtsanwalt umbringen zu lassen, der ihm in einem Zivilstreit sein Privatvermögen streitig machen wollte. Es ging um viele Millionen Euro. Falk, Erbe des gleichnamigen Stadtplan-Verlags und ehemals erfolgreicher Unternehmer der New Economy, war im Mai 2008 vom Hamburger Landgericht wegen versuchten Betrugs zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Er soll gemeinsam mit anderen ein Unternehmen zu einem künstlich in die Höhe getriebenen Preis verkauft haben. In dem Zivilstreit ging es um Schadenersatz, den die Käuferin von Falk wollte.

          Der Angeklagte bestreitet, einen Mord in Auftrag gegeben zu haben. Am ersten Prozesstag hatte er ausgesagt, J. sei kein maßgeblicher Treiber des Verfahrens gewesen. Man habe den Anwalt kaum wahrgenommen, sich gar teils über ihn lustig gemacht. Nur eines gab Falk zu: Weil er vermutet habe, dass die Kanzlei von J. entlastende Dokumente zurückhielt, habe er mit einer Gefängnisbekanntschaft aus seiner Haftzeit und mit dessen Bruder geplant, diese Dokumente zu beschaffen. Dafür hätten sie einen Hacker vom türkischen Militär aufgetrieben – doch die Aktion sei gescheitert. Anschließend, berichtete Falk, hätten sich die Brüder als Putztrupp verkleidet Zugang zu den Räumen der Kanzlei verschafft. Doch auch auf diesem Weg fanden sie nichts.

          Details zur Tatnacht

          Wie es zu dem Anschlag auf J. kam, kann Falk nicht erklären. Weder dafür noch für zwei versuchte Einbrüche im Haus von J. sei er verantwortlich, sagt er. Genauso wenig wie für eine andere Attacke, über die der Rechtsanwalt vor Gericht berichtet: Acht Wochen vor dem Schuss wachte er gegen 3.30 Uhr auf, weil er wuchtige Schläge und das Splittern von Glas hörte. Als er nach unten rannte, sah er, dass jemand mit einem Vorschlaghammer ein Loch in die Haustür geschlagen hatte, 70 mal 100 Zentimeter groß. Zu sehen war niemand. „Das war Terror, Bedrohung, Erpressung“, sagt J. Schon in den Monaten zuvor habe seine Familie anonyme Anrufe und zwei Einbruchsversuche ertragen müssen.

          Schon damals äußerte J. bei der Polizei die Vermutung, Falk könnte dahinterstecken. Er widerspricht dessen Angaben, wonach er, J., nicht die treibende Kraft hinter dem Zivilverfahren gewesen sei: Über ihn sei das Mandat in die Kanzlei gekommen, und er sei über sieben Jahre hinweg der führende Anwalt gewesen. „Ich war der, bei dem die Fäden zusammengelaufen sind.“ Wäre er ausgestiegen, sagt J., so hätte dies die Prozesschancen von Falk erheblich verbessert. In der Kette an Ereignissen lag daher für ihn die klare Botschaft von Falk: „Der J. soll aufhören, mich zu verfolgen.“

          Den Schuss verstand er als letzte Warnung – und gab das Mandat zum Schutz seiner Familie auf. „Ich traue Herrn Falk diese Anstiftung zum Mord absolut zu“, sagt er. Auf die Tat folgte monatelanger Polizeischutz. Auch das Haus der Familie in Frankfurt wurde von Polizisten mit Maschinengewehren bewacht, J. selbst bekam ein intensives Schießtraining. Ob er noch immer eine Waffe trägt, will er aus Selbstschutz nicht sagen. Der Prozess wird am 1. Oktober fortgesetzt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          So wird man ihn nicht mehr sehen: Dirk Nowitzki im Trikot der Dallas Mavericks, hier im April 2019

          Basketballstar in Rente : Nowitzki und die große Zukunftsfrage

          Das Ziel für die anstehende Saison der besten Basketball-Liga der Welt lautet für Dirk Nowitzki: Abstand gewinnen. Für den ehemaligen NBA-Star gibt es jetzt sogar Eis zum Frühstück. Doch was macht er dann?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.